Wo Lämmer die Bildung sichern

Gerhard Walser

Von Gerhard Walser

Mi, 23. Januar 2019

Emmendingen

Die Emmendinger Stiftung Brücke unterstützt ein neues Internatsprojekt für Mädchen im bettelarmen Burkina Faso.

EMMENDINGEN. Was haben 80 junge Schafe mit der Ausbildung afrikanischer Mädchen zu tun? Sie sind die finanzielle Basis für ein neues Projekt im westafrikanischen Burkina Faso, wo die Emmendinger Stiftung Brücke ein Mädcheninternat unterstützt – auch mit Mitteln der BZ-Weihnachtsaktion. Vier junge Frauen aus dem Internat leben in Quahigouya im Grenzgebiet zu Mali in einer Ausbildungsgemeinschaft und besuchen dort eine weiterführende Schule. Ihr Ziel, eine bessere Zukunft für sich und ihr bettelarmes Land.

Peter Haas, Emmendinger Stiftungsvorstand, war zunächst skeptisch, als die Idee nach einer akuten Notlage und schlechten Ernten die Runde machte. Für jedes der 40 Mädchen, die im Internat leben, sollten zwei Lämmer angeschafft, von den Familien großgezogen und nach einem halben Jahr wieder verkauft werden. Der Erlös fließt zur Hälfte in den Unterhalt der Schülerinnen, vom Rest werden neue Lämmer gekauft. "Das Finanzierungsmodell der einkommensschaffenden Maßnahme läuft", sagt Haas, "ich bin unheimlich stolz auf die Mädels und ihre Eigeninitiative".

Die Stiftung Brücke hatte die Anschaffungskosten von 3880 Euro übernommen und förderte vorübergehend auch die Ernährung der Mädchen nach einem Ernteausfall und langer, klimabedingter Trockenphasen. Dass auch einmal der Bau einer Mauer mit Stacheldraht und eines gut verschließbaren Tores nötig und zu finanzieren sein würde, hätte Haas nicht gedacht. Doch das Internat liegt in der Nähe der Grenze zu Mali und damit im Einzugsbereich islamistischer Übergriffe. Im Stiftungsrat habe das "durchaus zu einigen Diskussionen geführt", so Haas.

Doch das Hauptaugenmerk der Unterstützung liegt nach wie vor auf dem Bereich der Bildung – dem "zentralen Zukunftsthema", wie auch Bettina Mühlen-Haas berichtet. In Burkina Faso, einem der ärmsten Länder der Welt, sind 71 Prozent der Einwohner Analphabeten und obwohl Schulpflicht besteht, gehen längste nicht alle Kinder zur Schule. Bis zu 100 Kilometer betragen die Entfernungen aus den entlegenen Dörfern oft bis zur nächsten Bildungseinrichtung. Der Verein APSF hat diesen Missstand erkannt und in Thiou im Norden des Staats bereits 2007 ein Wohnheim für Mädchen errichtet.

Das "Foyer des Filles" wird seit 2010 von der Stiftung Brücke unterstützt – im vergangenen Jahr flossen allein 17 680 Euro in das Projekt. Neben den Unterkünften gibt es einen Lese- und Arbeitsraum, einen Speisesaal, ein Brunnen liefert das Wasser und eine Solaranlage sorgt für Strom. Die Mädchen, viele Vollwaisen oder aus schwierigen Familienverhältnissen, organisieren ihr Leben neben dem Schulbesuch weitgehend selbst, unterstützt von einer Hausmutter. Einige der Mädchen haben schon einen höheren Schulabschluss erreicht, nun soll ihnen auch eine Berufsausbildung oder ein Studium ermöglicht werden. Für vier Mädchen hat die Stiftung daher eine Wohnung in der Stadt Quahigouya angemietet – zwei begannen im Sommer 2017 eine Lehrerinnenausbildung, zwei wollen Krankenschwester werden.

"Das sind gewissermaßen unsere Kinder", sagt Peter Haas, der sich über die Hilfe vieler Emmendinger freut. Im Quartier Ramie gab’s im Sommer einen Spendenlauf für das Projekt, der 1406 Euro für den Kauf der Schafe erbrachte, der Lionsclub Emmendingen half mit 700 Euro und die BZ-Weihnachtsaktion förderte das Projekt mit 2000 Euro.

Haas, der mittlerweile 81 Jahre alt ist und die Stiftung 2001 gegründet hatte, will den Vorsitz im Frühjahr in jüngere Hände geben. Im Rahmen einer Zukunftswerkstatt mit vielen Helfern und Unterstützern wurden dafür am vergangenen Wochenende die entsprechenden Weichen gestellt.