Wiedersehen!

So hat sich Freiburgs Kaiser-Joseph-Straße verändert

Peter Kalchthaler

Von Peter Kalchthaler

Mo, 13. März 2017 um 10:00 Uhr

Freiburg Mitte

Das Nordende der Kaiser-Joseph-Straße wird bald Baustelle. In der Geschichte von Freiburgs Hauptachse gab’s immer wieder Veränderungen – nicht nur, was den Namen angeht.

Viele Jahrhunderte trug die Hauptachse der Stadt Freiburg, die Kaiser-Joseph-Straße, keinen Namen. Sie wurde einfach als "Große Gass’", "Hauptgasse" oder "Lange Gasse" bezeichnet, so wie heute noch in Frankreich Hauptstraßen von Gemeinden einfach "Grand Rue" oder in England "High Street" genannt werden.

Eine Straße, viele Namen

Die Benennung von Straßen nach Personen ist überhaupt erst spät üblich geworden. In Freiburg benannte man beim Besuch der französischen Dauphine (Kronprinzessin) Marie Antoinette im Mai 1770 die Salzstraße kurzzeitig in "Dauphinegasse" um, erst sieben Jahre später erhielt die "Kaiserstraße" ihren Namen. Er bezog sich auf Joseph II., der damals auf der Rückkehr aus Paris – wo er seine inzwischen zur Königin Frankreichs avancierte Schwester besucht hatte – eigentlich inkognito in Freiburg weilte. Natürlich war es den Stadtoberen nicht verborgen geblieben, wer hinter dem in der damals beim Martinstor gelegenen alten Storchenwirtschaft residierenden "Grafen zu Fürstenberg" steckte, und so wollte man den Monarchen wenigstens mit der Umbenennung der Hauptstraße ehren. Das Gasthaus wurde später in "Römischer Kaiser" umbenannt und der bisherige Name auf den heutigen "Storchen" beim Schwabentor übertragen.

Nach der Zeit des Nationalsozialismus, in der die Kaiserstraße zwischen 1936 und 1945 den Namen Adolf Hitlers trug, erhielt sie ihre angestammte Benennung zurück, jedoch präzisiert zu "Kaiser-Joseph-Straße", um zu verdeutlichen, dass sie ihren Namen nicht den preußischen Kaisern nach 1871 zu verdanken hat, sondern an die Habsburger erinnert, die mehr als 400 Jahre über Freiburg geherrscht hatten.

Im gleichen Sinn wurde der nördliche Teil der zeitweiligen "Adolf-Hitler-Straße", die als vorheriger Abschnitt der Zähringer Straße vom Komturplatz ihren Ausgang Richtung Innenstadt genommen hatte, in "Habsburgerstraße" umbenannt. Beibehalten wurde allerdings die Hausnummerierung von 1936, so dass die Zählung der Kaiser-Joseph-Straße noch heute mit der Nummer 143 bei den ungeraden und 168 bei den geraden Nummern beginnt. Nur die nach dem Krieg rückbenannte Günterstalstraße, die bis zum Forstamt an der Wonnhalde ebenfalls der Adolf-Hitler-Straße zugeschlagen worden war, erhielt wieder neue Hausnummern und beginnt an der Dreisam mit der Hausnummer 1.

Hinter barocken Fassaden stecken oft mittelalterliche Häuser

Die historische Aufnahme der nördlichen Kaiserstraße ist um 1875 entstanden, vor dem großen Bauboom, der das Gesicht der Straße bis zur Jahrhundertwende vollkommen verändern sollte. Noch prägen meist drei-, seltener viergeschossige Gebäude der Barockzeit und des Klassizismus das Bild, wobei hinter barocken Fassaden oft noch mittelalterliche Häuser stecken. Rechts an der Ecke zur heutigen Münsterstraße steht das 1828 gebaute Haus der "Museumsgesellschaft", über das wir an dieser Stelle vor einigen Wochen berichtet haben. Auch der in der Bildmitte zu sehende Fischbrunnen, der Anfang des 19. Jahrhunderts vom heutigen Bertoldsbrunnen-Standort hierher versetzt worden war und seit 1970 auf dem Münsterplatz steht, war vor kurzem Thema eines Beitrags in der Serie "Wiedersehen!".

Da gerade – im Zusammenhang mit der Umgestaltung des Platzes am Siegesdenkmal – in der Kaiser-Joseph-Straße wieder eine große Baustelle eingerichtet wird (die BZ berichtete) ist das große Gerüst bemerkenswert, das auf dem historischen Bild rechts hinter dem Brunnen zu erkennen ist. Es weist auf die damals laufenden Arbeiten an der modernen Kanalisation hin, die nach dem Verbot der Neuanlage von Sickergruben 1874 in Angriff genommen worden war.

Der Weg zur Großstadt war geebnet

Bereits 1842 hatte die Stadt den Ausbau der Mösle-Wasserleitung veranlasst, und die Zahl der Hausanschlüsse nahm stetig zu. Kostenträger bei der Wasserver- und Entsorgung war die Bürgerliche Beurbarungsgesellschaft. Sie war 1791 von den Handwerkszünften gegründet worden, um das seit der Schleifung der Festungsanlagen brachliegende Umland der Stadt wieder "urbar" zu machen, also einer Nutzung zuzuführen.

Die genossenschaftlich organisierte "Beurbarung" übernahm in der Folge viele kommunale Aufgaben und wurde unter anderem zur Mutter der Städtischen Gas- und Wasserwerke, also dem Vorläufer des heutigen Energieversorgers und -dienstleisters Badenova. Mit der Schaffung des Rieselfeldes, auf dem die in den neuen Kanälen gesammelten Abwässer gereinigt wurden, besaß Freiburg ab 1892 eine der modernsten Anlagen der Zeit. Der Weg zur Großstadt war geebnet, die Einrichtung einer Versorgung mit Elektrizität und der Bau der Straßenbahn am Ende des Jahrhunderts bauten die Infrastruktur Freiburgs weiter aus.

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