Was tue ich richtig gerne?

Gerda Oswald

Von Gerda Oswald

Sa, 18. Oktober 2014

Emmendingen

10. Frauenwirtschaftstag in Emmendingen befasste sich mit der Frage, welche Arbeit passt zu mir.

EMMENDINGEN. Zum zehnten Mal fand gestern der Frauenwirtschaftstag im Sitzungssaal des Rathauses statt. Der Sozialwissenschaftler und Trainer Marc Buddensieg referierte über Life-Work-Planing – Arbeit finden, die zu mir passt. Die strukturierte Methode der Karriereplanung stieß bei den vorwiegend weiblichen Zuhörerinnen auf starkes Interesse.

"Für mich persönlich ist es Weiterbildung. Und für unseren Betrieb sammle ich Informationen, was sich auf dem Arbeitsmarkt geändert oder entwickelt hat", sagt Heike Böcherer von Garten- und Landschaftsbau Böcherer in Wasser. Sie freute sich auf den Vortrag über strukturierte Berufs- und Lebensplanung.

"Was für eine Arbeit ist es, für die ich morgens früh aufstehe", fragt Marc Buddensieg. Er ermuntert die Zuhörer als Strategie zur Rückwärtsplanung. Das Ziel, der Volltreffer solle sein, dass ich das mache, was mir gut tut und wo ich aufblühe. Danach müsse man die Schritte rückwärts gehen und überlegen, was ich zuvor alles dafür tun muss, um dies zu erreichen. Diese Schritte reichten dann bis in die Gegenwart.

Aber anstatt mit Diplomen, Zeugnissen oder guten Schulnoten zu starten, fragte der Trainer nach den eigenen Fähigkeiten. Habe man davon mehr als genug gesammelt, müsse man auswählen, was man nicht nur gut, sondern gerne mache. Danach verdichte man das Ganze auf die Fähigkeiten, die man schon einmal mit einem positiven Ergebnis gemacht hat.

Zu dieser strukturierten Methode der Karriereplanung gehören auch Kenntnisse über den Arbeitsmarkt. 33 Prozent seien ein offener Markt mit ausgeschriebenen Stellen. Der weit größere Teil ein verdeckter Arbeitsmarkt, bei dem sich nur ein Drittel Suchende bewerben. Aber genau da habe man die besten Chancen. Bei der Frage nach dem eigenen Stellenprofil seien Gespräche mit Menschen hilfreich, die genau das tun, was man gerne selber machen würde. Auch Randbedingungen, etwa, wo ich geografisch arbeiten will, welche Kollegen, Chef oder Räume brauche ich, gilt es zu klären. In einem zweiten Schritt wendete Buddensieg das theoretisch vermittelte Wissen unter Mitwirkung aller Anwesenden direkt bei einer Teilnehmerin an.

"Der Frauenwirtschaftstag soll die Bedeutung unterstreichen, die Frauen heute in der Wirtschaft haben", begrüßte Landrat Hanno Hurth die Teilnehmer auch im Namen von Oberbürgermeister Stefan Schlatterer. Die Erwerbstätigkeit habe sich bei Frauen im Land seit 2001 von 65 Prozent auf mehr als 74 Prozent erhöht. Teilzeit sei weiblich und bei den Existenzgründungen sieht er einen Nachholbedarf bei den Frauen.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Sabine Wölfle ist bereits das vierte Mal Gast beim Frauenwirtschaftstag. Frauen durchlaufen Schule, Studium oder Ausbildung genauso wie Männer. Doch bei der Familienplanung oder der Pflege von Angehörigen gebe es Unterschiede. Der Mann müsse sich zunehmend in die Familienarbeit einklinken, so Wölfle. Ein hohes Potential an Qualifikation bei Frauen drohe brach zu liegen. "Man erkennt in der Wirtschaft zunehmend, dass Frauen und Männer unterschiedliche Betrachtungen und methodische Arbeitsweisen mitbringen. Das widerspricht sich nicht, sondern ist ein positiver Einfluss", so Wölfle.