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30. September 2011

Theaterspiel in der Gemeinschaft

Silvia Avarado und Heike Rodas haben mit jungen Menschen ein Stück gegen Isolation erarbeitet / Heute Abend Premiere.

  1. Generalprobe im Emmendinger Schlosskeller (von links): Stefania Ustaschew, Alper Yerligil, Roman Kurz, Heiko Rodas, Silvia Alvarado und Kai Krotzinger. Weitere Mitwirkende sind Feyza Akbay, Azad Khtan und Aymen Shamno. Heute Abend ist Premiere. Foto: Dagmar Barber

EMMENDINGEN. Dass die Kombination Jugendtheater mit einer Marionette den Zuschauer so in den Bann ziehen kann, dass er alles um sich herum vergisst, beweist "Sofia" bei der Generalprobe. Berührend wirkt "das einsame Kind", meisterlich an Strippen geführt von Heike Rodas. Die Uraufführung für das Musik-Theaterprojekt mit Laiendarstellern findet am heutigen Freitag um 20 Uhr im Schlosskeller statt.

Heike Rodas und Silvia Alvarado sind professionelle Schauspieler und gehören zur Theatergruppe "Las Caras". Mit jugendlichen Laiendarstellern haben sie in der jüngsten Zeit ein Stück inszeniert, dessen Thematik fehlende Integration und Isolierung ist. Manche Figuren in den fünfzehn Szenen werden bei jedem Auftritt von den Darstellern, zwei Mädchen und sieben Jungs, neu interpretiert.

Engagiert Regie führend und selber mitspielend, motivieren Silvia Alvarado und Heike Rodas die 14- bis 19-Jährigen, um die Konturen eines Charakters ausdrucksstark und teilweise überzogen in Metaphern darzustellen. Die gestellte Aufgabe lautet: Erfindet jemanden!

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Keine Vorgaben, kein Zwang soll herrschen. Besonders ergreifend gelingt dies in Szene fünf, untermalt von Tangomusik: Das Kind (die Marionette) bettelt im strömenden Regen. Jeder soll zwei Gestalten erfinden und die Reaktion von Passanten – mitfühlend, gedankenlos oder verächtlich – darstellen. Manche Figuren verraten sich durch die Art, wie sie überzogen gespielt werden.

Mit schmerzlicher Komik finden die Darsteller die Konturen eines Charakters selbst und beweisen: Die Möglichkeiten zur schauspielerischen Darstellung sind unendlich. Und als vielfältig erweisen sich die Methoden, sie umzusetzen.

"Jap, die Zeit war zauberhaft – damals noch im Kindergarten, ohne Fehler und Probleme wär’ ich heute nicht derselbe": Laize (Alper Yerligil) und e!ght (Roman Kurz) haben in ihrem selbst getexteten Rap eine Aufmunterung als zentrale Aussage. Höre nicht auf andere, das sind Pfeifen. Statt ihre Träume zu verfolgen, zerstören sie die deinen."

Heike Rodas interessiert sich für andere Kulturen und besonders für Menschen in Randgruppen. Sie war Kunstdozentin an einer Jugendstrafvollzugsanstalt und sammelte Erfahrungen bei Theaterprojekten mit Straßenkindern in Ecuador. Sie lernte professionell die Kunst, Marionetten zu bewegen und leitete verschiedene Theaterprojekte an Schulen: Schatten-, Figuren- und Schwarzlichttheater. So gelang das Projekt "Mitmischen" mit Kindern aus schwierigen Verhältnissen oder ein Figurentheater mit Vorschulkindern zur Sprachförderung. Bei "Spiel ohne Worte" hat Heike Rodas Jugendliche, , die unter schwierigsten Verhältnissen aufwachsen, zum Theaterspielen motivieren können.

Silvia Alvarado ist ausgebildet in "Körpersprache, Kommunikation und Persönlichkeitstraining" und hat Erfahrung mit Improvisationstheater. Für Kiwanis war sie Leiterin eines Theaterkurses und für das Stück "Sofia" motivierte sie zusammen mit Heike Rodas Jugendliche aus Offenburg und Emmendingen mit und ohne Migrationshintergrund.

Dabei war es gar nicht so leicht, durchhaltende Mitwirkende für dieses Projekt zu finden. Anfangs sind alle hoch motiviert dabei und machen mit Begeisterung mit. Besonders bei manchen Mädchen kann die Beteiligung dann am Veto des Vaters scheitern, wissen die beiden Initiatorinnen. Dies empfinden sie als schade, denn dieses Stück hat weit mehr zu bieten als übliches Theater mit Prinzessin und Prinz. Die Thematik geht unter die Haut. Nun sind alle auf de Premiere heute Abend im Schlosskeller gespannt.

Autor: Dagmar Barber