Mozart für Offenheit statt Mauern

Erika Sieberts

Von Erika Sieberts

Do, 09. November 2017

Ettenheim

Der Erlös der Benefizkonzerte des Kammerorchesters Ettenheim geht dieses Jahr an eine Freiburger Bewegung für demokratische Werte.

ETTENHEIM. Das Kammerorchester Ettenheim (KOE) hat für seine beiden Benefizkonzerte am letzten Novemberwochenende Werke von Mozart, Bach und Fux ausgesucht. Die Spenden gehen an eine neu gegründete Bewegung in Freiburg, die sich für demokratische Werte einsetzt und in der Region aktiv sein will.

"In diesem Jahr wird das Flötenkonzert von Carl Philipp Emanuel Bach in d-moll aufgeführt. Mozart-Liebhaber können sich auf die Sinfonie Nr. 38, auch bekannt als "Prager Sinfonie" freuen", sagte Dirigent Stefan Krattenmacher vor der Probe am Dienstagabend im katholischen Gemeindezentrum. "Eröffnet wird das Konzert mit einer Suite in C-Dur von Johann Joseph Fux, einem Zeitgenossen Bachs, der damals in Wien populär gewesen ist."

Wie bei allen zurückliegenden Konzerten, hat das KOE auch dieses Mal wieder einen prominenten Gast: Anne Romeis, Flötistin im SWR-Symphonie-Orchester, wird das Soloinstrument im Flötenkonzert von Bach spielen. Die Musikerin aus Kandel studierte an der Musikhochschule in Freiburg und erhielt mehrere internationale Preise.

Das KOE ist seit seiner Gründung im Jahr 2011 auf ein Symphonieorchester mit rund 40 Spielerinnen und Spielern aus der Region Ettenheim-Lahr-Offenburg herangewachsen. "Getreu unserem Motto, Musik von Menschen für Menschen aus der Region zu machen und gleichzeitig Gutes zu tun, konnten wir in den vergangenen Jahren mehrere Projekte finanziell unterstützen: Nachbarschaftshilfen oder die Straßenkinder in Freiburg", sagte Gabi Häcker. Die Organisatoren des Orchesters wählen jedes Jahr eine lokale oder regionale Einrichtung aus, die Spenden besonders nötig hat. In diesem Jahr haben die Musiker durch den Kontakt ihres Mitglieds Jochen Meier aus Schmieheim den Verein "Allianz für Werteorientierte Demokratie in Freiburg" ausgesucht. "Wir möchten gerne diese neue Bewegung unterstützen, weil wir uns durch deren Arbeit angesprochen fühlen", sagten die Musiker.

Durch den Dialog demokratische Werte stärken

Katja Liliental, eine der Gründerinnen des Projekts für demokratische Werte, erläuterte das Anliegen ihres in Freiburg gegründeten Vereins: Nach der Wahl des neuen US-Präsidenten sei ihr und vielen Freunden klar gewesen, dass etwas geschehen müsse, "denn wir fühlten uns unsicher und bedroht." Durch Dialog und Netzwerke möchte die Gruppe die demokratischen Werte in der Gesellschaft stärken, nach folgenden fünf Punkten: Liebe statt Hass, Vertrauen statt Lüge, Taten statt Worthülsen, Bescheidenheit statt Gier und Offenheit statt Mauern. So beschreibt der Verein die Werte, nach denen er handeln und diskutieren will. Bereits stattgefunden habe eine Wertediskussion vor dem Bundestagswahlkampf im SWR-Studio in Freiburg. Für den 19. Januar sei ein großer Konvent vorgesehen, bei dem jeweils etwa zehn Akteure aus allen gesellschaftlichen Bereichen teilnehmen sollen.

"Unsere Initiative wird von den Gemeinderatsfraktionen unterstützt", sagte Katja Liliental. Der Verein starte mit 30 Mitgliedern und 300 Newsletter-Abonnenten. Mit einem Beispiel aus dem religiösen Leben verdeutlichte Liliental die Arbeitsweise: "Wir regen an, dass etwa die Kirchen das Thema Demokratie in ihren Predigten aufnehmen und sich die Mitglieder unterschiedlicher Konfessionen gegenseitig in den jeweiligen Gotteshäusern besuchen." Analog dazu sollten sich Protagonisten aus Wirtschaft und Politik vernetzen und den Dialog suchen, so Liliental.

Konzerte: Samstag, 25. November, 19 Uhr, in der evangelischen Friedenskirche Kippenheim; Sonntag, 26. November, 18 Uhr, in der Kirche St. Nikolaus in Altdorf. Der Eintritt ist frei, Spenden zugunsten der Allianz für Werteorientierte Demokratie werden erbeten.