Hiphop im Vier-Viertel-Takt

Bertold Obergföll

Von Bertold Obergföll

Di, 17. Oktober 2017

Ettenheim

Das Hiphop-Duo Zweierpasch hat im Gymnasium und der Heimschule für mehrere Schulen einen Reim- und Rap-Workshop gegeben.

ETTENHEIM. Die Musikfreunde Ettenheim bieten in diesem Jahr ein besonderes Projekt an: Hiphop für Schüler. Das Duo Zweierpasch hat dazu gestern im Städtischen Gymnasium und in der Heimschule einen deutsch-französischen Workshop gegeben.

Zweierpasch, das Hiphop-Duo Felix und Till Neumann, ist schon seit sechs Uhr morgens auf den Beinen. Der Hip-Hop im Vier-Viertel-Takt bringt Schülerinnen und Schüler der beiden Gymnasien und des Bildungszentrums zu Beginn eines Unterrichtstages nur langsam in Bewegung. So früh rappen sie normalerweise nicht, schon gar nicht neben dem Physik- oder Kopierraum. Es ist kein ganz typischer Tag am Städtischen Gymnasium und an der Heimschule. "Sucht zu Euerm Vornamen ein Reimwort: "Je suis Felix – fort comme Obelix" – "ich bin stark wie Obelix". "Je suis Marina – j’aime l’Orangina". Oder auch "Ich heiße Matthias – bin ein echtes Ski-As". Immer leichter fällt das Reimen. Till mit seiner Brand, einer roten Baseballkappe, und sein Zwillingsbruder Felix geben Gas, ermutigen zum Sprechen französischer Vokabeln. "Sprecht deutlich! Die guten Dinge kommen immer zu zweit! Also reimt!" Bis die Fetzen fliegen, denkt man unwillkürlich.

Nach der kurzen Einführung sollen sie einen Battle vorbereiten, einen kleinen Wettkampf. Sie lassen sich bereitwillig in Kleingruppen einteilen, Team Lilly, Team Colin, Team Luna. Keiner will aber beginnen, mit Flaschendrehen wird da Problem gelöst. Die wichtigste Verhaltenshinweis in der Rapper-Szene lautet: Respekt für die Anderen. Und Aufmerksamkeit und Fairness für die Mitstreiter. Musik aus dem Booster läuft, der Fußboden schwingt spürbar mit, die Schläge gehen in die Beine, bringen den Körper zum Mitschwingen.

Die Bewegung ist Taktgeber, Hände werden zum Taktstock, Kraft kommt in die Stimme. Beifall wird eingespielt, man meint, auf der Konzertbühne zu stehen. "Ooohoo! Sehr gute Runde!" loben Zweierpasch ihre Mitarbeiter, wie sie sie nennen. Am Ende soll ein Kick erfolgen, Blätter durch die Luft fliegen, Posen oder auf irgendeine Weise "knackig" sein. Es helfe auch später im Leben enorm, so Felix Neumann, wenn man eine deutlich vernehmbare Körpersprache und eine feste Stimme erlernt habe.

Am Freitag gibt es in der Heimschule ein Konzert

Wolfgang Ewald, musikalischer Beirat der Musikfreunde Ettenheim hatte die Idee und die Organisation für den Workshop übernommen. Auch Bernd-Volker Harting von den Musikfreunden zeigt sich sehr erfreut, dass ihre satzungsmäßig verankerte Förderung des Nachwuchses hier Früchte trägt. Für sie ist es erst einmal ein Experiment.

Am Freitag ab 11.30 Uhr ist in der Heimschule ein Mittagskonzert, auch der SWR will am Freitag im Vorfeld des Konzert eine Kurzreportage senden. Noch ist es aber nicht so weit, noch ist "work" angesagt, Bewegungs- und Rhythmusarbeit mit französischen Vokabeln. "Kiffer", diese Vokabel sitzt sicher, meint im Französischen aber anderes, nämlich "etwas voll cool" finden. Musik wummert weiter, Nico fügt spontan eine Trompete mit Dämpfer ein. "Passt, oder?!" Das Duo motiviert, Tempo, Tempo. Till und Felix sind voll in Action, lassen sich so wenig wie ihre Mitarbeiter aus Arbeit, Begeisterung und Konzentration bringen.

Für die Lehrkräfte Christine Rieder, Franziska Kretschmer, Markus Hummel, Claudio Wasmer und Jasmin Scherzinger ist es eine Supersache, Jugendliche auf diese Weise mit Sprechgesang zur Auseinandersetzung mit Stereotypen zu bringen. Manchen von ihnen ist dieses Duo auch aus dem Studium oder vom deutsch-französischen Jugendwerk bekannt. Schließlich ist Zweierpasch von Paris bis Kasachstan in ihrer Sache unterwegs. Un-deux – trois – émotions. Sie befeuern Emotionen. Typisch französisch – c’est dire oh là là. Als frontaliers, als Grenzgänger, machen sie vor allem bei den Teilnehmern der Workshops an diesem Morgen viel Lust auf mehr Französisch.