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20. August 2015 16:42 Uhr

Andreas Amann läuft beim Berliner Mauerweglauf

100 Meilen deutsch-deutsche Geschichte

Der Ettenheimer Ultraläufer Andreas Amann hat am 15. August am Berliner Mauerweglauf über 100 Meilen oder 161,85 Kilometer teilgenommen. Er belegte den 139. Platz unter 244 Finishern und berichtet über seine Erlebnisse.

  1. Andreas Amann in Berlin Foto: Privat

"Mehr als 28 Jahre umschloss eine Mauer den Westen Berlins. In der Nacht des 9. November 1989 kam es zum Mauerfall und im weiteren Verlauf zum fast vollständigen Abriss. 2001 beschloss der Berliner Senat die Einrichtung des Berliner Mauerwegs, der auf den alten Kontrollpfaden der Grenzgruppen der DDR als Fuß- und Radweg um das ehemalige West-Berlin führt. 2011 wurde auf dieser Strecke erstmals der Berliner Mauerweglauf über genau 100 Meilen ausgetragen. Mittlerweile zur Institution geworden, zieht dieser Lauf Jahr für Jahr Athleten aus aller Welt nach Berlin.

Für mich war dieser Lauf nicht nur eine sportliche Herausforderung, sondern verbunden mit vielen Erinnerungen: Als Schüler auf Studienfahrt, gleich nach der Wende, erkundete ich die neuen Bundesländer mit dem Fahrrad, in Berlin bin ich den ersten Marathon gelaufen und hatte weitere Aufenthalte in der Stadt. Bei all diesen Besuchen konnte ich die Geschichte und die rasante Entwicklung der Stadt hautnah erleben. Während der gesamten Laufveranstaltung stand die Erinnerung an die Teilung Berlins und Deutschlands immer wieder im Mittelpunkt. So wurde von Rainer Eppelmann – evangelischer Pfarrer, Minister der letzten DDR-Regierung und Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur – der diesjährige Mauerweglauf Marienetta Jirkowsky gewidmet, die 1980 bei einem Fluchtversuch erschossen wurde. Eine Gedenkstele bei Kilometer 24 erinnert daran. Darüber hinaus trägt die Finisher-Medaille das Konterfei von Marienetta Jirkowsky.

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Start und Ziel waren am Samstag, dem 15. August, um 6 Uhr im Friedrich-Jahn- Sportpark (Prenzlauer Berg). Die Läufer hatten 30 Stunden Zeit, um die 100 Meilen zu bewältigen. An der Bornholmer Brücke trafen die Läufer erstmals auf einen historischen Abschnitt dieses Laufes. Hier öffnete sich am 9. November 1989 die Mauer für die Menschen im Osten. Da die Strecke dieses Jahr gegen den Uhrzeigersinn gelaufen wurde, ging es über Spandau nach Potsdam und Babelsberg, vorbei an Fluss- und Seenlandschaften. Über Schönberg und Neukölln tauchten wir wieder in die Großstadt ein. Für mich war das schon irreal am Sonntagmorgen in Kreuzberg und Friedrichshain auf Nachtschwärmer und After-Party-Spaziergänger zu treffen. Ein weiterer Höhepunkt war die 1,3 Kilometer lange East Side Gallery. Der Rest der Strecke war für mich fast schon bekanntes Terrain: Checkpoint Charly, Holocaust Mahnmal, Brandenburger Tor, Reichstag, dann noch die Bernauer Straße.

"Nach 27:30 Stunden erreichte ich völlig erschöpft das Ziel im Friedrich-Jahn-Sportpark."
Andreas Amann

Nach 27:30 Stunden erreichte ich völlig erschöpft das Ziel im Friedrich-Jahn-Sportpark. Tagsüber erreichten die Temperaturen die 30 Grad-Marke und nachts sank das Thermometer nicht unter 20 Grad. Auch ich musste auf der ersten Streckenhälfte der Hitze Tribut zollen und mit Kreislaufproblemen eine 30-minütige Pause einlegen. Der Veranstalter hat aber auf diese Umstände reagiert und an den Versorgungspunkten Salztabletten bereitgelegt. Danach konnte ich wieder weiterlaufen, aber eher defensiv und vorsichtig. Zu diesem Zeitpunkt waren ja noch über 100 Kilometer zu laufen. Die folgende Nacht verlief ohne größere Probleme.

Insgeheim hatte ich schon auf eine Zeit von 24 Stunden spekuliert, denn dafür gibt es bei allen 100-Meilen-Läufen eine Gürtelschnalle mit dem Logo der Veranstaltung als besondere Auszeichnung. Aber aufgrund der hohen Temperaturen war mir schon bald klar, dass ich meine Zielzeit korrigieren musste."

Weitere Informationen unter http://100meilen.de

Autor: bz