Förderverein stellt Finanzierung ein

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mo, 22. Januar 2018

Endingen

Die Sprechzeiten der Drogen- und Suchtberatung an der Hauptstraße in Endingen enden – die Selbsthilfegruppen bleiben aber bestehen.

ENDINGEN (BZ). Gut zwölf Jahre ist es her, dass der Verein "Sucht ade – Freundeskreis Dr. Günther Neufang" anfing, eine Sucht- und Drogenberatung in Endingen aufzubauen. Nun stellt der Verein die Finanzierung dieser Suchtberatung ein. Das geht aus einer Pressemitteilung der Emmendinger Jugend- und Drogenberatung Emma sowie der Fachstelle Sucht hervor.

Rückblick: Durch den Tod des Endinger Arztes Günther Neufang im Jahr 2005 entstand ein Vakuum in der Betreuung von Drogenabhängigen am Kaiserstuhl. Freunde und Wegbegleiter des Arztes wollten Abhilfe schaffen und gründeten daher am 11. November 2005 den Verein "Sucht ade – Freundeskreis Dr. Günther Neufang". Ein Ziel war der Aufbau einer Sucht- und Drogenberatung in Endingen, die sich nach drei Jahren selbst tragen sollte. Für diesen Zweck mietete der Verein Räume in der Hauptstraße 15 in Endingen, die als Beratungsräume dienen sollten.

Im Januar 2006 startete die Drogenberatung Emma des AGJ-Fachverbandes ihr
Außenstellenangebot in der Hauptstraße 15 in Endingen. Auf Betreiben der damaligen Leitung der Emma wurde der Förderverein alsbald überzeugt, weiteren Diensten die Räumlichkeiten zur Versorgung der Bevölkerung zur Verfügung zu stellen. Schon im Mai 2006 begann die Fachstelle Sucht Emmendingen des Baden-Württembergischen Landesverbands für Prävention und Rehabilitation mit ihrer Arbeit vor Ort.

Der Förderverein trug die Miet- und Nebenkosten. Ein weiteres Ziel des Freundeskreises war es, Mediziner für die Substitution am Kaiserstuhl zu gewinnen. "Dieser Versuch konnte nicht umgesetzt werden, da sich kein Mediziner bereit erklärte diese sicher nicht einfache Aufgabe zu übernehmen", heißt es in der Pressemitteilung des Vereins.

Aus den ursprünglich geplanten drei Jahren wurden zwölf. "Wir haben die wichtige Arbeit der beiden Beratungsstellen in Endingen sehr gerne unterstützt, bis heute mit einem Betrag von mehr als 75 000 Euro", sagt Jürgen Nössler aus Wyhl, Vorsitzender des Vereins. Neben den Beiträgen der 35 Mitglieder kamen laut dem Gründungsmitglied auch Spenden vom Lions Club Kaiserstuhl-Tuniberg in Breisach sowie dem Lions Club Kaiserstuhl-Breisgau in Endingen.

In den vergangenen zwölf Jahren seien am Kaiserstuhl in mehr als 250 Betreuungsprozessen weit mehr als 130 Personen erreicht worden, sagt Nössler. Teilweise seien die Betroffenen über Jahre hinweg begleitet worden. "Die Nachfrage in der Außenstelle ist aber in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen", sagt Marco Chiriatti, Leiter der Jugend- und Drogenberatung Emma. Unter anderem liege das daran, dass viele Substituierte in der Schwerpunktpraxis Freiburg versorgt würden, erklärt der Sozialpädagoge.

"Leider geben wir durch die Entscheidung des Fördervereins eine wohnortnahe Versorgung am Kaiserstuhl auf, die in den Jahren für weitere 130 Menschen erste Anlaufstelle bei Alkohol- oder Glücksspielproblemen war", sagt Joachim Blank, Leiter der Fachstelle Sucht Emmendingen. Mit Blick auf den ÖPNV zeigte er sich aber optimistisch, da beide Einrichtungen in Emmendingen binnen 30 Minuten vom Kaiserstuhl erreichbar seien. Zudem sieht er einen kleinen Vorteil darin, die personellen Kräfte an einem Ort zu bündeln. Beide Leitungen zeigten sich laut der Pressemitteilung auch aufgeschlossen, bei Bedarf weiterhin beispielsweise Sprechstunden am Kaiserstuhl einzurichten.

Marco Chiriatti und Joachim Blank würdigten ausdrücklich das Engagement der Vereinsmitglieder und dankten den Vorstandsmitgliedern. Sie hätten sich "mehr als ein Jahrzehnt vorbildlich für die Suchthilfe am Kaiserstuhl engagiert".