Von wegen Schachmatt

Annalena Ehrlicher

Von Annalena Ehrlicher

Di, 30. Oktober 2012

Freiburg Nord

Großmeister Spyridon Skembris bleibt beim Simultanschach in Zähringen ungeschlagen.

ZÄHRINGEN. Konzentriertes Schweigen senkt sich über den Raum, als Spyridon Skembris an den Tisch tritt. 23 Augenpaare sind auf den Großmeister gerichtet und verfolgen, wie er dem Gegner die Hand schüttelt und entschlossen den ersten Zug macht: Bauer auf E 4. Skembris spielt weiß. Reihum zieht er Figuren über Bretter, Zug um Zug, bis er wieder vor seinem ersten Gegner steht. Im "Zähringer Keller", dem Revier des Schachklubs Freiburg-Zähringen 1887, wurde am Freitag ein Schach-Simultan ausgetragen: Ein Turnier, bei dem sich Spyridon Skembris parallel mehreren Gegenspielern stellte (siehe Infobox).

"Ein Simultan ist natürlich immer etwas Besonderes", erklärt die Vorsitzende Tamara Laake. "Vor allem, wenn man einen Großmeister hat, der bereit ist, ein Simultan zu spielen, was immer sehr anstrengend ist". Das Simultan ist nach dem Winterschachturnier Anfang des Jahres und dem Schnellschachturnier im September bereits die dritte Veranstaltung des Schachklubs, der 2012 seinen 125. Geburtstag feiert. Die Vorsitzende freut sich auf den Abend – besonders für die Nachwuchsspieler sei es eine tolle Gelegenheit, etwas von dem erfahrenen Vereinsmitglied zu lernen.

Der Großmeister ist gerne bereit, seinen Erfahrungsschatz mit seinen Vereinskollegen zu teilen – ein Erfahrungsschatz, der immerhin knapp 50 Jahre umfasst. Spyridon Skembris (54) spielte sein erstes Turnier mit sieben Jahren. Josias Grube ist zehn Jahre alt und spielt bereits seit fünf Jahren Schach, drei davon im Schachklub Zähringen. Für ihn ist es das erste Großmeister-Simultan, bei dem er mitspielen darf: "Ein bisschen aufgeregt bin ich schon", gibt er zu, man spiele ja nicht jeden Tag gegen den Großmeister. Sein Ziel? "Vor allem soll es Spaß machen."

Josias ist einer der Nachwuchsspieler, die durch die Jugend-Schachförderung an der Loretto-Grundschule im Stadtteil Wiehre für das Strategiespiel begeistert werden konnte. Auch seine kleine Schwester übt schon fleißig mit dem Kinder-Schachcomputer und schaut sich eifrig Tricks bei Josias ab. "Durch die Jugendförderung an Schulen haben wir inzwischen wieder mehr als 40 Jugendliche im Verein", erzählt Großmeisterin Barbara Hund. Und dennoch sei es schade, dass Schach in der allgemeinen Wahrnehmung immer noch eine Randfigur spiele, findet sie. Aber die Jugendarbeit des Vereins verbessere sich kontinuierlich. Beim Großmeister-Simultan nutzten am vergangenen Freitag immerhin sechs von ihnen, alle unter 14 Jahren, die Chance, sich ein paar Tricks des Großmeisters abzuschauen.

Dazu hatten sie fast sechs Stunden Zeit: Um 19 Uhr begann das Spiel mit Skembris’ erstem Zug – gegen 1 Uhr nachts mussten sich die letzten Spieler geschlagen geben. Nur drei der Simultangegner konnten ein Unentschieden, ein Remis, gegen den Großmeister erzielen. Der hat sich das Ergebnis hart erkämpft: Sechs Stunden intensive Konzentration, auf Tricks und Kniffe von 23 verschiedenen Gegnern eingestellt sein und sich nicht ablenken lassen: Das strengt an, auch körperlich. "Das Schwierigste ist, auf alles gleichzeitig zu achten und nicht irgendwann nachzulassen", erklärt der Großmeister. Dass am Ende des Turniers niemand mehr für das geplante allgemeine Schachtraining mit ihm aufnahmefähig war, ist keine Überraschung.

Josias Grub war übrigens nicht unter den "Endgegnern" des Großmeisters. Er verließ sein Brett um 22 Uhr: Das Spiel war zwar noch lange nicht entschieden, aber das Bett rief. Doch wer weiß, wenn der Zehnjährige so weitermacht, hat der Großmeister Spyridon Skembris vielleicht bald einen Nachfolger.