Vereint im Verein

Schachclub Freiburg-Zähringen 1887: Rauchende Köpfe an kalten Abenden

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mi, 08. Februar 2012

Freiburg Nord

VEREINT IM VEREIN: Der Schachclub Freiburg-Zähringen 1887 wird 125 Jahre alt und feiert sein Jubiläum mit einem Winterturnier.

ZÄHRINGEN. Eine lange Reihe Tische, an denen sich Männer gegenübersitzen: schweigend, die Köpfe gesenkt. Sie starren auf die kleinen weißen und schwarzen Figuren vor ihnen, rühren sich manchmal minutenlang nicht. In Bewegung ist freitagabends beim derzeitigen Winterturnier des Schachklubs Freiburg Zähringen 1887 nur eine der wenigen Frauen im Verein: Tamara Laake, die 21-jährige Vorsitzende, spielt nicht selbst mit, beobachtet aber die Spiele ihrer Kollegen un

d schaut ihnen beim Herumgehen über die Schulter.

Vielleicht wird Anatol Rückert (10) in ein paar Jahren auch mal bei einem Winterturnier sitzen, das sich über mehr als drei Monate hinzieht – jeden zweiten Freitagabend wird gespielt. Zurzeit ist für Anatol der Schachabend aber noch um 20 Uhr zuende. Bis dahin sitzt er beim Kinder- und Jugendtraining Tamara Laake gegenüber und verhält sich genauso wie später die Männer beim Winterturnier: Es dauert immer eine Weile, bis er einen Zug macht, er denkt gründlich nach.

"Schach ist nicht so schwer, wie man immer glaubt", findet Tabea Lohrmann (11). Sie fing schon in der ersten Klasse an, in einer der AGs, die der Schachklub Freiburg-Zähringen 1887 an mehreren Grundschulen und Gymnasien anbietet. Auch jetzt noch ist sie am Rotteck-Gymnasium in einer AG, außerdem spielt sie zwei Mal in der Woche am Computer über Skype mit ihrem Trainer, der 88 Kilometer entfernt wohnt. Schach ist für sie ideal. "Denn für Fußball und sowas bin ich nicht kräftig und stark genug."

Auch Tamara Laake hatte vor 14 Jahren mit damals sieben Jahren angefangen und blieb immer dran. Sie nahm mehrmals an den deutschen Jugendmeisterschaften teil. Vor zwei Jahren, als sie zum Jura-Studium nach Freiburg kam, stieg sie beim Schachklub Freiburg-Zähringen 1887 ein. Zwar sind auch hier – wie überall beim Schach – Mädchen und Frauen in der klaren Minderheit, allerdings hatte der Verein immer wieder sehr erfolgreiche Spielerinnen, unter anderem Barbara Hund, die erste Frau, die sich in den 1970ern einen Großmeistertitel erkämpfte. Woran liegt’s, dass Schach über all die Zeit vorrangig ein Männerspiel geblieben ist? "Das Typische ist eben, dass es der Vater dem Sohn beibringt, nicht die Mutter der Tochter", sagt Helmut Scherer, Vorgänger von Tamara Laake, der inzwischen zweiter Vorsitzender ist.

Er selbst hatte allerdings keinen solchen Vater: Er hat sich selbst für Schach interessiert, es hatte "einen gewissen Nimbus", der ihm gefiel – als Spiel, "das durch Können und nicht durch Glück entschieden wird". Das mag auch Rafael Ehls, 43 Jahre alt, der Schach vor mehr als 30 Jahren als Jugendlicher für sich entdeckt hat. Zurzeit kommt er regelmäßig zum Winterturnier beim Schachklub Freiburg-Zähringen 1887 vorbei, obwohl er hier kein Mitglied ist. Das Winterturnier ist für alle offen. Ihm gegenüber sitzt Lucas Niewerth, 21 Jahre alt, hält einen Stift in der Hand und überlegt, wie es mit seinen weißen Figuren weitergehen soll. Stundenlang rauchen die Köpfe an den Freitagabenden, manchmal geht es bis Mitternacht: Darum macht Tamara Laake, die samstags früh an die Uni muss, lieber nicht mit. Doch sie lässt es sich nicht nehmen, interessiert zuzuschauen.

Winterturnier: Seit Mitte Januar an jedem zweiten Freitag, das nächste Mal am 10. Februar, 20 Uhr. Voranmeldung erwünscht bei Michael Berblinger, m.berblinger@t-online.de, Tel. 0761/61 16 860