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24. Mai 2017

Gartenleben Freiburg

In der Kleingartenanlage an der Sundgauallee gibt's jetzt einen Lesegarten für alle

Wer vorbeikommt, ist eingeladen: Der Garten mit der Nummer 499 in der Kleingartenanlage an der Sundgauallee soll für alle da sein. Am Wochenende hat ihn die Gruppe „Gartenleben Freiburg“ eingeweiht. Ihre Mitglieder haben den Garten vom bisherigen Pächter übernommen, dessen Pacht Ende des Jahres endet. Sie haben einen „Lesegarten“ eingerichtet, mit einem öffentlichen Bücherregal im frisch renovierten Gartenhäuschen.

  1. Bei der Einweihung des „Lesegartens“ gab’s auch eine Tauschbörse für Setzlinge. Das Foto zeigt von links Jörg und Corinna Dallmann beim Setzlinge-Tauschen mit Monika Rubsamen. Foto: Thomas Kunz

Drinnen im grün, rotbraun und blau gestrichenen Gartenhaus ist es vergleichsweise düster – trotz der Beleuchtung dank des Stroms, den Dominik Schellenberg liefert von der Solaranlage in seinem Kleingarten nebenan. Doch wer will, kann sich ein Buch aussuchen und draußen lesen: Da stehen Liegestühle und Gartenstühle. In den Bücherregalen gibt’s schon Auswahl, nach Themen geordnet reihen sich Kinderbücher, Kochbücher und Sachbücher neben Romanen von Unterhaltungsautoren wie Uta Danella bis zu Klassikern, etwa von Charles Dickens, aneinander. Alle Bücher haben "Gartenleben"-Engagierte mitgebracht, von daheim oder von Bekannten. Und sie haben das zerfallene Häuschen mit gespendeten Holzbrettern instand gesetzt, einen neuen Boden mit Überbleibseln vom Bau des neuen Rathauses nebenan eingebaut, alles gestrichen und Regale eingebaut, erzählen Thomas Wacker und Dominik Schellenberg. Nun soll das Häuschen noch eine Tür aus Plexiglas bekommen, damit der Innenraum vor Regen geschützt ist.

Ebenso engagiert waren die rund zwölf Aktiven vom "harten Kern" der Gartenleben-Gruppe auch im Rest des Gartens zugange: Unter anderem Jörg Dallmann, der sich besonders stark am Hüttenumbau beteiligt hat, seine Frau Corinna Dallmann und Monika Rubsamen waren überall dabei, wo angepackt werden musste, vom Unkrautjäten bis zur Neubepflanzung. Davor sei alles verwildert gewesen, erzählen sie, darum waren sie auf die Idee gekommen, die Parzelle zu übernehmen. Mit der Vision, hier etwas zu entwickeln, was in der Gartenordnung nicht vorgesehen ist: ein kleines Paradies für alle, längst nicht nur für andere Kleingärtner, sondern für Bürger des ganzen Stadtteils und zufällige Passanten. Das städtische Garten- und Tiefbauamt stimmte zu.

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So kam es, dass nun neben dem Bücherhaus eine kleine "Singvogelwiese" mit Sonnenblumen und Kornblumen entsteht, es gibt Wildbienen- und Vogelhäuser und ein "Igel-Dorf" mit viel Gestrüpp. Monika Rubsamen hat eine Ringelblumenwiese angelegt, auch Kräuter sollen folgen. Wenn weitere Kleingärten frei werden, würde die Gartenleben-Gruppe auch diese gern übernehmen und ihr Konzept weiter ausbauen: Es könnten Schulgärten für die benachbarten Schulen entstehen, Kita-Gärten, in denen kleine Kinder auf eigenen Beeten werkeln und lernen, wo das Gemüse herkommt, sagt Monika Rubsamen. Oder ein englischer Garten, in dem die Städtepartnerschaft zum englischen Guildford neu aufleben könnte. Diesen Träume stehen Überlegungen der Stadtverwaltung gegenüber, nach denen möglicherweise alle Kleingärten hier mit Wohnungen bebaut werden sollen. Einige Gärtner haben ihre Parzellen bereits wegen des Rathaus-Neubaus verloren, bei manchen sind nun sogar die Ausgleichsgärten wieder bedroht, so wie bei Thomas Wacker, der extra wegen seines Gartens nebenan gebaut hat.

Der öffentliche Garten soll ein Zeichen gegen die drohende Bebauung setzen und zeigen, wie wichtig Erholungsraum für alle ist. Geöffnet ist er von früh morgens, wenn Gartenleben-Mitglieder das Gartenschloss öffnen, bis abends. Zur Einweihung sind einige Gäste von außerhalb da: Zum Beispiel Yannick Benz und Christine Chapapria, sie finden den Garten toll. Yannick Benz hat Bücher mitgebracht und nimmt auch welche mit, außerdem Erdbeer- und Zitronenmelisse-Setzlinge, die bei den Kleingärtnern "übrig" blieben und die sie jetzt bei einer Pflanzenbörse verschenken. Christine Chapapria kommt täglich auf dem Weg zur Arbeit vorbei: "Ich werde hier sicher öfter eine Pause machen."

Autor: Anja Bochtler