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01. Dezember 2008 11:39 Uhr

Von Standby auf aktiv an der Boehle-Hauptschule

Schüler-Bewerbungstraining einmal anders

Ein Bewerbungstraining der anderen Art absolvierten acht Zehntklässler der Boehle-Hauptschule drei Tage lang – und entdeckten dabei zum Teil ganz überrschende Fähigkeiten an sich.

  1. "Von Standby auf Aktiv - das andere Bewerbungstraing", Videoprojekt in der Fritz-Boehle-Schule, mit Christian Schulz von der SchulprojektWerkstatt Foto: Sarah Nagel

EMMENDINGEN. An der Fritz-Boehle-Schule in Emmendingen haben sich acht Zehntklässler drei Tage lang mit ihren Stärken und Schwächen beschäftigt. Christian Schulz und Barbara David von der Freiburger Schulprojekt-Werkstatt haben ihnen geholfen, die Ergebnisse in Bewerbungsfilmen festzuhalten. "Gute Teamplayer" haben sie sich für das Bewerbungstraining "Von Standby auf Aktiv" von der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung ausgesucht. Die haben sich während der drei Tage gegenseitig nach Kräften unterstützt – in jeder Hinsicht.

Einige Schüler bemühen sich, einen Reflektor zusammenzulegen. Er ist im Durchmesser mehr als ein Meter groß und sieht etwa so aus, als sei Alufolie auf einen flexiblen Hula-Hoop-Reifen gespannt. Die Zehntklässler der Fritz-Böhle-Realschule brauchen ihn für die Filmaufnahmen, die sie heute machen. Daniel Bachmann (15) hat eine Idee: Er dreht den Reifen ein wie eine Acht, der Rest geht wie von selbst. "Daniel hat immer gute Ideen", sagt sein Klassenkamerad Galli Shala (17). Er selber sei eher der Vermittler, hätte er heute über sich gelernt. Der deutsche Meister im Kickboxen will später mal Polizist werden. Daniel eher Bürokaufmann.

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Beim Bewerbungstraining "Von Standby auf Aktiv" setzen sich die Schüler für den Filmdreh zunächst mit ihren Stärken und Schwächen auseinander. Auf langen Papierbahnen malen sie zum Beispiel gegenseitig ihre Umrisse und schreiben dann die wichtigsten Eigenschaften ihrer Klassenkameraden in deren Abbilder. Am Ende des dreitägigen Workshops hat jeder Teilnehmer einen Kurzfilm über sich selbst, den er seiner Bewerbungsmappe beilegen kann.

Dass er gut mit Menschen umgehen kann, steht zum Beispiel in Gallis Abbild auf seiner Papierbahn: Auf dem Schulhof schlichtet er Streits, er mag den Kontakt mit Menschen. Polizist passe zu ihm, weil er später mal in einem spannenden Beruf arbeiten will. Daniel ist kreativ, haben seine Klassenkameraden über ihn geschrieben, und ein Tiefstapler: Er konnte fast keine tolle Eigenschaft an sich finden, bevor die anderen etwas gesagt haben. "Jetzt komme ich mehr aus mir heraus", sagt Daniel nach anderthalb Tagen Bewerbungstraining.

Die Schüler mussten sich für den Workshop bewerben, Schulz und David haben sich die Kandidaten ausgesucht. Eine Vorstellung davon, was sie später arbeiten wollen, sollten sie schon mitbringen. "Aber es kann sein, dass sich die Ziele auch während des Workshops ändern, weil die Auseinandersetzung mit den eigenen Fähigkeiten erstmals so vertieft stattfindet", sagt Schulz. Wie bei Natascha Krumb: Die 15-Jährige wollte eigentlich Fitnesskauffrau werden, jetzt ist sie sich gar nicht mehr so sicher. Und Stephanie Linder (18) weiß jetzt, dass sie erst noch auf eine Berufsakademie gehen will, um später vielleicht mal "irgendwas mit Management" machen zu können.

Im Einleitungsteil des Films sind erst einmal alle zu sehen, dann erzählen die Schüler selber etwas über sich und anschließend kommen die Klassenkameraden zu Wort. "Die Erfahrung zeigt, dass vorrangig Bewerbungen angeguckt werden, die nicht nullachtfünfzehn sind", sagt Schulz. Mit einer DVD hebe man sich von den Mitbewerbern ab. Deshalb unterstützt die Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (LKJ) insgesamt 15 Haupt- und Realschulen bei dem Programm, darunter drei in Freiburg und eine in Emmendingen. "Neben den schulischen Leistungen sind zunehmend das Auftreten, soziale Kompetenz und Kommunikationsfähigkeit gefragt", sagt Schulz. Das soll bei den Schülern im Laufe des Workshops gefördert werden, genau wie der Umgang mit der Technik.

Galli scheint nicht nur das ganz gut hinbekommen zu haben. "Zärtlich" sei er, hat eine seiner Mitschülerinnen auf der Papierbahn verraten – wahrscheinlich keine notwendige Eigenschaft für den Polizisten-Job, aber doch eine gute Erkenntnis für mehr Selbstbewusstsein.

Autor: Sarah Nagel