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03. Mai 2009 13:54 Uhr

Rauchern wird nur kalt serviert

Wird in "Eckkneipen" wie der "Bierbörse" in Emmendingen geraucht, darf kein warmes Essen serviert werden. Das bringt den streitbaren Wirt Rudi Konstanzer erneut auf die Palme.

  1. Warnung an Nichtraucher: In diesem Lokal darf gequalmt werden. Warme Speisen zu servieren, verbietet der Gesetzgeber hingegen. Foto: Gerhard Walser

EMMENDINGEN. Fast unbemerkt ist die überarbeitete Version des umstrittenen Nichtraucherschutzgesetzes vor wenigen Wochen in Kraft getreten. Vom Rauchverbot weitgehend ausgenommen sind seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts die so genannten Eckkneipen. Doch während viele Raucher wieder verstärkt ihrem Laster frönen, beschäftigt die Umsetzung der neuen Vorschriften nach wie vor Gastwirte und Behörden. Diesmal geht’s vor allem auch ums dazu gereichte Essen.

In der "Bierbörse" im Emmendinger Westend hängt seit geraumer Zeit ein Schild im Eingang: "Raucher-Lokal. Kein Zutritt für Personen unter 18 Jahren". Seit es dort hängt, kann Wirt Rudi Konstanzer nach Feierabend wieder gut gefüllte Aschenbecher leeren, doch Freude an der Buchhaltung hat er deswegen noch lange nicht. "Rund 85 Prozent meiner Gäste sind Raucher, doch knapp die Hälfte davon hat bei mir auch warm gegessen", sagt Konstanzer. Schnitzel mit Pommes, Nudelsuppe, Bauernbratwürste mit Brägele gingen früher gut. Doch warm essen können die Besucher der so genannten Einraum-Kneipe künftig nur noch in beschränktem Umfang − oder draußen in der Gartenwirtschaft.

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Denn die Ausnahmeregelung vom generellen Rauchverbot außerhalb von abgetrennten Nebenräumen gilt nach den neuen Bestimmungen des Landes nur in Gaststätten mit einer maximalen Größe von 75 Quadratmetern, wenn dort gar keine oder nur kalte Speisen verkauft werden und Jugendliche unter 18 Jahren nicht eingelassen werden. Im Klartext: Rudi Konstanzer kann seinen Gästen zum Bier zwar kalte Frikadellen servieren, warme mit Kartoffelsalat sind aber tabu.

Das will dem streitbaren Wirt, der als Sprecher des Emmendinger Gastrozirkels in Sachen Rauchverbot bis nach Stuttgart und Karlsruhe gezogen ist und für seinen Einsatz vom Gaststättenverband Dehoga kürzlich sogar ganz offiziell geehrt wurde, nicht in den Sinn. "Bitte erklären Sie mir und meinen Gästen, worin der Raucher-spezifische Unterschied zwischen einem kalten Frankfurter Würstchen auf Kartoffelsalat und einer warmen Portion Pommes mit Mayo und Ketchup besteht oder warum meine Gäste nicht das essen dürfen, was sie und wo sie es wollen", schrieb er unlängst mit einiger Wut im Bauch in einem Brief an den baden-würtembergischen CDU-Fraktionsvorsitzenden Stefan Mappus. Auf eine Antwort wartet er noch immer.

Verstoßen Gäste, drohen dem Wirt Bußgelder

Nach anfänglichen Hoffnungen, die nach Einführung des generellen Rauchverbots im August 2007 drastisch sinkenden Umsatzzahlen würden sich nun wieder verbessern, hat Rudi Konstanzer Angst, dass nun auch die Essensgäste abwandern, wenn sie nur noch kalt Vespern können. Bis zu 50 Prozent weniger Einnahmen hat er für sich bereits registriert. "Wie wir uns entscheiden, sind wir Wirte von Eckkneipen die Leidtragenden", findet Konstanzer, der seine Erfahrungen und die seiner Kollegen zwischenzeitlich akribisch sammelt und an Staats- und Sozialministerium weiterleitet – stets in der Hoffnung, dass die Einschränkung auf der Speisekarte doch noch geändert wird.

Viele Gastronomen ärgert auch eine weitere Bestimmung des neuen Landesnichtraucherschutzgesetzes. "Wir werden eiskalt kriminalisiert", meint ein Wirt, der seinen Namen nicht genannt haben möchte. Dass die Gaststättenbetreiber mit einem Bussgeld von bis zu 5000 Euro belegt werden können, wenn sie rauchende Gäste im eigenen Lokal nicht zur Ordnung rufen, sei "nicht nachvollziehbar". Viele drücken zu fortgeschrittener Stunde gerne ein Auge zu und verteilen Aschenbecher, wenn "Thekenhocker" beim letzten Bier zur Zigarette greifen. Bei der Stadt Emmendingen sieht man das gelassen. "Uns sind bislang keinerlei Klagen bekannt geworden, dass das Gesetz nicht beachtet würde", sagt Karl-Heinz Ruder. Der Fachbereichsleiter Service und Sicherheit schüttelt über kalte und warme Frikadellen zwar auch den Kopf, doch insgesamt hält er den gesetzlich abgesteckten Rahmen im Sinne der Gäste für gelungen. "Wir hoffen nun, dass Sanktionen weiterhin nicht nötig sind und die Leute von sich aus einsichtig sind", so Ruder. Die bisherige Linie der Stadt, den Menschen Zeit zu geben, bis das Gesetz auch in den Köpfen angekommen sei, habe sich jedenfalls bewährt.

Autor: wal