Frankreichs Ligue 1

Racing Straßburg ist zurückgekommen

Peter Cleiß

Von Peter Cleiß

Mi, 02. August 2017

Fussball International

VOR SAISONBEGINN: Aufsteiger Racing Straßburg wird von einer unheimlichen Welle der Euphorie der Fans getragen / 3000 fahren mit zum ersten Saisonspiel.

FUSSBALL Ligue 1 Frankreich (pc). "Als Siebzehnter am Saisonende bezahle ich den Champagner." Dies lässt der Trainer von Racing Straßburg, Thierry Laurey, jeden wissen. Der Aufsteiger will erstklassig bleiben. Präsident Marc Keller pflichtet ihm bei. "Wir sind dahin zurückgekommen, wo wir hingehören. Aber hinter uns liegen neun Jahre, in denen Racing nicht mehr erstklassig war. Seit Sommer 2011 waren wir für ein paar Jahre sogar nur noch ein Amateurverein". Keller blickt zurück auf Jahre voller Enttäuschungen für Verein, Stadt und Region.

Aber jetzt ist Racing wieder da und die Zeichen stehen nicht schlecht. Mit einer Serie von zehn Spielen ohne Niederlage war die vergangene Saison zu Ende gegangen. Mit einer rauschenden Feier hat man die Rückkehr in die Ligue 1 gefeiert. Und die Serie hält noch immer an. Auch in den sechs Vorbereitungsspielen auf die neue Saison blieb das Team ohne Niederlage. Dabei hat sich das Gesicht der Mannschaft gewaltig gewandelt. Insgesamt sieben neue Spieler hat der Club verpflichtet. Mit Bingourou Kamara, (20, FC Tours) einem 1,96 Meter großen Torwartriesen, hat Racing einen bedeutsamen Wechsel für die Zukunft getätigt.

Sieben Spieler mit viel Potenzial verpflichtet

Er war Nationaltorhüter sämtlicher Altersklassen der französischen Nachwuchsteams und ist aktuell die Nummer eins der U 21. In der Abwehr sollen Pablo Martinéz und Kenny Lala für mehr Stabilität sorgen. Im Spiel nach vorne baut man fortan auf die Erfahrung und Spielstärke von Benjamin Corgnet, Nuno da Costa und Idriss Saadi. Ein wahrer Transfercoup gelang mit der Verpflichtung von Jonas Martin (27, Betis Sevilla). Der in Besançon, am Südrand der Vogesen, aufgewachsene spielstarke Dauerläufer soll die Verbindung zwischen Defensive und Offensive herstellen. Auf seinen Schultern ruhen ein Großteil der Hoffnungen von Verantwortlichen und Fans. "Wenn sich die Gelegenheit bietet, wollen wir noch einen weiteren Innenverteidiger und einen Spieler für die linke Außenbahn verpflichten", kündigt Thierry Laurey an. Dass sämtliche Neuverpflichtungen gute Chancen auf einen Platz in der Stammformation haben, macht nicht zuletzt die Aufstellung im letzten Vorbereitungsspiel beim Erstligakonkurrenten FC Dijon (0:0) deutlich: Bis auf den angeschlagenen Martinéz spielten alle Neuen.

Neuer Rekord bei Dauerkarten aufgestellt

Die Erwartungshaltung im Umfeld ist riesengroß. Der bisherige Vereinsrekord beim Verkauf von Dauerkarten von knapp über 11 000 aus der Saison 2008/2009 ist längst Makulatur. Vor wenigen Wochen fiel die Grenze von 14 000 Abos. Erwartet wird, dass bis zum ersten Heimspiel am 13. August gegen Lille (15 Uhr) auch die Marke von 15 000 überschritten sein wird. Welch enormes Ausmaß die Erwartungen der Fans und ihr Hunger nach Spitzenfußball haben, zeigt die Tatsache, dass zum ersten Saisonspiel bei Olympique Lyon alle fünfzig Fanbusse ausverkauft sind. Rund 3 000 Racingfans werden am Samstag ihr Team beim ersten Ligue 1-Spiel nach neun Jahren stimmgewaltig anfeuern.

Doch zum Sportlichen: "Unser Auftaktprogramm ist brutal", kommentiert Thierry Laurey den Spielkalender und versucht etwas auf die Euphoriebremse zu treten. "Zuerst in Lyon und nach dem Heimspiel gegen Lille gleich zwei Mal hintereinander auswärts in Montpellier und Guingamp verwandeln den August für uns zu einer heftigen Prüfung". Und das in einer Liga, in der vorneweg die Großen von Paris SG, AS Monaco, OL Marseille, OSC Nice, OL Lyon und Girondins Bordeaux marschieren. "Dahinter kämpfen 14 Mannschaften um eine gute Platzierung oder gegen den Abstieg" analysiert Laurey die Aufgabe für den Aufsteiger aus der Elsass-Metropole.

Nicht alle glänzt im Licht des Aufstiegs. Die angekündigten Sanierungsmaßnahmen im Meinau-Stadion stehen noch aus. Die Stadionkatakomben bekamen in Teilen einen neuen Anstrich und einige alte Sitze wurden gewechselt. Die ganz große, auf bis zu 100 Millionen Euro bezifferte Sanierung wird jedoch erst erfolgen, wenn eine in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie zeigt, welche Möglichkeiten bestehen und welcher Finanzierungsbedarf damit ausgelöst wird. So bleibt es bei der augenfälligsten Änderungen für die Zuschauer. Zwei Großleinwände, die die Fans das Geschehen auf dem Rasen zukünftig in Großaufnahme live verfolgen lassen.