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22. September 2011 16:07 Uhr

Internet-Technologie

Stadtrundgang mit Handy-Codes statt Touristenführern?

Endingen ist ein touristisches Kleinod – und so hat eine Führung durch die Altstadt einiges zu bieten. Wer will, kann vielleicht schon 2012 mit seinem internetfähigen Mobiltelefon auf eigene Faust losziehen.

  1. Touristische Informationen, abrufbar mit internettauglichem Fotohandy und speziellen Codes - was auf dieser Ausflugskarte bereits integriert ist, gibt es bald vielleicht auch an historischen Gebäuden in Endingen. Foto: Jahn

Denn die Stadt denkt darüber nach, markante Punkte in der Innenstadt mit speziellen Codes zu versehen, über die man – ein entsprechendes Handy vorausgesetzt – sofort via Internet vertiefende Informationen abrufen kann. Ein Konzept dafür wurde am Mittwoch im Gemeinderat vorgestellt.

Geht es nach dem Willen von Klaus Hesslenberg von der Internet-Marketingfirma web-pilot.de, dann sollten Besucher künftig in Endingen ihr Fotohandy nicht nur für schöne Aufnahmen der schmucken Innenstadt nutzen. Der EDV-Experte und ausgebildete Kaiserstühler Gästeführer lebt seit einigen Jahren in Endingen und stellte am Mittwoch im Gemeinderat seine Ideen zu einem internetgestützten Stadtrundgang vor. Der soll nicht virtuell am PC sondern ganz real stattfinden, doch das Wissenswerte rund um die Endinger Sehenswürdigkeiten soll aus dem weltweiten Datennetz kommen. Spezielle Strichcodes, quadratische Klötzchengrafiken, sollen es möglich machen.

QR-Codes werden via Handy abfotografiert

Diese "Quick Response-Codes" oder kurz QR-Codes werden dabei vom Besucher via Handy abfotografiert und liefern die Verbindung zu den auf einem Internetrechner hinterlegten Detailinformationen.

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Die quadratischen Punktraster sind weltweit auf dem Vormarsch, ob bei der Produktkennzeichnung in der Wirtschaft, beim Bahnticketkauf via Internet, auf Postsendungen oder in der Werbung. Den ganz besonderen Charme dieser Codes sieht Hesslenberg in der Möglichkeit, auf einfachem Weg ganz flexibel Informationen präsentieren zu können. Hinter einem Code kann vieles hinterlegt werden – ganz nach Wunsch des Anbieters und den Bedürfnissen der Nutzer. Denkbar sei etwa die Auswahl zwischen verschiedenen Sprachen, um auch internationalen Gästen Endingen und seine Besonderheiten in der jeweiligen Landessprache zu präsentieren. Machbar sei auch die Wahl zwischen kürzeren oder tiefer gehenden Informationen. Zudem sei es möglich, Codes zu erstellen, deren im Umfang beschränkte Informationen ohne Zugang zum Internet abrufbar sind.

Doch nicht nur Text kann hinter den Codes stecken, sondern auch Musik oder Videos. So ließe sich aus dem System auch eine Art "Audioguide" machen, betonte Bürgermeister Hans-Joachim Schwarz. Er sieht in der Idee vor allem eine touristische Dienstleistung und die Chance, mit moderner Technik etwas Interessantes für die Stadt zu machen. Absolutes Neuland betrete man nicht, denn im Urlaub habe er solche Codes an einem Naturpfad in Frankreich schon gesehen. Gleichwohl wäre Endingen laut Hesslenberg eine der ersten Städte überhaupt, die so etwas anbieten würde und damit werben könnte. Auf einer im Sommer neu erschienenen Ausflugskarte für den Kaiserstuhl hat Hesslenberg bereits via QR-Codes Informationen zu jeder Gemeinde hinterlegt.

Startschuss zum 1150-jährigen Bestehen der Stadt im Jahr 2012?

Überrascht zeigten sich die Ratsmitglieder von den von Hesslenberg genannten Kosten. Ein Einstieg mit 30 Punkten in der Stadt käme demnach auf rund 3000 Euro Erstellungskosten sowie Folgekosten von einem Euro pro Standort und Monat. Teurer werde da wohl, die Informationen entsprechend aufzubereiten, betonte der Bürgermeister.

Hier könnte der Geschichtsverein möglicherweise kostendämpfend ins Spiel kommen, denn dort arbeite man bereits an einem Konzept für einen historischen Stadtrundgang und habe ebenfalls schon an die Einbindung solcher QR-Codes gedacht, betonte Patrick Ehret in der Sitzung. Ehret wie Schwarz waren optimistisch, dass sich beide Projekte problemlos zusammenführen lassen. Die Fraktionen im Gemeinderat zeigten sich jedenfalls angetan von den Möglichkeiten der modernen Technik. Bürgermeister Hans-Joachim Schwarz könnte sich den Startschuss für dieses Zukunftsprojekt gut im Rahmen der Aktionen zum 1150-jährigen Bestehen der Stadt 2012 vorstellen.

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Autor: Martin Wendel