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02. Mai 2011 15:41 Uhr
Endingen
Winzergenossenschaften sprechen über Fusion
Die Winzergenossenschaften Königschaffhausen und Kiechlinsbergen wollen eine mögliche Fusion prüfen. Die Gremien beider Betriebe beschlossen laut einer gemeinsamen Pressemitteilung am 28. April die Aufnahme entsprechender Gespräche.
Durch den Zusammenschluss sollen die Kosten gesenkt und eine Betriebsgröße erreicht werden, die künftigen Marktanforderungen gewachsen ist. Die Winzergenossenschaft Königschaffhausen hat derzeit rund 375 Mitglieder, die knapp über 200 Hektar Rebfläche bewirtschaften. Kiechlinsbergen verfügt über rund 280 Mitglieder und 125 Hektar Fläche.
"Beide Betriebe stehen auf einem guten Fundament und könnten gemeinsam den zukünftigen Anforderungen des Marktes erfolgreich begegnen", heißt es in der Pressemitteilung. Beiden Genossenschaften gehe es gut, und beide seien wirtschaftlich kerngesund, betont Kiechlinsbergens Vorstandsvorsitzender Michael Schmidt im BZ-Gespräch.
Dennoch stecken beide Betriebe laut Einschätzung des Genossenschaftsverbands in der "Kostenfalle", so Schmidt. Einsparpotenziale sind weitgehend ausgeschöpft, doch die Fixkosten steigen. Gelingt es, die Kosten auf mehr Fläche und Liter zu verteilen, verbessern sich die Erlöse, betont Günter Zimmermann, geschäftsführender Vorstand der WG Königschaffhausen.
Mit dem Beschluss kommt eine Diskussion neu in Fahrt, die bereits vor einigen Jahren ansatzweise geführt wurde. Damals suchte vor allem die WG Kiechlinsbergen nach einem Partner, nach Einschätzung von Zimmermann allerdings in einer für Königschaffhausen schwierigen Situation ohne Geschäftsführer, als "andere Dinge im Vordergrund standen". Zudem, so Zimmermann, der damals noch nicht im Betrieb war, habe man schnell gesehen, dass die damals angestrebte Kooperation nicht wirklich die Kosten senken würde. Kiechlinsbergens Fusionspläne mit Oberrotweil scheiterten in der Folge aber an den Mitgliedern.
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Auch über die neuerlichen Fusionspläne werden letztlich die Mitglieder beider Betriebe entscheiden. Über die anstehenden Gespräche wurden sie am Freitag informiert; über Details soll bei Informationsabenden schnellstmöglich gesprochen werden, sobald fundierte Erkenntnisse und Informationen vorliegen. Dann will man per Probeabstimmungen auch ein Meinungsbild einholen, wie die Mitglieder zu den Zukunftsplänen stehen.
In den vergangenen drei Jahren sei viel passiert in der Weinwirtschaft und in den Köpfen der Menschen, betont Michael Schmidt. Die Verantwortlichen beider Betriebe hätten bereits im Vorfeld viele Fragen im kleinen Kreis erörtert und die Möglichkeiten einer gemeinsamen Zukunft abgeklopft. Nun sei es an der Zeit, bei der Prüfung ins Detail zu gehen. Angesichts der Marktveränderungen im Weinbau und der Konzentration auf der Einkaufseite gelte es für beide Betriebe, frühzeitig die Weichen für die Zukunft zu stellen, unterstreicht auch Günter Zimmermann.
Die Gremien beider Genossenschaften seien der Ansicht, dass eine Fusion gut passen würde. Jetzt gehe es erst einmal darum, intensiver zu prüfen, wie die Struktur sein könnte. Ein gemeinsamer Betrieb mit dann rund 325 Hektar Rebfläche wäre wohl für die Zukunft gerüstet, ist Zimmermann überzeugt.
Für eine gemeinsame Winzergenossenschaft spricht nach Michael Schmidts Ansicht nicht nur die geografisch gute Konstellation, sondern auch die Tatsache, dass beide Orte längst auf vielen Ebenen des Alltags zusammengewachsen seien. Das sei auch bei vielen Gesprächen in den vergangenen Tagen so zum Ausdruck gekommen.
Fest steht sowohl für Schmidt als auch für Zimmermann, dass die Investitionen beider Betriebe in den vergangenen Jahren nicht umsonst waren. Zum einen gebe es nun keine Altlasten, zum anderen seien ohnehin beide Standorte auch für einen gemeinsamen Betrieb unverzichtbar. Denn keiner der beiden Standorte, die Luftlinie kaum mehr als 600 Meter auseinander liegen, habe genügend Kapazität, um das gesamte Geschäft abzuwickeln. Komme es zur Fusion, werde man wohl Schwerpunkte für beide Betriebsgebäude bilden, so Zimmermann.
Wie die Verschmelzung der beiden Winzergenossenschaften ablaufen könnte, soll jetzt erst einmal eine Machbarkeitsstudie ergeben; entsprechende Angebote sollen umgehend eingeholt werden. Natürlich sei der Genossenschaftsverband hier erster Ansprechpartner, so Günter Zimmermann. Einsparpotenzial sieht Michael Schmidt vor allem beim Wareneinkauf und im Zuge des altersbedingten Ausscheidens von Mitarbeitern. Dass die WG Kiechlinsbergen nach dem Abschied von Thomas Wihler auf die Einstellung eines neuen Geschäftsführers verzichtet hat, sei nun natürlich auch von Vorteil. Vorstandsmitglieder und Aufsichtsräte beider Winzergenossenschaften stehen laut Schmidt und Zimmermann eindeutig hinter den vertiefenden Fusionsgesprächen.
Günter Zimmermann hat ein gutes Gefühl mit Blick auf die weiteren Gespräche: "Wenn man sich intensiv mit der gesamten Situation beschäftigt, muss man zu dem Schluss kommen: Es macht Sinn." Das sieht auch Michael Schmidt so und verweist auf die Altersstruktur in den Genossenschaften: "Wenn der Weinbau nicht attraktiv ist, leidet der ganze Ort."
Autor: Martin Wendel
