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12. Oktober 2017 17:42 Uhr

Manchmal tut’s ein Duschvorhang

Stadt spart im IT-Bereich zehn Tonnen CO2 jährlich

Rund zehn Tonnen CO 2 pro Jahr spart die Stadt Emmendingen dank eines Projektes ein, das den Verbrauch der EDV unter die Lupe nachm. Das Ende der Einsparungen ist mit der daraus resultierenden Auszeichnung noch nicht erreicht.

  1. Alexander Maier, EDV-Leiter der Stadt (rechts), freut sich über die Urkunde von Steffen Holzmann (Deutsche Umwelthilfe). Foto: Sylvia-Karina Jahn

  2. Alexander Maier referiert über das Projekt der Stadt Foto: Sylvia-Karina Jahn

  3. Vertreter der Stadt und Referenten der beiden Workshops, die zur Energieeinsparung im IT-Bereich statfanden Foto: Sylvia-Karina Jahn

Rund zehn Tonnen CO2 jährlich spart die Stadt Emmendingen im IT-Bereich ein. Dafür wurde sie am Donnerstag als Green ITown-Modellkommune ausgezeichnet. Die Stadt hatte sich vor knapp drei Jahren als eine von acht kleineren Gemeinden in ganz Deutschland an einem Projekt der Deutschen Umwelthilfe beteiligt, das darauf abzielt, Einsparpotenziale beim Verbrauch von Computer, Server und Co. zu ermitteln. "Sie leben es", lobte Projektleiter Steffen Holzmann die Stadt, die noch einen Leitfaden mit Einspartipps für Mitarbeiter und bis Mitte 2018 einen für Bürger und Unternehmen erstellen will.

Emmendingen habe schon im Vorfeld des Projektes viele Einsparmöglichkeiten im IT-Bereich genutzt, sagte Holzmann bei der Übergabe der Urkunde im Rathaus. Jetzt wurden weitere kurz- und mittelfristige Vorhaben umgesetzt und eine Langfriststrategie entwickelt. Mit dieser könne die CO2-Einsparung nochmals verdoppelt werden, sagen die Fachleute. Und das mit Kosten von bisher weniger als 1000 Euro, wie Alexander Maier, EDV-Leiter der Stadt, sagte – und auf oft überraschend einfache Weise. Beispielsweise mit einem Duschvorhang.

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Wie das geht? Bei der Analyse der größten Stromverbraucher fiel die Klimatisierung im Rechenzentrum auf. "Im ’Kaltgang’ haben wir 20 Grad, im ’Warmgang’ plus/minus 35", erklärt Maier – und kalte und warme Luft vermischten sich. Die Platzierung wurde geändert, eine Teleskopduschstange und besagter Duschvorhang (Kosten grade mal 40 Euro) trennen Warm- und Kaltbereich – und das spare ein Drittel der Laufzeit der Klimaanlage.

Ein PC, der sich auch mal langweilen darf

Ein ähnliches Problem gab’s bei den CAD-Arbeitsplätzen im Dachgeschoss. Dort steigen im Sommer die Temperaturen stark an – der großen Glasfenster wegen, aber auch, weil dort Hochleistungscomputer stehen. Klimageräte wurden installiert, doch: "Die PCs haben sich ausgeschaltet, weil es ihnen zu heiß wurde." Jetzt wurde die hohe Rechnerleistung, die an diesen Arbeitsplätzen gefragt ist, in den Server verlegt. Am Arbeitsplatz steht ein sogenannter Thin Client, ein einfach gestrickter PC, der praktisch nur noch die Bilddarstellung leiste – mit einem Zwanzigstel an Verbrauch und Erhitzung. Der Nebeneffekt: "Die hohe Leistung wird nur etwa fünf bis zehn Prozent der Arbeitszeit benötigt, den Rest der Zeit langweilt sich der PC," veranschaulicht der EDV-Spezialist, "wir können also die Hardware besser nutzen und die PCs leichter austauschen, wenn sie defekt sind." Die Desktop-Virtualisierung (mehrere Mitarbeiter nutzen Programme auf einem entfernten Computer) soll weiter ausgebaut werden.

Sparen lässt sich auch beim Drucker, obwohl Maier da gelegentlich Überzeugungsarbeit leisten muss, wie er sagt. Denn einige der Arbeitsplatz-Drucker wurden durch Tintenstrahl-Geräte ersetzt, die nichts mehr mit den SChlieren produzierenden Geräten von früher zu tun hatten. Ersetzt wurde aber immer nur, was ohnehin zum Austausch anstand – schließlich ist auch die Produktion der Geräte am CO2-Ausstoß beteiligt.

Wie soll es weitergehen? Klimaschutzmanager Armin Bobsien weist auf die Vorreiterrolle der Stadt in Sachen Klimaschutz hin. Von der sollen auch Bürger profitieren. Der entsprechende Leitfaden wird wahrscheinlich mit anderen Kommunen zusammen entwickelt. Holzmann weist darauf hin, dass die Umwelthilfe Videotutorials anbietet, die beispielsweise zeigen, wie man den Verbrauch erfassen und Schwachstellen im EDV-System aufspüren kann. Und gibt allen Interessenten einen Tipp: Auch wenn das Modellprojekt ausläuft, können sich Gemeinden entsprechende Beratung fördern lassen.

Autor: Sylvia-Karina Jahn