"Nichts für den Hausgebrauch"

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 13. März 2010

Emmendingen

DREI FRAGEN AN Iris Scholz zu Patientenverfügung, Erbrecht.

KREIS EMMENDINGEN. Heute Abend trifft sich der Sozialverband VdK zur kreisweiten Frauenkonferenz in der Stadthalle Kollnau. Da nur geladene Gäste Zutritt haben, verrät Erbrechts-Expertin Iris Scholz aus Freiburg vorab, was sie zu den Themen Erbrecht und Patientenverfügung vortragen will. BZ-Mitarbeiter Hagen Schönherr sprach mit ihr.

BZ: Viele Menschen fürchten die Patientenverfügung vor allem wegen der daran hängenden Bürokratie. Gibt es keinen einfachen Weg?
Iris Scholz: Hier muss ich für den Gesetzgeber eine Lanze brechen. Mit der Änderung des Betreuungsrechtes hat der Gesetzgeber sich für eine unbürokratische Vorgehensweise entschieden. Für eine verbindliche Patientenverfügung ist es ausreichend, dass der Wille, wie man im gegebenen Falle pflegerisch und medizinisch behandelt werden möchte, klar zum Ausdruck kommt. Das kann völlig formfrei geschehen. Es genügt eine Willensäußerung auf einem Blatt Papier. Bei der Abfassung der Patientenverfügung werden von Juristen und verschiedenen Organisationen – auch vom Sozialverband VdK – Hilfestellungen angeboten. Es wurden auch unterschiedliche Mustervordrucke veröffentlicht. Bei deren kritiklosem Gebrauch ist aber Vorsicht geboten. Ich empfehle, sich zunächst vom Hausarzt beraten zu lassen. In diesem Zusammenhang ist im Übrigen auch an die Errichtung einer Vorsorgevollmacht zu denken. Die Vorsorgevollmacht geht über die Möglichkeiten einer Patientenverfügung hinaus. Sie ist leider weniger bekannt, obwohl sie von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist. Bei Fehlen dieser Vollmacht wird vom Gericht ein gesetzlicher Betreuer eingesetzt.
BZ: Auch richtiges Vererben will gelernt sein: Was zählt, damit mein Nachlass dort ankommt, wo ich ihn haben will?
Scholz: Selbstverständlich kommt der Nachlass nur an, wenn ein Testament formell und materiell wirksam ist. Wenn man es selbst errichten will, muss es handgeschrieben und unterschrieben werden. Das Erbrecht ist aber keine Sache für den Hausgebrauch. Ich muss davor warnen, ein Testament selbst abzufassen. In der Regel kann ein Laie nicht wirklich ermessen, welche Konsequenzen eine von ihm getroffene Regelung nach sich ziehen kann, weil beispielsweise eine im Gesetz verankerte Bestimmung nicht bekannt ist.

BZ: Worauf muss ich hingegen achten, wenn ich mit einer Erbschaft rechne?
Scholz: Für Erben wie auf Erblasser gilt, dass dafür Sorge zu tragen ist, dass das Testament auch gefunden wird. Ich empfehle, Testamente in amtliche Verwahrung beim zuständigen Nachlassgericht zu geben, es ist der sicherste Weg. Zusätzlich können Erben bereits im Vorfeld dafür sorgen, das das Testament, mit dem sie bedacht werden, wirksam ist. Da gilt analog das zuvor gesagte, das auch gemeinsam zwischen Erben und Erblasser besprochen werden sollte.