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28. Juli 2009

Bauen und büffeln

Mehrere Monate lang helfen Freiburger Schüler beim Aufbau einer Schule in Peru

  1. Friedlicher Auslandseinsatz: Kinder und Jugendliche der freien Freiburger Schule „Kapriole“ leisten Aufbauhilfe in Peru. Foto: ingo schneider

  2. In einer Schule im peruanischen Hochland lernen die Kinder mit den gleichen Materialien wie ihre Freunde aus Freiburg. Foto: yoncaova

Vor einem Jahr startete die freie demokratische Schule Kapriole ein bundesweit einmaliges Projekt: Sie nahm die Schulgründung einer demokratischen Schule im Hochland Perus unter ihre Fittiche. In einer ebenso armen wie unwegsamen Region Lateinamerikas entsteht diese neue Schule zwar dank einer Initiative vor Ort – betreuender und auch Impuls gebender Beraterstab plus Bautrupp sind jedoch vorwiegend Schülerinnen und Schüler aus Freiburg. Die ersten beiden Arbeitsgruppen sind mittlerweile von ihren mehrmonatigen Einsätzen in Peru zurückgekehrt.

Sieben Kapriole-Schülerinnen und -Schüler zwischen acht und 17 Jahren reisten vor genau einem Jahr in einer ersten Gruppe nach Huamachuco. Zuvor waren zukünftige Lehrer an die "Kapriole" gekommen, um zu sehen, was tragfähig und wichtig sein könnte im Schulalltag einer demokratischen Schule. Und dabei erfuhren auch die Kinder und Jugendlichen der Freiburger Schule, die im Stadtteil Waldsee steht, schon einiges über die Lebenswelten und die Bildungsangebote in Peru aus erster Hand, sogar erste Spanisch-Kenntnisse schauten für einige raus.

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Vor Ort zeigte sich allerdings alsbald, dass die Wirklichkeit anders aussah, als die tatkräftigen Schüler sich das vorgestellt hatten. Der Baugrund für die geplante Schule, bestehend aus drei kleineren Gebäuden und einem Internat, war noch Verhandlungssache – und blieb das eine ganze Weile. Die Rolle der Gastarbeiter war da des öfteren, als Teil der Verhandlungsdelegation Grundstücke in Augenschein zu nehmen. Auch: Ein Grundstück für Bautätigkeit eben zu machen, das eine Zeit lang als Schulgrundstück beschlossen zu sein schien.

Im Oktober kamen die nächsten vier aus Freiburg, zwei blieben – und zu sechst musste diese zweite Baugruppe dann auch schon richtig schuften. "Um sechs sind wir aufgestanden", erzählt Jakob Ott, "und zur Baustelle gestiefelt." Eine halbe Stunde bergauf – in dreieinhalbtausend Metern Höhe. Zunächst mit Schippen und Hacken wurden da am abschüssigen Gelände Terrassen angelegt, schließlich half ein Bagger – und dann beendete die Regenzeit weitere Bautätigkeiten. "Richtig am Stück bauen kann man dort nur ungefähr von Mai bis September", erklärt der dreizehnjährige Noah Rees.

Der Helfertrupp packte mit an und richtete eine provisorische Schule ein
Die Lehmbauten könne man nicht halbfertig stehen lassen, weiß Paco Yoncaova, ehemaliger "Kapriole"-Schüler und Mitglied der zweiten Huamachuco-Gruppe: "Über die Lehmbausteine muss unbedingt ein Dach, damit der Regen die Bausteine nicht abschwemmt." Von März an gab es zudem einen zweiten Einsatzort für die Jugendlichen: Ein provisorischer Schulraum war eingerichtet, ein Dutzend Kinder fingen mit ihrem Schulalltag an. Der Helfertrupp packte mit an bei der Einrichtung.

Ein Projekt zur finanziellen Unterstützung hatte Luca Murdolo, 15, mit der ersten Gruppe erfolgreich umgesetzt: "Wir haben Weihnachtsplätzchen gebacken und verkauft – und das lief richtig gut!" In der kleinen 20 000-Einwohner-Stadt kamen die ungewohnten Plätzchen super an und spielten 600 Sol ein – das sind 150 Euro, und mit denen kommt man in Peru ganz schön weit, erzählt Lenja Haas, 18, die in beiden Helfergruppen mitgemacht hat. "Mittlerweile sieht das Schulprovisorium aus wie eine Minikapriole."

Die Idee für das ganze Unterfangen hatte Lehrerin Ute Sieß von einer Peru-Reise mitgebracht; erst kürzlich hat sie den Stand der Dinge vor Ort in Augenschein genommen und freut sich, wie viel die Kapriole-Gast-Arbeiter in Huamachuco bewegen konnten: "Wir haben mit unserem Einsatz der neuen Schule im Ort Öffentlichkeit verschafft." Mit Workshops und Aktionen: "Das hat dazu geführt, dass die Menschen sich mit der Schule identifizieren – ein sichtbarer Wandel!"

Ein sichtbarer Wandel ist auch das erste Windrad, das sich nun in Huamachuco dreht: Für die demokratische Schule sind erneuerbare Energien eine Selbstverständlichkeit – organisiert, na klar, von den "Kapriole"-Kids.

Für die gehört bei ihren Einsätzen dazu, sich selbst zu organisieren, zu finden, wo man zupacken kann. "Und das Spanischlernen", ergänzt der 17-jährige Max Backfisch: "Auf dem Weg zum Berg konnte man prima Verbformen durchkonjugieren." Nach kurzer Zeit habe die Lernerei Erfolg gezeigt, bestätigt Lukas Ott, 15: "Wir konnten uns bald gut mit den Jugendlichen im Ort verständigen, das war wichtig fürs Kennenlernen."

Weitere "Kapriole"-Einsätze sind in Vorbereitung, schließlich ist für den Schulneubau noch viel zu tun – und wer da war, will auch wieder hin. Dazu ist aber auch hier in Freiburg Findigkeit gefragt, denn ein solches Projekt will erstmal finanziert sein. 20 000 Euro wird allein der erste Bauabschnitt mit einem Häuschen kosten, den die "Kapriole" mit Spenden finanzieren will. Fürs Gesamtprojekt gibt es noch keine Kalkulation. Die Peru-Unterstützer wirbeln weiter, sammeln Geld, und zeigen in einem Blog auf ihrer Website, wie sich die kleine Schule in Huamachuco entwickelt.

Infos zur Schule und der Link zum Blog: www.kapriole-freiburg.de

Autor: Julia Littmann