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12. Dezember 2011
Einst eine ziemlich schräge Straße
WIEDERSEHEN! Von der Fedderstraße im Stühlinger steht nicht nur kein einziges Haus mehr, sie hat jetzt auch einen anderen Verlauf.
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Die Fedderstraße im Stühlinger, hier auf einem Foto aus dem Jahr 1930, wurde beim Bombenangriff 1944 total zerstört und verläuft heute ganz anders. Foto: Stadtarchiv
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Die Einmündung der Fedderstraße in die Breisacher Straße war einst in etwa da, wo sich jetzt das kleine Gittertor befindet. Foto: Thomas Kunz
STÜHLINGER. Die nach den wohltätigen Stiftern Eduard und Anna Fedorowna Fedder benannte Fedderstraße führte vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg schräg von der nördlichen Eschholzstraße zur Hugstetter Straße. Mit der Neubebauung nach dem Krieg erhielt sie den jetzigen Straßenverlauf parallel zur Eschholzstraße.
Die Anlage der kleinen Straße war 1894 von der Schraubenspundfabrik Wilhelm Kromer angeregt worden, welche im Gewann Klaramatten Grundbesitz hatte. Im Volksmund wurde der Betrieb "Spundi" genannt. Als der Bau dann kurz vor der Jahrhundertwende abgeschlossen war, wurden die Geschwister Eduard und Anna Fedorowna Fedder Namensgeber. Die 1896 in Baden-Baden verstorbene Anna Fedorowna Fedder hatte in ihrem umfangreichen Testament nicht nur viele Verwandte und wohltätige Einrichtungen in Russland bedacht, sondern auch – an 41. Stelle – die Stadt Freiburg mit 200 000 Mark "als unantastbares Kapital". Zum Vergleich: Ein herrschaftliches Haus an der Karlstraße kostete damals 1800 Mark Jahresmiete.Bedingung für die Zuwendung: Die Stadt müsse ihr Grab, das ihres Bruders und das seiner Ehefrau "für ewige Zeiten in Ordnung" halten. Von den auf dem historischen Foto von 1930 abgebildeten Häusern steht keines mehr, da praktisch das ganze Viertel beim Bombenangriff am 27. November 1944 untergegangen ist. Das rechte Gebäude gehörte zur Breisacher Straße, das mittlere zeigt die Fedderstraße 20 mit dem Friseurgeschäft Wörner im Erdgeschoss. Die total zerstörte Straße wurde 1954 begradigt, ebenso die Colmarer Straße im westlichen Teil. Die geplanten Baublöcke der französischen Besatzung verlangten nach einem Rechtecksystem.
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Zudem bemängelte das Planungsamt der Stadt im Jahr 1954: "Die Richtung und Anlage der alten Fedderstraße ist sehr widersinnig; sie stammt aus einer Zeit städtebaulichen Tiefstands, deren schlechte Lösungen wir heute so weit wie möglich verbessern müssen." Ein Wiederaufbau der wirtschaftlich total geschädigten Grundstückseigentümer kam nach Einschätzung der Stadt sowieso nicht in Frage. Heute befindet sich nur noch die Einmündung der Colmarer Straße in die Fedderstraße auf historischem Terrain. Hier kreuzen sich alte und neue Trassenführung. Der nördliche Teil der früheren Fedderstraße, eine 1903 fertiggestellte Erweiterung, wurde nach dem Krieg dem Gärtnerweg zugeschlagen und führt noch heute beim Islamischen Zentrum im alten schrägen Verlauf von der Breisacher zur Hugstetter Straße.
Für Max Maier, den jüdischen Inhaber einer Futtermittelhandlung, ist vor der Fedderstraße 6 ein sogenannter Stolperstein verlegt. Mit diesen gravierten Messingquadraten im Boden wird an Opfer des Naziregimes erinnert. Der Stolperstein bezieht sich jedoch auf die Lehener Straße 40 a, die sich seinerzeit an jener Stelle befand. Max Maier, der nach zwangsweiser Aufgabe seines Betriebes einen Seitenbau der Firma Kromer bewohnte und im Adressbuch als "Werkmeister" geführt wird, ist 1943 im Alter von 62 Jahren im Konzentrationslager Majdanek ermordet worden. Heute erinnert auf den ersten Blick nichts mehr an die Vorkriegssituation, die in der Fedderstraße durch die beiden Kromerschen Betriebe vor allem gewerblich geprägt war. Ein Relikt hiervon hat die neue Fedderstraße allerdings durchaus zu bieten: Alte Kellermauern der 1979 nach Umkirch verlegten Schlossfabrik. Auf ihnen stehen die vor 30 Jahren errichteten Neubauten.
Autor: Carola Schark


