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03. Juli 2012

Forellen im Hof und Frösche in der Pfanne

Marcher Kulturtage erinnern an die historische Rolle des Wassers und an den einen oder anderen tierischen Zwischenfall.

  1. Oben nass, unten nass: Trotz des Regens hatten die Kids viel Spaß bei der Bächleregatta, an der Boote aus Holz starteten. Foto: Kati Wortelkamp

MARCH. "Wasser ist Leben" ist das Thema der zehnten Marcher Kulturtage, die am Sonntag begonnen haben. Passend dazu kam Wasser auch von oben. Der Heimatverein bereicherte die Eröffnung der Kulturtage mit einem Aktionstag und Bewirtung. Bereits um 11 Uhr startete die Veranstaltungsreihe mit einem Vortrag des Vorsitzenden des Fischereivereins March-Neuershausen, Jürgen Wolff.

Sein Thema "Kein Leben ohne Wasser" wurde vom Männergesangverein Neuershausen mit Liedern über das kühle Nass umrahmt. Fühlbar nass wurde es um 15 Uhr bei der Bächleregatta, die bei der Brücke am Backhäusle startete und bis zur Brücke am Rathaus ging. Mehrere Dutzend Kinder beteiligten sich. Immer paarweise wurden die von der Firma Trötschler hergestellten, nummerierten Boote zu Wasser gelassen und in ausgeklügelten Wettbewerbsverfahren die Gewinnerin ermittelt: Celine Waibel aus Buchheim hatte das schnellste Boot.

Während die Besucher gut beschirmt beim Backhäusle saßen und wahlweise frisch gezapftes helles oder dunkles Bier oder doch lieber Kaffee und selbst gebackenen Kuchen zu sich nahmen, gaben Zeitzeugen aus den vier Ortschaften lebhafte Berichte über die frühere Wasserversorgung in der March zum Besten. Bernhard Gutmann startete mit einem Überblick der Bewässerung.

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Unter den Landwirten und Tierhaltern in der March gab es in früheren Jahrzehnten einen beständigen Kampf ums Wasser. Sie gruben sich gegenseitig buchstäblich das Wasser ab. Nachts wurden Stellfallen umplatziert, so dass die eigenen Gräben vollliefen. "Die Marcher haben die halbe Nacht in der Hecke gehockt, um das Wasser auf das eigene Grundstück zu leiten", sagte Erich Blasi. Die Wiesen seien manchmal regelrecht geflutet worden, was den Vorteil hatte, dass die Wühlmäuse nachher verschwunden waren. Lothar Fleck erinnert sich, dass sein Vater, der ein paar Geißen hielt, abends vor dem Zubettgehen und morgens vor der Arbeit zu den Mattgräben ging, um das für das Wachstum des Grases unerlässliche Wasser auf seine eigene Matte umzuleiten. Blasi erinnerte sich an die vielen Frösche und daran, wie ein in Kriegszeiten in der March arbeitender Pole diese eingefangen und zubereitet hatte. Josef Oberrieder wusste zu berichten, dass bei falschen Flutungen der ganze Hof voller Forellen gewesen sei. Er denkt heute noch gern an den Treffpunkt für Liebespaare, die Weihermatt zurück, die wegen des direkt angrenzenden, schützenden Waldes beliebt war. Auch Bürgermeister Josef Hügele steuerte die eine oder andere Anekdote bei, zum Beispiel, dass sich einmal ein 40 bis 50 Zentimeter langer Hecht aus der Dreisam in einem der vielen Bewässerungsgräben verirrt hatte.

Auch der Vorsitzende des Heimatvereins, August Wangler, wusste Anekdoten zum Wasser zu berichten, und wie sich die Bauern zuweilen gegen Modernisierungen, wie die Selbsttränken für die Kühe, wehrten, um später zu sagen: "Hah, ist halt doch schön!"

Der Verein veranstaltet seit 24 Jahren Aktionstage, bei denen immer ein altes Handwerk vorgestellt wird. An diesem Sonntag war es die Sattlerei von Christoph Löffler aus St. Märgen. Er hat das Arbeiten mit Leder von seinem Vater Adelbert gelernt, der ebenfalls vor Ort war und einen Glockenriemen für die Schwarzwälder Kühe per Hand nähte.

Noch heute werden die von Löffler hergestellten Halfter, Kumett und Schlittengeschelle gern gekauft. Auch bringen die Leute ihre Ledersachen zum Reparieren. Diese Vorstellungen von altem Handwerk gibt es jeden ersten Sonntag im Monat, auch im Museum sind regelmäßig Vorführungen.

Die Marcher Kulturtage finden am heutigen Dienstag um 18 Uhr mit einer Besichtigung der Kläranlage Forchheim ihre Fortsetzung.

Autor: Kati Wortelkamp