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17. Dezember 2016

Eine Eisprinzessin einmal anders

BLICK IN DEN PARK: Anastasiia Manoilo arbeitet seit drei Jahren als Künstlerin im Europa-Park und hat jetzt einen Preis erhalten.

  1. Anastasiia Manoilo Foto: Ch. Breithaupt

  2. Fürs Finale die Kittelschürze mit dem Samtrock getauscht: Im Partnerlook mit dem Weihnachtsmann. Foto: Europa-Park

RUST. Bei der Winterpressekonferenz des Europa-Parks wurde in diesem Jahr einer Künstlerin besondere Aufmerksamkeit geschenkt: Anastasiia Manoilo arbeitet seit drei Jahren im Park und wurde mit dem Brass-Ring-Award als bester Künstlerin in einem Freizeitpark weltweit ausgezeichnet.

Sie fegt über das Eis, springt von der Eisfläche in die Zuschauerränge. Hier wackelt sie mit ihrem voluminösen Hintern, zieht die Kittelschürze zurecht und kokett die schwarz nachgezogenen Augenbrauen hoch. Ihr großzügig mit Lippenstift bemalter Mund verteilt Luftküsse, die Lockenwickler sitzen bombenfest. Die Augen der Zuschauer kleben auf dem Hausmütterchen. Anastasiia Manoilo spielt in der neuen Eisshow des Europa-Parks die unfreiwillig komische Hausfrau mit ausgestopftem Hintern und Staubwedel in der Hand.

Eine Stunde zuvor sitzt sie an einer Bar des Europa-Parks, nur wenige Meter vom Eiszelt entfernt, ihrem Arbeitsplatz. Anastasiia Manoilo ist alles andere als dick oder clownig. Der Unterschied zwischen der Person auf dem Eis und der an der Bar könnte größer nicht sein. Der Schal, den sie sich um die Schultern drapiert hat, lässt sie fast zerbrechlich wirken, die Hände liegen gefaltet in ihrem Schoß. Sie blickt konzentriert und ihre Sätze sind klar und geradlinig. Sie spricht fließend Englisch, ohne lange nach Wörtern zu suchen, obwohl es nicht ihre Muttersprache ist. Die 29-Jährige kommt aus der Ukraine.

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Ihren Beruf übt Anastasiia Manoilo mit Leib und Seele aus. "Eiskunstlauf ist mein Leben", sagt sie, immer wieder. Sechs Stunden trainiert sie dafür täglich, dazu gehört Ballett- und Krafttraining und natürlich die Übungen auf dem Eis. Wirkliche Freizeit mit Hobbys gibt es bei ihr nicht, sagt sie, alles hat direkt oder indirekt mit Eiskunstlauf zu tun. "Es ist meine Leidenschaft und die ist da, egal ob ich arbeite oder nicht."

Im Alter von zwei Jahren hat alles begonnen. Seither ist sie fasziniert vom Eiskunstlauf. Mit 16 Jahren lief sie ihre erste Show in Hamburg, ihre sieben Jahre ältere Schwester, auch Eiskunstläuferin, brachte sie nach Deutschland. Während ihres Choreografie- und Linguistikstudiums in der Ukraine trainierte Anastasiia Manoilo weiter.



"Es ist meine Leidenschaft und die ist da, egal

ob ich arbeite oder nicht."

Anastasiia Manoilo
über das Eiskunstlaufen
So wie sie auch jetzt noch trotz mindestens zweier Shows täglich ihr Training nicht vernachlässigt. "Es ist nötig, um in Form zu bleiben", sagt sie. Sie möchte so lange wie möglich in Form bleiben. Die Glitzerkleidchenwelt wird ihr nicht ewig offen stehen. "Ich arbeite viel mit Hula-Hoop-Reifen, das kann ich auch machen, wenn ich älter bin. Und jetzt versuche ich mich in der Comedy. Da gilt, finde ich: Je älter desto besser." Sie lächelt und sagt, sie fühle sich noch sehr unsicher in ihrer ersten lustigen Rolle. Menschen mit komödiantischem Talent erscheinen ihr geradezu wie Genies.

Zurück in der Eisshow: Auf der Eisbühne macht es sich die füllige Frau samt Besen und einer Tüte Popcorn am Rand bequem. Sie versucht mit schmachtenden Blicken die Aufmerksamkeit des Geigenspielers auf dem Eis für sich zu gewinnen und sich eine ganze Hand voll Popcorn auf einmal in den Mund zu stecken. Mit beleidigtem Schmollmund, da in beiden Fällen erfolglos, schwingt sie sich wieder aufs Eis, und verschwindet hinterm Vorhang. Die letzten Popcorns bekommen die Zuschauer ab, die am lautesten gelacht haben.

In der Bar nippt Anastasiia Manoilo wieder verlegen an ihrem Cappuccino. Sie hält die Tasse mit abgespreiztem kleinem Finger, fast mit tänzerischer Anmut führt sie die Tasse zum Mund. "Es ist viel leichter, jemanden zum Weinen zu bringen als zum Lachen", sagt sie mit einem kleinen Lächeln.

"Es ist viel leichter,
jemanden zum Weinen
zu bringen als zum Lachen."

Anastasiia Manoilo über
ihre erste komische Rolle
Ihre Wandlungsfähigkeit und die Fähigkeit, in jeder Rolle aufzugehen, haben ihr in diesem Jahr den Brass-Ring-Award beschert. "Der Award ist die höchste Auszeichnung, die es in der Freizeitparkbranche gibt, und wird weltweit vergeben. Sozusagen der Oscar der Freizeitparks", erklärt Noel Ebhart vom Europa-Park. Die Inhaber-Familie Mack sprach sich für die Bewerbung aus, ein Bewerbungsvideo wurde gedreht.

"Es war für mich eine große Ehre, dass ich dafür ausgewählt wurde. Hier im Park arbeiten so viele gute Leute. Dass ich gewinnen könnte, hätte ich nie gedacht. Nicht einmal gehofft habe ich, und dann ist es einfach passiert", erzählt Anastasiia Manoilo lebhaft. Sie strahlt, wenn sie über den Preis redet, sie freut sich sehr über diese Auszeichnung. Offiziell ist sie nun die beste Künstlerin in einem Freizeitpark auf der ganzen Welt.

Dass es ihre erste lustige Rolle in der Eisshow ist, merkt der Zuschauer nicht. Anastasiia Manoilo spielt die Anti-Prinzessin perfekt, bringt das Publikum zum Lachen, rafft die Röcke und versucht mit den grazilen Eistänzerinnen an ihrer Seite mitzuhalten. Auch ohne Glitzerkleidchen, dafür fürs Finale rausgeputzt in rotem Samt, dreht sie Pirouetten und schwingt die gut gepolsterten Hüften. Zumindest solange, bis es ihr plötzlich ins Kreuz fährt, und sie gebückt zum Eisrand humpeln muss, um sich erst mal zu erholen.

Vielleicht wird Anastasiia Manoilo in der nächsten Saison wieder in den Reihen der Eisgrazien zu finden sein. Aber vielleicht ist ihr das jetzt auch zu langweilig geworden.

Autor: Hannah Fedricks Zelaya