Hitzeschlacht im Übungscontainer

Olaf Michel

Von Olaf Michel

Fr, 25. Mai 2018

Ettenheim

Feuerwehrleute proben Ernstfall unter realistischen Bedingungen.

ETTENHEIM. Bereits zum zehnten Mal haben die Frauen und Männer der umliegenden Feuerwehren in Ettenheim vor dem August-Ruf-Bildungszentrum den Ernstfall geprobt. Schon von Anfang dabei ist Peter Vierling, der in diesen vier Wochen mit jeweils drei Feuerwehrkameradinnen und -kameraden den Übungscontainer der Netz BW Südbaden betreut.

Schon bevor die Ersten der etwa 350 Übungskandidaten eintreffen, müssen die Helfer die Stromversorgung, das Löschwasser und die Gasleitung am Flüssiggastank anschließen. Bis jetzt waren die Feuerwehren aus dem Ortenaukreis zu Gast. Die Kameraden aus Seebach vom nördlichsten Ortenau Kreis hatten dabei wohl die weiteste Anreise. Von Mittwoch bis Freitag sind die Wehrleute der Gesamtfeuerwehr Ettenheim dran. Wie bei den Übungskandidaten vor ihnen müssen auch die Ettenheimer immer zu zweit in den Übungscontainer einrücken und für etwa 20 Minuten ein Brandszenario durchspielen.

Dabei spielt es keine Rolle, welche Außentemperaturen herrschen. Im Container steigt das Thermometer bereits am Boden auf etwa 50 Grad Celsius und bei einem Meter höhe sogar auf 80 Grad. Unter der Decke ist es dann unerträglich. Die Einsatzkräfte werden von ihren Spezialanzügen und der Atemschutzausrüstung geschützt. Die Feuerwehrleute tragen rund 80 Kilogramm Ausrüstung am Körper. Da ist der Wasserverlust durch das Schwitzen recht hoch, was einen gesunden Körper voraussetzt. Deshalb stehen ebenfalls alljährlich ärztliche Untersuchungen der Wehrleute auf dem Programm. Für diese 20-minütigen Heißübung werden pro Einsatzkraft etwa 15 Kubikzentimeter Flüssiggas benötigt, das in einem großen Tank gelagert ist.

Vom Kontrollraum aus hat der Einsatzleiter über Monitor das ganze Geschehen im Blick. Er kann über Regler die Feuerausbreitung wie auch die Rauchentwicklung steuern. Diese Art von Heißübung ist für jedes Mitgliedn in den Feuerwehren einmal im Jahr Pflicht. Ein Einsatz bei einem realen Brand zählt dazu. Er wird in einem eigenen Atemschutzpass eingetragen.

"Da Gott sei Dank, nicht jeder in die Situation eines Brandeinsatzes kommt, ist das eine gute Einrichtung. Auch für neue Feuerwehrleute, die frisch dazukommen", sagt Peter Vierling, der diese Übungen beaufsichtigt. Was in diesem Jahr besonders auffällig ist, ist die hohe Anzahl von Frauen bei den Feuerwehren. Vor wenigen Jahren waren allenfalls eine oder zwei dabei. In diesem Jahr stieg die Zahl auf 18 Frauen an.

Nach dem kräftezehrenden Einsatz im Container ist die Erschöpfung sichtbar. Die Atemschutzmaske ist das Erste, was vom Gesicht kommt. Mit verschwitzter Gesichtspartie ist als Nächste s der Griff zur Wasserflasche dran, die schon parat steht.

Das Geübte konnten einige – zumindest zum Teil – schon am Donnerstagmorgen in Ringsheim praktisch einsetzen. Im Bereich der Lessingstraße war es nach einem Blitzeinschlag in der Nacht zu einem Dachstuhlbrand gekommen. Verletzt wurde laut Feuerwehr niemand. Im Einsatz waren mehrere Löschfahrzeuge aus Ringsheim und Ettenheim sowie die Drehleiter der Ettenheimer Wehr.