Geschichte

Die Grabdenkmäler des Alten Friedhofs sind jetzt digital erfasst

Hans Sigmund

Von Hans Sigmund

Di, 28. August 2018

Freiburg

Sag mir, wo die Gräber sind:Die Grabdenkmäler des Alten Friedhofs sind nun digital erfasst, und die Informationen sind über das Internet abrufbar.

FREIBURG-HERDERN/-NEUBURG. Die Grabdenkmäler auf dem Alten Friedhofs in Herdern-Neuburg wurden im 20. Jahrhundert gleich zwei Mal inventarisiert. Jetzt veröffentlicht die "Gesellschaft der Freunde und Förderer des Alten Friedhofs" auf ihrer Homepage für private und wissenschaftliche Forschungen die Inventarblätter aus den 80er Jahren.

Bereits im Jahr 1903 erstellte der Rechtspraktikant Berthold Stoehr eine erste Dokumentation der damals noch mehr als 3500 vorhandenen Stein- und Eisengrabmale sowie der Holzkreuze auf dem 1872 aufgelassenen (also seither nicht mehr für neue Bestattungen genutzten) Friedhof an der Karlstraße. Verzeichnet wurden Namen, Geburts- und Sterbedaten sowie die zuweilen viele Verse umfassende Grabpoesie.

Für den Standort-Nachweis entwickelte Stoehr eine eigene Systematik, die mit den ältesten Gräbern an der Friedhofsmauer beginnt und den Grabfeldern der Friedhofserweiterung ab 1859 endet. Diese genaue Lokalisierung ist deshalb besonders wertvoll, weil nicht alle Grabdenkmäler nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs am alten Standort wieder aufgestellt wurden. In den 1980er Jahren riefen die zunehmenden Verwitterungsschäden auf dem Alten Friedhof das Hochbauamt der Stadt Freiburg auf den Plan. Heinrich Reichle erfuhr von der Examensarbeit eines Volkskunde-Studenten und beauftragte 1982 Thomas Schwarz mit der Inventarisation des erhaltenen Bestands von knapp 1200 Denkmälern. Unterstützt von seiner Kommilitonin Ines Heim erfassten die beiden sämtliche Inschriften in (erstmals) zeilengenauer Verteilung. Stoehrs Aufzeichnungen erwiesen sich bei verloren gegangenen Ziffern und Buchstaben als wertvolle Hilfe. Auch seine Standort-Systematik wurde so weit wie möglich übernommen.

In den folgenden Jahren wurden die damals vergebenen Grabmal-Nummern auf den Denkmälern deutlich sichtbar angebracht, was ihre Auffindbarkeit erleichtert. Der Fotograf Rüdiger Buhl fertigte von allen Denkmälern großformatige Schwarzweiß-Fotos an. Das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Außenstelle Freiburg, unterstützte das Projekt finanziell.

Doch der Verfall schritt und schreitet weiter voran, und so wurde eine neue Inventarisation notwendig. Seit dem Jahr 2017 lässt die Stadt Freiburg im Rahmen des so genannten "Masterplans für den Alten Friedhof" eine Aufnahme aller noch vorhandenen Grabmale inklusive Schadenskartierung durch die Firma Strebewerk (Stuttgart) erarbeiten. Die Dokumentationen aus den 80er Jahren sind ebenso wie die Stoehrschen Aufzeichnungen im Stadtarchiv Freiburg einsehbar. Die Veröffentlichung des neuen Masterplans samt aktuellem Inventar steht noch aus.

Über die Webseite der Gesellschaft (alter-friedhof-freiburg.de) können nun aber die von Schwarz und Heim zusammengestellten Informationen kostenlos abgerufen werden. Unter der Rubrik "Inventar" lassen sich dort PDFs mit der Geschichte der Inventarisation, mit Namens- und Nummernlisten sowie PDFs der Inventarblätter selbst downloaden. Wer also nach einem bestimmten Familienmitglied sucht, kann über die Namensliste die Nummern aller Grabmale mit dem entsprechenden Nachnamen finden und sich dann die dazugehörigen Inventarblätter ansehen.

Aber auch Spaziergänger, die sich für eine verwitterte Grabinschrift interessieren, können nun erstmals mit Hilfe der auf allen Gräbern angebrachten Nummern die Inschrift im Internet nachlesen. Als Gegenleistung bittet die "Gesellschaft der Freunde und Förderer des Alten Friedhofs" darum, alle hieraus entstehenden Forschungsarbeiten als Datei zur Verfügung gestellt zu bekommen. "Wir interessieren uns ganz besonders für Familiengeschichten, weil diese oft mit privaten Bildern und Informationen angereichert sind", erklärt die Vorsitzende der Fördergesellschaft Corinna Zimber und verweist auf die Texte zu den Familien Buisson und von Langsdorff, die bereits online stehen. Der Verein möchte mit seiner Homepage eine Plattform für die vielfältige Geschichte des Alten Friedhofs sein.

Aber die Betreuung der Homepage ist natürlich nur ein kleiner Teil der Aktivitäten der Fördergesellschaft.

Zur Erinnerung: Im Jahre 2000 gründeten auf Initiative des Unternehmers Paul Ege (Firma Alexander Bürkle) engagierte Freiburger Bürger den gemeinnützigen Verein zur Rettung des Alten Friedhofs. Ingrid Kühbacher, die ein umfassendes Werk über das Kultur- und Naturdenkmal geschrieben hat, wurde zur ersten Vorsitzenden gewählt. Inzwischen hat der Verein mehr als 400 Mitglieder. Seine selbstgesetzten Ziele sind die Restaurierung und Instandhaltung der Grabmale und der Michaelskapelle sowie die Pflege der Parkanlage. Der Verein hat, unterstützt von der Landesdenkmalpflege, mehr als 400 000 Euro in den Erhalt der Grabsteine, der Friedhofsmauer und der Kapelle eingebracht. Der Vorstand freut sich über neue Mitglieder und Förderer. Spenden und Mitgliedsbeiträge (Mindestsumme: 15 Euro pro Jahr) sind steuerlich absetzbar.

Die Inventarlisten gibt’s auf alter-friedhof-freiburg.de/inventar