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27. Juli 2017

Menschen von Nebenan

Für Jörg Alexander Kuenzer ist Kunst ein Lebenselixier

Die Muse hat Jörg Alexander Kuenzer gleich drei Mal geküsst: Der 60-Jährige ist seit Jahrzehnten in der Musik, der Literatur und der Malerei aktiv und kreativ. Den ersten Platz in der Prioritätenliste nehme dabei eindeutig die Musik ein, so Kuenzer, der Trompeten und Naturhörner spielt.

  1. Trompeten und Hörnern gilt Jörg Alexander Kuenzers besondere Sammelleidenschaft. Foto: Michael Bamberger

INNENSTADT. Neben der Tätigkeit als Künstlervermittler mit eigener Agentur in der Kaiser-Joseph-Straße und als Leiter des Rubens-Verlags steht damit das eigene künstlerische Schaffen mit Auftritten, Kompositionen, Dichtungen oder Zeichenarbeiten.

Die Liebe zur Musik hat Jörg Alexander Kuenzer früh entdeckt, und zwar zunächst ganz klassisch in Gestalt einer Blockflöte. Nach dem Einstieg im Alter von fünf Jahren folgte bald das, so Kuenzer, "Ausgleichsinstrument Akkordeon". Und als er elf war, "da hat mich die Trompete gepackt". Schon ein Jahr darauf kam der junge Musiker als Hochbegabter in die Vorklasse an der Freiburger Musikhochschule. Und wieder ein Jahr später war erst einmal Schluss mit der ausschließlichen Konzentration auf die Musik. Mit Blick auf einen von den Eltern gewünschten "Brotberuf" stand in den Folgejahren die Schule stärker im Mittelpunkt und Jörg Alexander Kuenzer machte sein Abitur am Internat Kolleg St. Sebastian in Stegen. Komplett wurde die "solide" Existenz durch das Diplom in Volkswirtschaftslehre nach Abschluss seines Studiums. In den Bereichen Marketing und Vertrieb hat Kuenzer in mehreren Unternehmen gearbeitet.

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Aber da war eben immer auch die Musik. Und die studierte Jörg Alexander Kuenzer – kombiniert mit Musiktherapie – ebenfalls für mehrere Semester in Köln beziehungsweise am Grenzlandinstitut Aachen. Dazu kamen das Dichten, das Malen und Zeichnen, Konzerte, Lesungen und Ausstellungen. Seit 1991 betreibt Kuenzer die Agentur "Jak", mit der er Künstler betreut, Veranstaltungen konzipiert und umsetzt.

Kunst, wo immer man hinblickt: Sie findet sich auch in Jörg Alexander Kuenzers Büro, das sich – ebenso wie seine Wohnung – in dem Haus an der Kaiser-Joseph-Straße befindet, das er und sein Zwillingsbruder vor zehn Jahren mit einem Nießbrauch (das ist der juristische Fachbegriff für eine bestimmte Art von Nutzungsrecht) geerbt haben. Skizzen, Zeichnungen, Bücher und nicht zuletzt verschiedene Musikinstrumente gehören zum "kreativen Chaos".

Insgesamt sind es 32 Instrumente. Im Laufe der Zeit hat sich Kuenzer musikalisch auf Trompeten und Naturhörner (ohne Klappen und Ventile zur Tonhöhenveränderung) spezialisiert, von letzteren besitzt er 21 Exemplare unterschiedlichster Art. Sie spielt er nicht nur, sondern beschäftigt sich auch aus unterschiedlichen Perspektiven mit ihnen. Jedes Instrument hat seine Geschichte, manche davon reicht weit zurück. Das gilt etwa für die historische Fanfare und ein altes Horn der "Gotthardpost", beide von 1831. Die Technik, mit denen er diese Instrumente bespiele, sei "prinzipiell keine andere als die, mit der man auf modernen Hörnern spielt", so Kuenzer: "Aber die Instrumente, die heutzutage hergestellt werden, sind natürlich viel präziser". In der Regel benutzt Kuenzer Trompetenmundstücke, die er auf die Hörner steckt.

Der persönliche Favorit des Musikers, der Vater zweier erwachsener Kinder ist, ist ein vietnamesisches Wasserbüffelhorn. Wenn er in dieses blase, "dann bilde ich mir ein, dass ich der Wasserbüffel bin", sagt er mit einem Lächeln, aber mit ernster Stimme. Denn was erst einmal lustig klingt, hat einen konkreten, gar nicht lustigen Hintergrund: Indem man sich in das Tier einfühle, könne man angesichts der Grausamkeiten der vietnamesischen Geschichte durchaus auch auf die Idee kommen, sich immer wieder neu von jeglicher Gewalt zu distanzieren.

Generell folge sein Zugang zur Musik und zur Kunst dem Motto: "Nicht nur spielen, sondern auch verspielt sein – oder eben spielen im doppelten Sinn des Wortes." Das kann auch schon mal bedeuten, dass Jörg Alexander Kuenzer das berühmte "My Way" von Frank Sinatra auf einem Hammelhorn intoniert. Immer reize ihn auch die Mischung aus vorgegebenem Stück und Improvisation. Er spiele viele unterschiedliche Stile, "aber die klassische Musik ist zweifellos meine Basis". Das gilt für den Musiker wie auch den Menschen Kuenzer: "Wenn ich mal wieder zu mir kommen will, spiele ich Bach."

Autor: Bettina Gröber