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14. April 2010

Die Idee ist, anderen Mut zu machen

VEREINT IM VEREIN: Aufgrund der eigenen Erfahrung mit der Krankheit ihres Sohnes will Familie Muselewski anderen helfen.

  1. Die Familie Muselewski aus Littenweiler – von links Mutter Sigrid, die Kinder Anna-Sophie und Marius, Vater Daniel – engagiert sich beim Verein „Familien in Not“. Er unterstützt Familien mit kranken Kindern. Foto: Ingo Schneider

LITTENWEILER. Es war im vergangenen Herbst, als das Leben von Marius Muselewski (13) aus Littenweiler plötzlich ein komplett anderes wurde. Nicht nur das Datum, auch die Uhrzeit wird er nie vergessen: 23. Oktober, 11 Uhr. Da bekam er seine Diagnose – ein Tumor im Rückenmark. Schlagartig war nichts mehr wie vorher. Nicht nur für Mariu

s, auch für seine Familie. Doch die Muselewskis halten zusammen. Und sie wollen auch anderen in ähnlicher Lage Mut machen. So entstand der Verein "Familien in Not" (FIN).

Alles hatte so harmlos angefangen. Mit einem Kribbeln im linken Bein. Zuerst dachte Marius, dass vielleicht irgendein Nerv eingeklemmt sei oder er sein Bein zu sehr belastet habe. Das lag nahe – denn Marius ist ein Sportler, "mit Leib und Seele", sagt sein Vater Daniel Muselewski. Marius ist begeisterter Fußballer und Langstreckenläufer.

Doch nach der Operation am 5. November 2009 war es mit dem Sport erstmal vorbei. Seitdem sitzt Marius die meiste Zeit im Rollstuhl, nur zeitweise kann er dank seiner Reha langsam und mit Krücken ein paar Schritte gehen. In seiner Familie ermutigen sich alle, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Bald wird der Sport wieder seinen Platz in Marius’ Leben haben, hoffen seine Eltern auf der Homepage des Vereins "Familien in Not": "Wir alle glauben daran!"

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Einiges, was äußerst schwer war, haben die Muselewskis schon bewundernswert gut gemeistert. Die Operation des hochgradig bösartigen Tumors, die 49 Tage mit Chemotherapie und die 30 Bestrahlungen: "Durch den guten Zusammenhalt in unserer Familie haben wir das gut auf die Reihe bekommen", sagt Sigrid Muselewski. Das fing damit an, dass die Eltern ihrem Sohn belastende Klinikaufenthalte weitgehend erspart haben, denn während der Chemotherapie und den Bestrahlungen lebte er daheim, Lehrer der Klinikschule kamen zum Unterricht ins Haus. Die Großeltern zogen wochenlang bei den Muselewskis ein und halfen bei allem, was anstand. Auch Marius’ siebenjährige Schwester Anna-Sophie ging in der Sorge um den Bruder nicht unter – ihre Eltern suchten einen Therapieplatz für sie. Das klingt alles einfacher als es war. Natürlich haben die Muselewskis Abgründe durchlebt, zum Beispiel nach der Operation. Als Daniel Muselewski damals erfuhr, dass seinem Sohn jetzt auch noch Chemotherapie und Bestrahlungen bevorstanden, stolperte er ratlos im T-Shirt in die Novemberkälte hinaus, in seinem Kopf nur ein Gedanke: "Wie sag’ ich das meiner Frau?"

Sie hätten ihr "Lehrgeld bezahlt", sagt Marius’ Vater, und das heißt für ihn: Sie haben erfahren, dass es für Menschen nach einer beängstigenden Diagnose keine organisierte Hilfe gibt, keine Institution, die informiert, unterstützt, einfach da ist. Dass die Muselewskis trotzdem so gut zurechtkommen, liegt daran, dass sie viel Unterstützung von Verwandten und Freunden bekommen. Was aber ist mit denen, die kein solches Netzwerk haben? Und mit denen, die nicht in der Lage sind, selbstbewusst und gut informiert aufzutreten – zum Beispiel bei der Krankenkasse oder den Ämtern, wenn plötzlich alles mögliche beantragt werden muss? Solche Fragen haben sich die Muselewskis immer öfter gestellt.

Darum haben sie mit Freunden und Bekannten den Verein "Familien in Not" gegründet. Dessen erste große Aktion soll ein großes Fest werden, für das noch Sponsoren gesucht werden. Marius hatte sich nach seiner Operation ein Fest gewünscht – auch wenn damals noch nicht klar war, wie groß es werden würde. Dabei sollen Spenden gesammelt werden, damit der Verein bald anderen helfen kann, ganz praktisch, wenn nötig auch finanziell.

Vor allem aber wollen die Muselewskis Mut machen, einen schwierigen Weg so zu gehen, wie sie es versuchen: mit viel Zuversicht, Humor und Liebe.

FAMILIEN IN NOT (FIN)

Gegründet: 2010.
Mitglieder: 15.
Angebot: Unterstützung von Familien mit kranken Kindern, zum Beispiel mit Kinder- und Hausaufgabenbetreuung, einkaufen, kochen, Information.
Mitgliedsbeitrag: freiwillig.
Kontakt: http://www.fin-freiburg.de  

Autor: anb

Autor: Anja Bochtler