Eine Pilgerreise zu Orten der Kunst

Erika Sieberts

Von Erika Sieberts

Di, 15. November 2016

Ettenheim

Die Reiseroute der Schweizerin Marinka Limat führte auch in die Kunsthalle nach Altdorf/ Die Reportage wurde jetzt vorgestellt.

ETTENHEIM. Die Künstlerin Marinka Limat aus Freiburg in der Schweiz hat sich dem Pilgern verschrieben. 2013 war sie von ihrer Heimatstadt aus nach Berlin gepilgert und dabei am 8. Juni auch in Altdorf eingekehrt. 2015 war sie von Murten nach Venedig unterwegs, und nächstes Jahr will sie den langen Weg von Kassel nach Athen gehen (anlässlich der Dokumenta14 "Athen-Kassel") . Immer sind es Kunstorte und Kunstaktionen, die Marinka Limat mit ihrem Weg verbindet.

Bei ihrer ersten Pilgerreise hatte sie sich in der Kunsthalle Altdorf von der Künstlerin Isolde Wawrin segnen lassen. Am Samstagabend hat sie ihre einstündige Reisereportage aus dem Jahr 2013 in der Kunsthalle Altdorf vorgeführt. "Ich war mit meinem Pilgerpass unterwegs und habe Kunstorte ausgesucht, wo ich geklingelt und um einen Stempel und einen Segen gebeten habe", sagte die 33-jährige Schweizerin. So habe sie nicht nur Museen, Kunstvereine, Künstlerateliers und private Sammlungen entdeckt, sondern auf dem Weg auch mit den Menschen gesprochen.

Mit Rucksack und Zelt machte sich die junge Frau auf den Weg und übernachtete in der freien Natur. Bei den "Segnungen" taten sich viele Kunstschaffenden schwer: "Wie soll ich das jetzt machen?", war die häufige Frage. Und: "Darf ich das überhaupt?" Jeder Katholik könne und dürfe segnen, antwortete die Pilgerin. Anders- oder Nichtgläubige sollten ihren eigenen Weg finden. Und so erwiderten die Angesprochenen meist mit schwungvollen Gebärden, ernsthaften Ansprachen und Glückwünschen. Sogar Joseph Beuys wurde als Segenspender angerufen.

Mehr als 1100 Kilometer ging die 65-tägige Route durch Basel, Freiburg, Offenburg, Karlsruhe, Mannheim, Frankfurt, Fulda, Erfurt und Leipzig bis Berlin. Im Pilgerbuch, von dem einige Seiten gerahmt an der Wand der Kunsthalle hingen, konnte man bekannte Namen lesen: Schaulager Basel, Museum für Neue Kunst, Freiburg. Marinka Limat war auch im ZKM (Zentrum für Kunst und Medien) in Karlsruhe und hat sich vom dortigen Direktor Peter Weibel segnen lassen.

Auch in der großen Schirn Kunsthalle Frankfurt gab man sich die Ehre, die Pilgerin gebührend zu empfangen. In jedem Haus, so klein oder so groß es auch sein mochte, hat man sich mit dem Anliegen der jungen Künstlerin auseinandergesetzt. "Ich wusste nicht, was auf mich zukommt, und ich hatte noch keine Erfahrung mit dem Filmen", sagte Marinka Limat am Samstag. Sie hatte sich zwar schon mit Performances beschäftigt, die Pilgerreise jedoch stellte sie vor ganz neue Herausforderungen. Nun stand sie selbst im Fokus, und die Zuschauer sehen sie in den einzelnen Episoden fröhlich wandernd, mit Menschen sprechend, erfreut, erstaunt, aber manches Mal auch ängstlich und verzweifelt. Wunde Knöchel, Dauerregen oder die Nächte allein im Zelt, haben der Künstlerin auch emotional zugesetzt, etwa in den nordhessischen Wäldern, bekannt aus den Märchen der Gebrüder Grimm.

Insgesamt zeigt die Reportage Feinsinn und Humor und hält die Spannung bis zum letzten Moment. Immerhin haben bei dem dreisprachigen Streifen (die Pilgerin spricht Französisch, die Gesprächspartner in ihrer jeweiligen Landessprache, die Untertitel sind auf Englisch) mehr als zehn Leute mitgewirkt. Ein Trailer ist auf der Homepage der Künstlerin zu sehen. Außerdem gibt es Devotionalien wie Aufkleber, Anstecker oder Postkarten. Der Film kann gekauft und ausgeliehen werden.

Weitere Informationen unter http://www.kunstpilgerreise.ch