Feiern mit der Nachbarschaft

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Di, 25. Juli 2017

Freiburg Süd

Zum ersten Mal gab’s in der Büggenreuterstraße ein Straßenfest.

STÜHLINGER. Sie liegt eher versteckt in der Nähe der Uniklinik, doch sie bietet einiges: In der Büggenreuterstraße gibt’s unter anderem die Aidshilfe, das Familienzentrum Klara, einen Friseursalon, ein Nagelstudio, einen russischen und einen asiatischen Laden – außerdem Ismail Demirak und sein "Baden-Kaffee", das im Herbst 2016 eröffnet hat. Er hatte die Idee, bei einem Straßenfest alle zusammenzubringen. Zwar war die Zahl der Gäste am Samstag überschaubar, doch Ismail Demirak ist zufrieden und will weitermachen.

An einem der Tische sitzt Evrard Nguimout mit Freunden. Für ihn ist es klar, dass er mitfeiert – ebenso wie für afrikanische Bekannte von ihm, die spontan bunte Taschen und Klamotten zum Verkaufen mitgebracht haben. Evrad Nguimout wohnt über dem "Baden-Kaffee" in der Hausnummer 9. "Bei uns im Haus kennen sich alle", erzählt er, doch das gelte nicht für die Nachbarhäuser – eine Frau von dort hat er jetzt beim Fest kennengelernt. Waffeln gibt’s nebenan bei Venus Abbas, die von kleinen Kindern umringt ist. Sie ist Tagesmutter und leitet das Babycafé und den offenen Treff im Familienzentrum Klara. Sie findet das Fest gut, bedauert aber, dass nicht mehr Gäste kommen: "Es sind grade wohl einfach zu viele andere Feste."

Außerdem habe die Werbung nicht richtig geklappt, erzählt Ismail Demirak, der alles organisiert hat: Es sei nur ein Teil der Flyer geliefert worden, die Studierende aus der Nachbarschaft für ihn extra in Berlin haben drucken lassen – wegen einer Verwechslung seien stattdessen Berliner Flyer angekommen. Im kommenden Jahr will er großflächiger aktiv werden. Und dann, hofft er, wird es auch nicht mehr ganz so viel Arbeit wie jetzt, als er zum ersten Mal mit den Behörden in Kontakt war, Bänke bestellt und noch vieles andere organisiert hat.

Ismail Demirak wohnt in Kappel und ist erst mit seinem Stehcafé in die Gastronomie eingestiegen, davor war er Handwerker im Sanitärbereich. Vor der Organisation des Fests kannte er die anderen Geschäftsinhaber in der Straße nur flüchtig, sagt er: "Jeder geht seinen Weg, das ist schade." Das will er ändern. Bei den anderen Geschäften seien seine Feierpläne gut angekommen, allerdings haben einige trotzdem geschlossen. Das "Dharam-Raj-Yogahaus" dagegen nutzt den Rahmen für ein Abschiedsfest: Direkt danach beginne der Umzug in die Sautierstraße, erzählt Judith Scherhorn, die mit zwei Kollegen Yoga- und Mantren-Singkurse anbietet.

Die Nachbarn vom Asia-Shop haben fürs Fest Tamilisch gekocht: Ravindran Kandalsamy und sein Kollege bieten Reis mit Linsen und Hähnchen und überbackenes Gemüse an. Beide sind Tamilen und haben in ihrem Lebensmittelladen, in dem es im Alltag nichts Gekochtes gibt, viele asiatische und afrikanische, aber auch deutsche Kunden.

Ein breites Angebot an Geschäften gibt’s in der Büggenreuterstraße schon lange, erzählen Renate Bittner und Christel Gartner, die hier seit 40 Jahren leben. Allerdings seien es inzwischen andere Geschäfte als früher. Der Zusammenhalt der Bewohner sei vor allem unter denen gut, die schon lange hier seien. Inzwischen gebe es auch viele Studierende, die öfter wechseln, das war früher anders, sagt Renate Bittner: "Vor 40 Jahren war hier eine Beamtenstraße." Es sei aber immer noch selbstverständlich, dass sich alle zumindest grüßen. Kürzlich haben alle eine gemeinsame Aktion hingekriegt: Es tauchte eine streunende Katze auf, die Christel Gartner mit der Unterstützung einer anderen Frau wochenlang fütterte. Als die Katze Junge bekam, beteiligten sich mehrere daran, alle ins Tierheim zu bringen. Christel Gartner und Renate Bittner sehen sich ohnehin täglich: Abends treffen sie sich immer zum Fernsehen bei Olga Ketterer, einer weiteren Nachbarin, die 91 Jahre alt ist und seit 1960 in der Büggenreuterstraße wohnt.