Die Neugier auf das Neue

Benedikt Sommer

Von Benedikt Sommer

Di, 04. April 2017

Freiamt

Sigrid Leder-Zuther stellt im Kurhaus Freiamt 19 kleine Entdeckungsreisen durch die Welt aus.

FREIAMT. Fenster zur Welt öffnen sich derzeit im Kurhaus. Unter dem Titel "Unterwegs" wurde am Sonntag mit zahlreichen Gästen die Ausstellung der Reisefotografien von Sigrid Leder-Zuther eröffnet. Ein Besuch lohnt sich.

Nein, als Fotografin sieht sich Sigrid Leder-Zuther nach eigener Auskunft nicht unbedingt, eher als Reisende. Denn hinter ihren, immer eine Geschichte erzählenden, Bildern steht selbst eine Geschichte. Mit 60 erfüllte sie sich einen Traum, kündigte ihre Stelle und beschloss, nur noch das zu tun, was sie wirklich möchte, nämlich reisen, allein, mit der Familie oder einer Gruppe. Ihre Neugierde auf die Welt, auf das Neue, Nie-Gesehene, ist immer eine Neugierde auf die Menschen, die dort leben. "Landschaften allein interessieren mich nicht, mich interessieren die Leute. Durch meine Arbeit im sozialen Umfeld bin ich immer mit Menschen unterschiedlichster Nationalitäten umgegangen", erzählte sie bei der Vernissage, "ich bin perfekt im ’Hände-und-Füße-Reden’". Und so zieht sie los, findet ihre Bilder und die dazugehörigen Geschichten, und "sei es in der vierten Querstraße hinter der eigentlichen Sehenswürdigkeit".

Teures Equipment braucht sie nicht. Sie greift auf das wichtigste Instrument des Fotografen zurück, das richtige Sehen. Vom Blick für das gute Bild zeugen nahezu alle ausgestellten, auf Leinwand aufgezogenen, zum Teil großformatigen Fotografien. Bis auf ein Schwarz-Weiß-Bild in oft kräftigen Farben, laden sie den Besucher ein zu 19 kleinen Entdeckungsreisen durch die Welt, von Usbekistan nach Indien, von Lettland in den Iran, von Vietnam nach Griechenland ein. Dabei lohnt sich für den Besucher das genaue Betrachten. Denn oft trügt der erste Blick, erschließt sich hinter mancher Postkarten-Idylle eine weitere Bedeutungsebene. Die traditionell verschleierten Frauen aus dem Iran erweisen sich als moderne, sich mit ihren Handys auf einer touristischen Spazierfahrt befindliche Familie, der winzige Ferrari-Aufnäher auf der Hose eines versonnen in den Abendhimmel blickenden Berberitzen-Verkäufers auf einem Gebirgsmarkt auf dem Weg nach Samarqand erzählt von ganz anderen Träumen und die in traditioneller Tracht posierenden jungen Frauen in Riga entpuppen sich als jobbende Studentinnen. Am besten erzählt natürlich Leder-Zuther selbst diese Geschichten. Lebendig berichtete sie etwa von der kubanischen Frau, deren durchdringender Blick eigentlich für sich spricht, die ihr aber bei einem Schwätzchen an der Strandpromenade Malecon in Havanna vom Seifenmangel im Land erzählte, oder weist einen auf das Modeshooting im Hintergrund hin, vor dem unbeeindruckt ein kleiner Junge am Strand in Tallinn spielt. Ordentlich hat ein Mann seine Sandalen abgestellt, bevor er sich mitten im Verkehrschaos von Ho-Chi-Minh-City zu einem Mittagsschlaf auf seinem Motorroller ausgestreckt hat. Damit der Besucher sich auch allein auf Entdeckungstour begeben kann, liefert ein Flyer die notwendigen Informationen.

Besonders am Herzen liegt Leder-Zuther aber ihr Engagement für die Kinderhilfsorganisation Zarok, bei der sie seit gut zwei Jahren ehrenamtlich mitarbeitet und für das der Verkaufserlös der Bilder gedacht ist. Im März 2016 begleitete sie einen Transport von Hilfsgütern in Flüchtlingslager im Nordirak. Zwei Bilder jesidischer Mädchen erzählen von dieser Geschichte.

Ausstellung "Unterwegs" bis 28. April, täglich von 9 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.