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24. März 2011 13:54 Uhr

Atomunfall

Experte zu Fukushima: "Da läuft ein Super-GAU ab"

Auf und Ab: Wie eine Achterbahnfahrt erscheint die Entwicklung in den Lageberichten aus Japan gut zwei Wochen nach dem Beben. Experten warnen ausdrücklich weiterhin vor dem Super-GAU – für Deutschland geben sie Entwarnung.

Knapp zwei Wochen nach dem verheerenden Erdbeben ist die Lage in dem Katastrophengebiet noch extrem bedrohlich. Die Erschütterungen hinterließen ein Mega-Trümmerfeld, der Tsunami riss Tausende in den Tod. Verzweifelt versuchen Menschen am beschädigten Atomkraftwerk Fukushima noch zu retten, was zu retten ist. Wie schätzen Experten die Lage dort nach zwei Wochen ein?

"Schleichende Katastrophe" mit unabsehbaren Folgen

"Die Gesamtsituation ist nach wie vor dramatisch", sagte Greenpeace-Experte Karsten Smid am Donnerstag. "Wir gehen aufgrund von Indizien davon aus, dass eine partielle Kernschmelze bereits stattgefunden hat." Die Lage in Japan unterscheide sich aber deutlich von der Tschernobyl-Katastrophe vor 25 Jahren, unter anderem beim Reaktortyp. "In Japan haben wir außerdem eine schleichende Katastrophe mit einer kontinuierlichen, aber dennoch erheblichen Freisetzung von radioaktiven Stoffen." Und wie wird das Unglück dort enden? "Das kann wirklich niemand derzeit seriös voraussagen."

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"Wir sind noch auf der Intensivstation." Atom-Experte Seiler
Ernst, aber unaufgeregt trägt Japans Regierungssprecher Yukio Edano die Lageberichte über die Reaktorblöcke vor. Sie spiegelten in den vergangenen Tagen Hoffen und Bangen wider: "Wir glauben derzeit, dass sich die Situation stabilisiert hat", "Nach gegenwärtiger Lage dürfen wir nicht zu optimistisch sein", "Wir wollen die Beobachtungen in der Umgebung erhöhen für weitere Analysen", so der Sprecher.

Das Hauptproblem in Japan ist die Kühlung der Reaktoren und der Brennelementelager. Wenn es nicht gelinge, diese Kühlung stabil hinzubekommen, werde die Belastung stetig wachsen, warnte der Geschäftsführer des Öko-Instituts, Michael Sailer. "Wir sind noch auf der Intensivstation." Es sei nicht auszuschließen, dass es in Nordchina, Nordkorea oder an der Ostküste Russlands Probleme mit erhöhter Radioaktivität in der Umwelt geben könnte. Das hänge entscheidend vom Wetter ab, betonte Sailer, der auch Mitglied der Reaktorsicherheitskommission ist.

Kein Strahlenrisiko für Deutschland

"Da läuft ein Super-GAU ab", warnte der Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz, Sebastian Pflugbeil. "Es ist nicht zu erkennen, dass es da bergauf geht." Die Gegend um das Atomkraftwerk sei hochkontaminiert und in dieser Hinsicht durchaus mit Tschernobyl vergleichbar. Für Deutschland bestehe aber kein Risiko, sagte er. "Da muss man den Ball flach halten." Das sieht auch Greenpeace-Experte Smid so: "Wir liegen einfach zu weit weg."

Bundesweit gibt es ein Netz an Messstationen, das rasch eine erhöhte radioaktive Belastung feststellen könnte. "Nach Tschernobyl hatten wir erhebliche Belastungen in Deutschland, aber jetzt: null, nichts", erklärte der Strahlenbiologe Prof. Michael Atkinson vom Helmholtz Zentrum München der dpa. "Wir haben sogar Flugzeuge aus Japan, zum Beispiel Filter und Tragflächen, kontrolliert und nichts gefunden." Bei zwei Reisenden seien Spuren von radioaktivem Jod nachgewiesen worden, aber die Werte seien "völlig unbedenklich".

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Autor: dpa