Graffiti im Schulhausflur – ganz legal

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Do, 22. November 2018

Endingen

Schülerkunst im Stil der Berliner East Side Gallery mit dem Graffitikünstler Fabian Bielefeld.

ENDINGEN (BZ). Lange Gänge mit tristen Wänden im Schulhaus sind kein schöner Anblick. Das muss sich ändern, dachte sich Mariella Kiss-Mayer, Kunst- und Theaterlehrerin an der Stefan-Zweig-Realschule. Inspiriert vom Titel des geplanten Kleinkunstabends "Wenn Mauern fallen" kam sie auf die Idee, die Wand im Schulhausgang im Stil der Berliner East Side Gallery zu gestalten.

Anlässlich des 30. Jahrestages des Mauerfalls im kommenden Jahr wird die Stefan-Zweig-Realschule Endingen am 29. März 2019 einen Kleinkunstabend mit Musik, Kunst und vielem mehr unter dem Motto "Wenn Mauern fallen" veranstalten. Im Rahmen dieser Veranstaltung werden dann noch viele weitere Mauerkunstwerke in der Schule zu sehen sein.

Diese Idee fiel bei den Schülerinnen und Schülern der R 8 c auf fruchtbaren Boden. Mariella Kiss-Mayer konnte mit Fabian Bielefeld alias "PASE" einen studierten Profi in Sachen Graffitikunst in den Unterricht holen, der den Schülern die Grundlagen der Sprayart erläuterte und danach ihre Kreativität herausforderte. Seit 20 Jahren sprayt der gebürtige Berliner, der einige Jahre in Freiburg lebte, ehe er in die Schweiz zog, im Auftrag, und wird gebucht von Schulen, Firmen, Vereinen oder Privatpersonen. Immer geht es dabei um Graffitikunst.

Gespannt und auch etwas aufgeregt waren die Schüler der 8c, als "PASE", das Klassenzimmer betrat. Das Projekt für die Klasse war, 15 Meter Mauer der Realschule zu gestalten. Gemeinsam mit den Schülern erarbeitete Bielefeld die Motive für zwei Mauerabschnitte.

Interessant war der Entstehungsprozess der Kunstwerke. Die Schüler sollten sich vorstellen, welche Gefühle entstehen, wenn eine Mauer fällt oder was sie dahinter sehen wollen. Da kamen Begriffe wie Freedom und Freude auf. Eine Skyline wollten sie hinter der Mauer sehen, andererseits aber auch Strand und Sonne. So kamen die beiden Motive zustande. Homer Simpson in einer Traumlandschaft, die Gefühle des Glücks hervorruft und eben die andere, unbekannte Welt hinter der Mauer. Danach ging es an die Umsetzung: Der Profi skizzierte grob mit schwarzer Farbe vor. Danach wurde die Klasse in Gruppen eingeteilt, die die Flächen mit Farbe füllten. Im weiteren Entstehungsprozess kamen immer mehr Details dazu und damit auch neue Aufgaben. Jetzt waren die Feinmotoriker gefragt, um den Feinschliff zu erledigen. Die Kontur am Schluss übernahm "PASE" komplett. Er sagte, selbst Erwachsene bekämen das nicht ohne Übung hin.

Außer Spraytechniken lernten die Kinder auch viel über die Geschichte der Graffitikunst. Als Fabian B. aus seiner Jugend erzählte, wurde schnell klar, dass Sprayen nur an dafür vorgesehenen Flächen legal ist, und wenn dabei kein fremdes Eigentum beschädigt wird.

Das Ergebnis des zweitägigen Workshops kann sich sehen lassen. Schritt für Schritt zur Perfektion, das konnten auch viele andere Schüler mit ansehen, die während der Hofpause durch die Fenster zusahen. Lehrer und Schüler freuen sich über die künstlerischen Akzente und auch der Hausmeister ist begeistert: "Wo Kinder sind, sollte es keine grauen Wände geben. Das habt Ihr echt gut hingekriegt".