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20. April 2013

Nach dem Konzert geht’s nach Paris

Bernhard Schmidt startet mit dem Kirchenchor Münchweier ein ehrgeiziges Projekt / Konzert am 28. April in der Stadtkirche.

  1. Seit eineinhalb Jahren ist Bernhard Schmidt Leiter des Kirchenchores Münchweier und von den Perspektiven des Chores überzeugt. Foto: Klaus Fischer

ETTENHEIM-MÜNCHWEIER. Zuerst war das Werk, die Messe solennelle des Pariser Komponisten Louis Vierne (1870 bis 1937). Dann zwei ambitionierte Chöre, der Kammerchor Catemus aus Gundelfingen, der katholische Kirchenchor Münchweier und ein 30 Jahre junger Chorleiter mit Namen Bernhard Schmidt. Und schließlich das Projekt: Ein geistliches Konzert, das beide Chöre zu einem gewaltigen, 70-stimmigen Klangensemble zusammenführt, begleitet von Akkordeon und Orgel. Das Ergebnis wird am Sonntag (28. April, 17 Uhr) in der Stadtkirche St. Bartholomäus zu hören sein.

Zweifel, dass das Projekt für einen Kirchenchor ein zu ehrgeiziges sein könnte , seien ihm bei "diesem Chor" nie in den Sinn gekommen, erklärt Bernhard Schmidt. "Das Potenzial ist da. Er ist in allen Stimmen gut besetzt mit Erfahrenen und Jungen. Er ist bereit, sich auf Neues einzulassen, was für einen Kirchenchor nicht ganz typisch ist. Und vor allem: Die Sängerinnen und Sänger lernen schnell", klingt der Chorleiter fast schon schwärmerisch.

Dabei hat Schmidt erst vor eineinhalb Jahren die Nachfolge von Marcio da Silva angetreten. Den Brasilianer zog es überraschend nach London ans Royal College of Music, wo er ein Masterstudium anstrebt. Ein Nach-mir-die-Sintflut war dieser Abschied indes nicht. Da Silva empfahl seinem Freiburger Studienkollegen Bernhard Schmidt den Münchweierer Chor wärmstens. "Das eine war das fachliche, das mir die Zusammenarbeit attraktiv erscheinen ließ. Das andere war die Perspektive des Chores. Ein Chor, gerade im ländlichen Raum, der sich auf einen jungen Südamerikaner als Chorleiter eingelassen hatte, der ist auch bereit, sich auf Neues einzulassen. Das hat mir von Anfang an imponiert," sagt Schmidt.

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Dass den Sängerinnen und Sängern allerdings nichts in die Wiege gelegt worden war, betont Marianne Schnell aus dem Vorstand des Chores gegenüber der BZ. "Hinter diesem Projekt steckt schon harte Arbeit und viel zeitliches Engagement noch dazu. Die meisten von uns haben auch jede Chance zu gemeinsamen Proben mit dem Gundelfinger Chor genutzt. Und es gab natürlich auch Ängste, ob wir das schaffen und uns nicht doch blamieren. Eine lateinische Messe zu singen, ist uns ja geläufig. Aber im Konzert singen wir in französischer Sprache und einige Motetten werden auch Englisch gesungen. Das war für uns schon ungewöhnlich", gesteht sie ein und hat auch schnell ein paar Anekdoten parat, wie sich einige im Chor mit einer eigenen Lautschrift Textsicherheit verschafften.

Gerade diese konzentrierte und akribische Herangehensweise der Sängerinnen und Sänger sei es auch, was den Profi am Dirigentenpult an dieser Zusammenarbeit mit dem Chor fasziniere, erklärt Schmidt. "Musikalisch ist dieser Chor beim Konzert nicht überfordert, eher organisatorisch", sagt Schmidt und spricht damit die zweite Herkulesaufgabe für die Münchweierer an: Die Organisation des Konzerts in der Pfarrkirche St. Bartholomäus, wohin der Kirchenchor als Veranstalter ausweichen muss, weil ein Chor mit mehr als 70 Sängerinnen und Sängern und begleitendes Akkordeonensemble Collage im Altarraum des Münchweier Gotteshauses nicht unterzubringen war.

Das Konzert wird als Benefizkonzert veranstaltet. Die Einnahmen – Spenden keine Eintrittsgelder – werden zu gleichen Teilen an das Schulprojekt von Pfarrer Sylvanus Nnoruka in Nigeria und an die Schulranzenaktion der Lahrer Tafel gehen. "Wenn wir im Körbchen am Ausgang der Kirche dann einen schönen Betrag zusammen bekommen, wäre das eine schöne Anerkennung für unser Engagement und toll für die beiden Projekt", sagt Marianne Schnell.

Belohnen will sich der Chor dann allerdings auch noch selbst. Gemeinsam mit dem Gundelfinger Kammerchor soll es zwei Wochen nach dem Konzert auf Konzertreise nach Paris gehen. In Notre Dame wollen sie die Messe solennelle singen. "Zeitgleich mit uns sind zwei Chöre aus Düren in Paris. Mit denen wollen wir uns für das Pariser Projekt zusammentun und gemeinsam die Messe singen", sagt Bernhard Schmidt. Auch vor diesem Experiment mit vermutlich nur einer gemeinsamen Probe scheut sich der Kirchenchor nicht.

Benefizkonzert, 28. April, 17 Uhr, St. Bartholomäus in Ettenheim, Dauer circa eine Stunde. Programm: Messe solennelle (Vierne), Cantique de Jean Racine (Fauré) sowie Werke von Duruflé, Franck und Rutter.

Autor: Klaus Fischer