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17. November 2008 14:11 Uhr
Der Profi-Haarschneider
Ein Basler Friseur stylt Schalkes Fußballer tortauglich
Sie sind Profis im Dribbeln, Flanken, Tackeln – und sehen dabei noch top-gestylt aus: die Fußballer von Schalke 04. Verantwortlich für ihre Strähnchen und Fransen ist Fitni Abdulovski. Dafür lassen sie den Aargauer Friseur zweimal im Monat extra aus Basel einfliegen.
Er ist klein, aggressiv und schnell. "Ich bin Roberto Carlos – nur in blond", lacht Fitni Abdulovski, Abwehrspieler des Fußballclubs Amicitia Riehen. Zum ganz großen Ballzauberer hat es bei dem 29-Jährigen aus Aargau nie gereicht. Doch was dem gebürtigen Mazedonier in den Füßen fehlt, macht er mit einer perfekten Scherenführung und einem sauberen Pagenschnitt wieder wett.
Abdulovski ist so etwas wie der Hausfriseur von Schalke 04. Seiner Schere fielen schon die dunklen Strähnen von Marcelo Bordón und die Locken von Mladen Krstajic zum Opfer. Und natürlich die von Rakitic, dem er schon im zarten Alter von 12 Jahren die Haare schnitt und in die Geheimnisse von Gel und Wachs einführte. Davor legte er schon der Mutter des späteren Fußballprofis die Haare und kickte mit dem Bruder im Verein.
Über Haarwaschbecken und Friseursessel hinweg schlossen Rakitic und Abdulovski Freundschaft und trafen folgende Vereinbarung: Sollte es der Junge zum Profi-Fußballer bringen, würde er Abdulovski zum Star-Friseur machen.
Von 2005 an spielte Rakitic beim FC Basel und wurde rasch zum begehrten Nachwuchstalent. Alle zwei Wochen verpasste Abdulovski dem Mittelfeldspieler einen neuen Schnitt: Ein paar Fransen hier, ein paar Strähnchen da – "und danach schoss er jedes Mal ein Traumtor", sagt Abdulovski und schränkt gleich darauf ein: "Naja, zumindest fast immer." Und während die Basler Fans dem blond gefärbten Rakitic zujubelten, stimmten die gegnerischen Anhänger mehr als einmal die Schmähhymne an: "Du hast die Haare schön!"
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"Fußballer sind abergläubisch", davon ist der Friseur fest überzeugt. Es sei daher nur eine Frage der Zeit gewesen, ehe der Schnitt vor dem Spiel zu einer festen Institution wurde. Zudem gehöre in der heutigen Zeit die perfekte Frisur zum Fußball wie der virtuose Freistoß oder der ideale Doppelpass.
2007 wechselte Rakitic nach Gelsenkirchen. "Ich dachte, er würde sich dort einen neuen Friseur suchen", sagt Abdulovski. Doch weit gefehlt: Kuranyi und Co. gefiel der Style des damals 19-Jährigen. "Wer macht dir die Haare? Den wollen wir auch."
Zum ersten Mal ließen sie Abdulovski vor dem Heimspiel gegen Werder Bremen einfliegen. "Ich hatte davor so Muffensausen," flüstert der Friseur. In einem Hotelzimmer traf er auf einmal auf die Spieler, die er sonst nur aus dem Fernsehen kannte, die er als Fußballer verehrte und deren Köpfen er jetzt den richtigen Look verpassen sollte.
Der erste, der eintrat: Mladen Krstajic. "Ein Berg von einem Mann – ich war baff", berichtet Abdulovski, der dem 1, 90 Meter großen Spieler gerade einmal bis zum Brustkorb reicht. "Mach was!" bellte Krstajic und Abdulovski legte los. Dem Innenverteidiger verpasste er mit Kamm und Schere mehr Volumen, Zlatan Bajramovic und Manuel Neuer bekamen ein paar blonde Strähnchen.
Als Tribut die Fingerschere nach dem Freistoßtor
Vier Stunden dauerte die Haarsession in dem Mannschaftshotel. Am nächsten Tag erreichten die Schalker gegen Werder zwar nur ein Unentschieden – "dafür waren sie aber besser gestylt", lacht Abdulovski. Ihm zu Ehren hätten die Spieler sogar nach dem Freistoßtor die Luft mit einer Fingerschere durchschnitten. "Ein großartiger Moment."
Mittlerweile fliegt der Friseur zweimal im Monat nach Gelsenkirchen. Mit Rakitics Schopf hat Abdulovski noch viel vor: "Zunächst lassen wir die Haare erst einmal auf Kinnlänge wachsen, dann stufen wir sie ordentlich durch." Das Ziel: "Rakitic soll älter wirken, soll nicht mehr nur als junges Fußballtalent, sondern auch als Mann gesehen werden."
Neben den Profikickern frisiert Abdulovski, der sich nach Jahren im Salon als Freiberufler selbständig gemacht hat, Models für Fotoshootings von Elle oder Vogue. Wunderschöne Frauen, wunderschöne Haare – doch für ihn persönlich kein Highlight. "Models sind viel zu zickig. Fußballer sind mir da viel lieber."
Autor: Alexandra Sillgitt
