Wie eine Reise mit der Zeitmaschine

Georg Voß

Von Georg Voß

Mo, 24. Oktober 2016

Emmendingen

Beim Aktionstag der Geschäfte in der Lammstraße drehte sich viel um die Kombination aus unterschiedlichen Stilen und Epochen.

EMMENDINGEN. Es gibt eine Sicht auf die Zukunft, wie sie früher zu Lebzeiten eines Jules Verne erste Popularität errang. In diesem Sinne trafen zur 800-Jahr-Feier der Geschäfte der Lammstraße das Mittelalter auf die Retro-Mode des Steampunk und venezianisch anmutende Stelzenläufer. Genau genommen sind es 802 Jahre, die die inhabergeführten Geschäfte in der Lammstraße auf die Waage brachten, um einen unterhaltsamen Aktionstag und Einkaufserlebnis auf die Beine zu stellen.

Da sich zu all dem auch die Sonne gesellte, füllte sich die Lammstraße bis hin zu den Arkaden des Stuckschen Hauses, das sich in ein Mittelalterlager verwandelte, mit prallem Leben. Darunter auch eben Stelzenläufer und Menschen in Gewandungen des Steampunk, die die Moderne mit dem viktorianischen Zeitalter verknüpften. Dazu kamen spontan Menschen, die sich in Gothic-Gewandungen oder als Wikinger verkleidet unter das Volk mischten.

Für die Kunden und Besucher gab es ein Lammstraßen-Rätsel. In den Geschäften der Jubilare musste nach Dingen gesucht werden, die dort normalerweise nicht unbedingt anzutreffen sind. Was hat beispielsweise ein Apfel in einem Schmuckgeschäft zu suchen?

Dieter Rottler, Filialleiter von Optik Nosch, trug standesgemäße Kleidung des Bürgertums aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Zu sehen war draußen vor dem Geschäft ein Optikerladen, wie er zu diesen Zeiten ausgesehen haben möge. Dieter Rottler war einer der Initiatoren dieses Aktionstages. "Wir sind sehr zufrieden", sagt er über den Besucherandrang. Er zählte alle Jahre zusammen, die die Geschäfte auf dem Buckel haben. "Bei 800 Jahren waren wir verblüfft", sagt er, "und wollten es krachen lassen." Für ihn ist es auch ein Kampf gegen das Internet und für die inhabergeführten Geschäfte.

Für Unterhaltung war ebenfalls gesorgt. Während kostümierte Stelzenläufer und später auch Menschen in Steampunk-Gewandungen durch die Straßen der Altstadt zogen, unterhielten "‘s Lumbegesindel" aus dem Elztal die Besucher mit "Gassemusik". Sie schöpften aus einem Repertoire aus bis zu 900 Jahre alte Musik von "Die Räuber von Schiller" über das aus Frankreich stammende Trinklied der Renaissance "Tourdion" bis hin zu "An Alarc’h" des bretonischen Musikers Alan Stivell.

Archäologie, Rittersleut’ und Science Fiction

Beim Stand von Christiane Hetze aus Weisweil mischten Kinder unter ihrer Anleitung Kräutersalze oder Kräuterbalsam. Auch konnten Kinder vor der Goldschmiede mit Hilfe eines Metalldetektors in einem Sandkasten verborgene Münzen aufspüren. "Es ist Geschichte zum Anfassen", so Mikel von Gromoff, der als archäologischer Leiter auch Feldbegehungen mit Kindern begleitet, während im Laden eine kleine Ausstellung über archäologische Funde aus dem Kaiserstühler und Emmendinger Raum zu sehen war, darunter eine Schachfigur aus dem 7. Jahrhundert.

An den Arkaden des Stuckschen Hauses war schließlich ein Wikingerlager der Midgards Erben aufgebaut. Die Gruppe versucht, das Leben der Wikinger historisch darzustellen. Raginher der Furchtlose (Reiner Schmid) stellte Becherhalter aus Leder her. "Wir sind das erste Mal in Emmendingen", sagt er. "Es macht einfach nur Spaß. Man kommt viel herum." Wer wollte, konnte sich von Ritter Eymar von Urberg (Karsten Böcher) ein 13 Kilogramm schweres Kettenhemd überstülpen lassen. Aus einem fiktiven Zeitalter kommen die Steampunks: Zeitreisende mit fantastischen Gewandungen und viktorianischen Touch. "Wir leben Science-Fiction, die sich Jules Verne erdacht hat", sagt Tutursula von Ungefähr von "Freiburg unter Dampf".