Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

06. April 2016 15:31 Uhr

Freiburg

Stühlinger Kleingärten sollen weichen

Das Bürgergespräch mit Oberbürgermeister Dieter Salomon im Stadtteil Stühlinger bot brisante Themen. So gab es Kritik, dass etliche Kleingärten Neubauprojekten zum Opfer fallen sollen.

  1. Einiges wurde in den vergangenen Monaten getan, um die Sicherheit auf dem Stühlinger Kirchplatz zu verbessern. Mit Erfolg, so die Einschätzung beim Bürgergespräch. Foto: Ingo Schneider

Kleingärten

Schlechte Nachrichten für alle Kleingärtner in den Gewannen Kleineschholz und Lehener Wanner: Die Gärten im Lehener Wanner hinter dem Technischen Rathaus sollen, genau wie die Parkplätze, dem Weiterbau des neuen Verwaltungszentrums geopfert werden, die Kleineschholz-Gärten neuen Wohnungen weichen. Wohnungsmäßig nachverdichtet wird auch auf dem Wohnmobilstellplatz Metzgergrün, erläutert Babette Köhler vom Stadtplanungsamt, dort will die Freiburger Stadtbau bauen. Die anderen Baupläne würden erst noch entwickelt. Klar sei, dass es Wohnungen für Familien werden sollen und dass es nicht um Gewinnmaximierung gehe.

Möglicherweise kämen Genossenschaften als Bauträger in Frage. Aus dem Publikum kommt Protest: Etliche beschreiben, wie wichtig ihnen ihre Kleingärten sind – und dass ein Ersatz weiter weg ihnen nichts bringe. Es sei aber klar, dass die Ersatzgärten nicht im Stadtteil sein werden, sagt Babette Köhler. Es solle dennoch viel Wert auf Grünflächen gelegt werden, möglicherweise mit neuen gemeinschaftlichen Nutzformen. Der OB sichert eine öffentliche Diskussion zu diesem Thema mit den Kleingärtnern zu.

Werbung


Verwaltungsneubau

In diesem Jahr soll der erste Teil des neuen Verwaltungszentrums am Technischen Rathaus fertig werden – und der OB plädiert dafür, dann möglichst nahtlos in den zweiten Bauabschnitt zu starten. Das sei nötig, weil die Stadtverwaltung in den vergangenen vier Jahren um einige Hundert Beschäftigte angewachsen sei. Im Zusammenhang mit dem Neubau wird ein Verkehrsentwicklungskonzept erarbeitet, unter anderem mit zusätzlichen Querungsstellen für die Straßenbahnhaltestellen. Es soll im Mai oder Juni öffentlich diskutiert werden.

Stühlinger Kirchplatz

Im vergangenen Sommer bekam Dieter Salomon einen kritischen Brief vom "Runden Tisch Stühlinger Kirchplatz", in dem Missstände aufgelistet wurden. Inzwischen habe sich viel getan, sagt der OB: Mehr und hellere Beleuchtung sorge für mehr Sicherheit – sowohl unter der Straßenbahnbrücke als auch rund um die Hebelschule, wo Bewegungsmelder angebracht worden seien. Das solle auf die Hansjakob-Realschule ausgedehnt werden.

Der Reinigungsservice wurde von drei auf fünf Mal in der Woche erweitert, zudem sei nun täglich vor Schulbeginn ein zweiköpfiges Team im Einsatz, das Spritzen von Suchtkranken entferne. Auch die verstärkte Polizeipräsenz und der Einsatz eines Sicherheitsdiensts an der Hebelschule wirkten sich aus. Offen sei noch, wie es mit den öffentlichen Toiletten unter der Brücke weitergehe: Ganztägige Betreuung würde bis zu 100.000 Euro im Jahr kosten.

Ulrich Nowak vom Polizeiposten Stühlinger schildert die Lage aus seiner Sicht: Bisher 151 Spätstreifen, 19 "Bereichsbetretungsverbote" und 24 Haftbefehle gegen Dealer hätten zu Entspannung geführt, Drogenhandel finde tagsüber kaum noch statt. Gegen die Verlagerung in Nebenstraßen sei eine Hundestaffel im Einsatz. Eine Bewohnerin der Guntramstraße beschreibt, wie die von ihr gepflegte Bauminsel ständig als Drogenversteck genutzt werde und bemängelt, dass die Polizisten ausgegrabene Steine einfach liegenlassen würden.

Ein Mann kritisiert, dass vor allem schwarzafrikanische Dealer kriminalisiert würden: "Man sollte ihnen Integrationsprogramme und Perspektiven anbieten, statt sie zu bekämpfen." Ein Bürger findet, dass der Stühlinger Kirchplatz "vergammelt", gemähtes Gras würde einfach liegenbleiben. Er fordert, der Platz solle "so schön wie der Stadtgarten" gestaltet werden. Für öffentliche Anlagen gälten unterschiedliche "Pflegestufen", antwortet Cornelia Lutz vom Garten- und Tiefbauamt. Stadtgarten, Colombipark und Seepark würden am intensivsten betreut. Zumindest gemähtes Gras dürfe aber nicht liegenbleiben, fordert der OB.

Stadtteilleitlinien

Nach dem Zeitplan müssten in diesem Jahr eigentlich drei Projekte aus dem Prozess der Stadtteilleitlinien umgesetzt werden, vier wären 2015 fertig geworden – in Wirklichkeit kam gerade mal ein Gartenprojekt ins Laufen und wird nun bald ein Opfer der Nachverdichtung. Auch beim Bolzplatz für die Jugendlichen vom Jugendzentrum "Letz Fetz" ging’s noch nicht voran: Die Stadtverwaltung strebte bisher Kunstrasen an, der sich aber mit den begrenzten Mitteln nicht finanzieren lässt. Als Jugendtreffleiter Norman Glaesner vorrechnet, dass Kunstrasen 350.000 Euro kostet und ein von den Jugendlichen gewünschter Naturrasen 12.000 Euro, sagt Dieter Salomon: "Wenn das stimmt, machen wir das so, wie Sie vorschlagen."

Flüchtlinge

Im Stadtteil gibt es keine Flüchtlingsunterkunft, doch in den nahen Baracken und Containern an der Bissierstraße leben derzeit 472 geflüchtete Menschen. Nach wie vor gibt’s viele Aufgaben für Engagierte, Neue sind willkommen, betont Antje Reinhard, städtische Koordinatorin für Ehrenamtliche – zum Beispiel mittwochs von 16 bis 18 Uhr im Begegnungscafé in der Unterkunft.

Mehr zum Thema:

Autor: Anja Bochtler