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09. April 2016

BI sieht Insolvenz auch als Chance

Zukunft von German Pellets ungewiss / Bürgerinitiative erneuert Forderung nach mehr Kontrolle und Drosselung der Produktion.

  1. Auf Sparflamme wird derzeit bei German Pellets auf Dyn A 5 produziert. Noch wird nach Investoren für den insolventen Pelletshersteller gesucht. Foto: Olaf Michel

ETTENHEIM/MAHLBERG. Insolvenz, Subventionsbetrug, Betrug von Anlegern und nebenbei teure Auslandsflüge mit Privatjet – solche Schlagzeichen bestimmten in der jüngeren Vergangenheit die Nachrichten von und über den Holzverarbeiter German Pellets (GP) und seinen Geschäftsführer Peter Leibold. Wegen der wirtschaftlichen Schieflage standen auch für mehrere Wochen GP-Werke still, auch das auf Dyn A 5. Die Nachrichten treiben auch die Mitglieder der BI Gewerbepark Ettenheim/Mahlberg um: Sie hoffen, dass das Insolvenzverfahren für sie einen Wendepunkt zum Guten bedeutet.

Seit der Pelletshersteller aus Wismar im Werk auf Dyn A 5 die Produktion angefahren hat, also seit fast zehn Jahren, liegen Anwohner in Orschweier und zum Teil auch im Ettenheimer Westen mit dem Unternehmen im Clinch. Sie gründeten eine Bürgerinitiative (2007) mit zwischenzeitlich mehr als 800 Mitgliedern, weil sie die Belastungen durch German Pellets mit Lärm, Staub und Geruch unzumutbar, unerträglich und gesundheitsgefährdend empfanden, und sie sich von den Genehmigungs- und Aufsichtsbehörden im Stich gelassen fühlten.

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Seit zwei Wochen werden wieder Pellets produziert

Sie griffen selbst gar zweimal zum Mittel der Petition beim Stuttgarter Landtag, um aus ihrer Sicht offenkundige Fehler der Genehmigungsbehörden offen zu legen und mit ihr entweder eine Drosselung oder gar die Einstellung der Produktion zu erreichen. Letzterem schienen die Petenten in den vergangenen Wochen schon sehr nahe gekommen, denn mit der wirtschaftlichen Schieflage lag die Produktion im Werk still. Vor zwei Wochen wurde sie auf Geheiß der Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde (Aachen) wieder gedrosselt angefahren, um langfristige Aufträge von Kunden zu bedienen und potenziellen Investoren ein produzierendes Unternehmen zeigen zu können, hieß es.

Dass es auf Dauer beim Stillstand bleiben werde, daran hatten die BI-Aktivisten ohnehin nicht geglaubt. "Das Werk steht. Und es werden dort wohl auch in Zukunft Pellets produziert werden," klang BI-Vorsitzender Peter Ohnemus nüchtern in einem Pressegespräch. Und doch knüpft sich innerhalb der BI so etwas wie Hoffnung an die augenblickliche Situation. Denn womöglich findet sich ein neuer Betreiber des Werks, womöglich sogar aus der Region –, der freiwillig Rücksicht auf die Anliegen der Anwohner nimmt. Der womöglich auf einen Drei-Schicht-Betrieb verzichtet und nachts nicht produziert. "Die Produktion von 128 000 Tonnen pro Jahr war ohnehin überdimensioniert und am Markt vorbei produziert," erklärt Lothar Krikowski, Vorsitzender der BUND-Ortsgruppe Ettenheim und BI-Mitglied vor der Presse. Vor allem aber hoffen die Mitstreiter in der Bürgerinitiative darauf, dass ein neuer Betreiber die Vorgaben des Bundesimmissionsschutzgesetzes einhält. Darauf ist die BI fokussiert. "Wir erwarten nicht nur, dass ein neuer Betreiber die gesetzlich vorgegeben und erforderlichen Schutzmaßnahmen konsequent umsetzt, sondern auch, dass die Aufsichtsbehörden ihre Pflicht der Kontrolle und Überwachung wirklich ausüben. Bei Letzterem sind unsere Erfahrungen bisher eher ernüchternd gewesen", sagt Ohnemus.

Dass die weitere Entwicklung auf dem (noch) GP-Firmengelände auf Dyn A 5 nicht zum "Wunschkonzert" (Ohnemus) wird, spricht der BI-Vorsitzende deutlich aus. Zumal die Insolvenzverwalterin bei der Abwicklung des Verfahrens zunächst den Gläubigern verpflichtet ist und weniger die Bedürfnisse der Menschen vor Ort im Blick haben wird. Nach einer dpa-Meldung ist die Rechtsanwältin derzeit mit 30 Interessenten im engeren Gespräch. Nach BZ-Informationen sollen auch drei badische Pelletshersteller dazu zählen, zwei von ihnen hätten sich auch schon vor Ort kundig gemacht.

Die Insolvenzverwalterin erwartet die Eröffnung des Insolvenzverfahrens zum 1. Mai (wir berichteten mehrfach). Die Beschäftigten, etwa 180 im Unternehmensverbund und 30 am Standort Ettenheim, sollen bis Ende April Insolvenzgeld von der Bundesagentur für Arbeit erhalten. Auch ihre Zukunft ist ungewiss und abhängig von neuen Investoren.

Autor: Klaus Fischer