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10. Oktober 2017

Wenn die Mutter "einen Sprung in der Schüssel hat"

Heike Petereit-Zipfel organisiert zwei Veranstaltungen, die die Rolle von Kindern psychisch erkrankter Menschen thematisiert.

  1. Heike Petereit-Zipfel. Foto: Walser

EMMENDINGEN. "Es kann jeden treffen", sagt Heike Petereit-Zipfel. Und die 54-jährige Emmendingerin weiß wovon sie spricht. Ihr eigener Sohn ist seit vielen Jahren psychisch krank, sie erlebt mit ihm Höhen und Tiefen. Die Heilpraktikerin ist Mitglied im Landesvorstand der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen und organisiert im Herbst zwei Veranstaltungen, um das Thema in Emmendingen noch präsenter zu machen.

Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Beratung von Familien mit psychischen Erkrankungen. Seit einigen Jahren organisiert Heike Petereit-Zipfel auch einen Gesprächskreis, zu dem sich an jedem zweiten Donnerstag im Monat um 18.30 Uhr fünf bis acht Betroffene in der IBB-Stelle im ehemaligen Upat-Gebäude (Freiburger Straße 9) treffen, um sich über ihre persönlichen Erfahrungen auszutauschen. "Wir können dabei viel voneinander lernen, ohne dass jemand konkrete Ratschläge gibt", sagt sie.

Nun hat die Gruppe die Rolle der Kinder seelisch belasteter und psychisch kranker Eltern in den Blick genommen. Die "oft vergessenen Kinder" leiden mit unter der Krankheit ihres Vaters oder ihrer Mutter. "Das wirbelt in der Familie einiges durcheinander", so Petereit-Zipfel. Vom 12. Oktober bis 10. November soll nun im Foyer des Rathauses eine Wanderausstellung mit dem Titel "Schlage die Trommel und fürchte dich nicht" präsentiert werden. Zu sehen sind an die 40 Bilder, Collagen und Gemälde. Darin verarbeiten Kinder ihre Erfahrungen mit ihrer Rolle künstlerisch. Emmendinger Jugendliche liefern dazu musikalische Beiträge.

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Malen, Schreiben, Musizieren, Theaterspielen und vieles mehr hilft Kindern jeden Tag mit ihrer Lebenssituation zurecht zu kommen und Widerstandskräfte zu aktivieren, um nicht selbst krank zu werden. Gleichzeitig bekommen interessierte Besucher einen Zugang zur Lebenswelt der Kinder. Dies, so ist Petereit-Zipfel überzeugt, berühre, wecke Verständnis und trage dazu bei, Vorbehalte abzubauen. Denn noch immer sei die Krankheit mit einer starken Stigmatisierung behaftet. "Hinschauen und handeln" heißt denn auch der Titel einer Fachtagung, die am 17. November Experten zu dem Thema nach Emmendingen bringen wird. Begleitet werden die Veranstaltungen von einer von jungen Emmendingern gestalteten Postkarten-Aktion, mit der auf provokante aber auch lustige Weise auf das Problem hingewiesen werden soll. Eine Kostprobe: "Deine Mutter hat einen Sprung in der Schüssel", steht da etwa zu lesen.

Info: Wanderausstellung "Schlage die Trommel und fürchte dich nicht", Vernissage am 12. Oktober, 17 Uhr im Foyer des Rathauses.

Autor: Gerhard Walser