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18. Juli 2013

Wider die Homophobie

Bildungsoffensive zum Thema Geschlechterbilder.

BERLIN. Einen Satz betonte Jörg Litwinschuh immer wieder. "Wir möchten keinen moralischen Druck aufbauen und homosexuelle Spitzensportler identifizieren", sagte der Geschäftsführer der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld am Mittwoch in Berlin. Die 2011 gegründete Stiftung, benannt nach dem Arzt und Sexualforscher Hirschfeld, stellte eine Bildungsoffensive vor, die konservative Geschlechterbilder im Sport aufweichen soll. Um Aufmerksamkeit zu erhalten, setzte sie auf Symbolpolitik: 15 Erstunterzeichner verabschiedeten die "Berliner Erklärung", darunter drei Bundesministerien, Wolfgang Niersbach als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern München. Aussagekräftig wird die Erklärung allerdings erst durch die 14 der 18 Bundesligaklubs, die nicht unterschrieben haben. Auch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) und andere Sportfachverbände wollen das Projekt zunächst beobachten. Die Hirschfeld-Stiftung hatte sich wochenlang bemüht, aktive oder ehemalige Profikicker für die Präsentation zu gewinnen. Vergeblich.

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Mehrfach hat sich im Kampf gegen Diskriminierung gezeigt, dass plakative Botschaften wie diese den gesellschaftlichen Kern des Problems verdecken können. 2007 hatten Fan-Aktivisten in der "Leipziger Erklärung" Forderungen festgeschrieben, um Homophobie (gegen Lesben und Schwule gerichtete Abneigung) im Fußball einzudämmen, begleitet von Aktionsabenden in Berlin, Stuttgart, Köln. Einige Klubs nutzten die Öffentlichkeit, um sich als liberal zu vermarkten, doch an der Auseinandersetzung mit den Strukturen waren sie nicht interessiert.

Noch immer verkörpert der heterosexuelle Mann die Leistungsnorm des Fußballs. In der Studie zur Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit der Universität Bielefeld haben 25,3 Prozent der Befragten folgender Aussage zugestimmt: "Es ist ekelhaft, wenn sich Homosexuelle in der Öffentlichkeit küssen." Durch Männlichkeitskult und Fan-Feindschaften können diese Vorurteile in den Stadien stärker ausbrechen als anderswo. "Viele Kinder wachsen im Sport mit Klischees auf", sagte Martin Schweer, Sportpsychologe der Universität Vechta, die gemeinsam mit einigen Bundesligisten Forschungen anstoßen will. In der nächsten Phase sollen prägnante Module für die Aus- und Weiterbildung geschaffen werden, für Trainer, Betreuer, Schiedsrichter.

Autor: Ronny Blaschke