"Ich wollt’, ich wär ein Huhn..." – oder?

Jürgen Schneider

Von Jürgen Schneider

Sa, 04. April 2015

Freiamt

Jochen Zimmermann befasst sich nicht nur zu Ostern mit Eiern, sondern auch für die Qualifizierung zum Landwirtschaftsmeister.

FREIAMT. Jetzt ist es fast 80 Jahre her, seit in dem Film "Glückskinder" erstmals der veritable Gassenhauer über das Huhn erklang, das täglich ein Ei legt "und sonntags auch mal zwei". Der angehende Landwirtschaftsmeister Jochen Zimmermann weiß es besser: Zwei Eier gibt es pro Huhn gerade mal in drei Tagen.

Dabei könnte man Eier in diesen Tagen ja gut verkaufen, steigt doch der Bedarf zu Ostern enorm. 2013 betrug der Jahresverbrauch an Eiern in Deutschland 17,5 Milliarden. Seit Jahrhunderten ist das Färben von (Oster-)Eiern eine weitverbreitete, christliche Tradition. Das Ei, ein im Schnitt 84 Kilokalorien "schweres", ovales Etwas, gilt als Symbol für Auferstehung, Hinweis auf die jungfräuliche Geburt und oft als gelegt vom Osterhasen – "eine Fabel, die man Simpeln und Kindern aufbindet" (Franck von Franckenau). So können seit jeher am Ostersonntag die Kinder versteckte, buntgefärbte Eier suchen: rote, blaue, grüne …

Jochen Zimmermann wird nur braune finden. Nicht, weil er sich braune Legehennen gekauft hat, denn die Federn stehen nicht unbedingt für die Farbe der Eier. Ein Blick auf die Ohren hilft da viel weiter: Hennen mit weißen Ohrscheiben legen in der Regel weiße, Hennen mit roten Ohrscheiben braune Eier. Und braune Eier assoziieren eben leichter Bio-Ware.

Der 23-Jährige hat Landwirt gelernt. Für die Theorie besuchte er die Edith-Stein-Schule in Freiburg und die praktischen Fähigkeiten erwarb er auf den Höfen der Domäne Hochburg und bei Ralf Schmidt in Teningen. Dann ging der linke Defensivspieler der SG Freiamt-Ottoschwanden in die berufliche Offensive. Die Prüfung zum Wirtschafter für Landbau hat er nach drei Wintersemestern in der vergangenen Woche erfolgreich abgeschlossen, nun steht die Meisterprüfung an. Da ist Praxisorientiertes gefragt; neben Lehrlingsunterweisung oder Fremdbetriebsbeurteilung hat er eine Meisterarbeit über den eigenen, den elterlichen Betrieb, und dessen Optimierung abzugeben und ein Arbeitsprojekt vorzustellen.

Angefixt von seinem Vater, der den Betrieb 1991 auf Bio umgestellt hatte und so der erste zertifizierte Bio-Bauer der Flächengemeinde war, kam er auf die Idee mit den Bio-Eiern. Zwei baugleiche Ställe hat er gezimmert, jeweils mit Sitzstangen, Legenestern, Futtertrog, Tränke und großzügigem Auslauf. 40 Legehennen von einem Bio-Geflügelzüchter hat er gekauft und in zwei Gruppen geteilt. Jede bekommt nun ein Gemisch von Weizen, Mais, Gerste und Sonnenblumenkernen aus biologischem Anbau, die eine fein geschrotet, die andere in Pellets gepresst. Bis Oktober wird gezählt, abgewogen, gemessen, notiert. Dann wird er seine Kosten-Nutzen-Rechnung der Prüfungskommission vorlegen – und seinem Vater. Denn bei ihm will er einsteigen, aber "Zimmermanns Biohof" wird auf Grund der begrenzten Anbaufläche einen zweiten Landwirt nur tragen können, wenn weitere Standbeine hinzukommen.

Für das laufende Jahr hat der Senior schon mal ein neues Betriebszertifikat beantragt und danach soll es nach Rind- und Schweinefleisch, Getreide, Holzofenbrot und Mutter Utas Wildkräuter n auch Bio-Eier geben. Der Gewinn pro Ei ist gering, die viele Arbeit lohnt sich nur bei größeren Chargen. So wären dann mehr Gelände, mobile Hühnerställe und ein anderes Vermarktungskonzept erforderlich. Im Moment verkauft der Meisterlehrling noch "über die Straße", über "´s Eierschränkli" in Mußbach.

Was immer aus dem Versuch wird, neun Monate Erfahrung kann der Junior dann einbringen. Zunächst heißt es für den Jungbauern aber täglich, auch vor dem Fußballtraining, der Disco oder an Feiertagen: Eier einsammeln, misten, einstreuen, füttern, tränken, protokollieren. Manchmal denkt er da schon: "Ich wollt, ich wär …"