Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

30. September 2008

Ein Hausputz der besonderen Art in Littenweiler

Bei der mittlerweile dritten Anti-Graffiti-Aktion sind im Freiburger Osten rund 40 Schmierereien an Hauswänden übermalt worden

  1. Auch die Graffiti am Bahnhof Littenweiler wurden mit Einheitsfarbe übermalt. Foto: Thomas Kunz

LITTENWEILER. Es ist noch früh am Samstagmorgen, die Sonne scheint, der Himmel ist strahlend blau –  kalt ist es trotzdem. Bürgervereinsvorsitzender Martin Kotterer und Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach stehen auf dem Marktplatz von Littenweiler und geben den Startschuss zum Entfernen der Graffiti im Stadtteil. Im Kreis um sie herum stehen die Mitarbeiter verschiedener Freiburger Malerfirmen und elf Jugendliche, die beim Entfernen der Schmierereien helfen sollen. 

Im Gegensatz zu den Malern sind die meisten von ihnen nicht freiwillig hier, sondern sie sind straffällig geworden und zu Sozialstunden verurteilt worden. Die verbringen sie nun mit dem Übermalen von Graffiti. Sie schnappen sich noch ihre Lunchpakete, dann bilden sie kleine Teams mit den Malern, schwärmen im Stadtteil aus und beginnen mit der Arbeit.

Der Verein "Sicheres Freiburg" organisiert zusammen mit den Bürgervereinen zweimal im Jahr Aktionstage, bei denen Graffiti in einem Stadtteil entfernt werden. Zahlen müssen die Hausbesitzer nichts. Das Material zahlt "Sicheres Freiburg", für den Arbeitslohn erhalten die beteiligten Firmen Spendequittungen. Heute ist der dritte Aktionstag, dieses Mal ist Littenweiler dran.

Werbung


Kotterer und von Kirchbach sind auf dem Marktplatz geblieben, beim Informationsstand des Vereins "Sicheres Freiburg". Der Bürgerverein habe im Vorfeld des Aktionstages rund 100 Graffiti im Stadtteil ermittelt, in 40 Fällen hätten die Eigentümer der Gebäude der Beseitigung der Schäden zugestimmt, sagt Kotterer. Die Jugendlichen seien hier, weil zum "Solidarmodell Anti-Graffiti Freiburg" auch die Idee eines Täter-Opfer-Ausgleiches gehöre, erklärt von Kirchbach. Wie viele von ihnen allerdings tatsächlich Wände beschmiert haben, ist nicht zu erfahren – "aus Datenschutzgründen", sagt Beate Hauser, Geschäftsführerin von "Sicheres Freiburg".

Ein paar Straßen weiter stehen John Maier und Peter Rauh (Namen von der Redaktion geändert) vor dem Gebäude des Littenweiler Bahnhofs und streichen mit Silberspray verschmierte Fensterläden wieder mit der Originalfarbe. Das von allen Seiten besprühte Gebäude gehört dem privaten Betreiber "Gleisnost". Auf die Frage, ob sie hier freiwillig mithelfen, können die beiden Jugendlichen nur lachen. "Freiwillig wäre ich jetzt bestimmt nicht hier", sagt John. "Versuchte unbefugte Benutzung eines Fahrzeuges" habe die Polizei ihnen vorgeworfen. "Die haben gesagt, wir hätten einen Motorroller klauen wollen", erklärt Peter. Fünf Sozialstunden müssten sie deshalb ableisten. Dass sie dabei die Schmierereien von anderen überpinseln müssen, finden sie in Ordnung. "Schlimm war eigentlich nur das frühe Aufstehen", meint John.

Während im Stadtteil Pinsel und Farbrollen geschwungen werden, hält Beate Hauser am Info-Stand auf dem Marktplatz die Stellung. Um 16 Uhr nachmittags sind dann alle 40 Graffiti beseitigt – fürs Erste jedenfalls. Es gehört zum Konzept, dass erneute Schmierereien an bereits gesäuberten Häusern schnell wieder beseitigt werden. Das sei aber bislang nur selten nötig gewesen, sagt Hauser. Einmal gereinigte Fassaden und Wände blieben in der Regel auch sauber. So zum Beispiel im Stadtteil Wiehre: Dort wurden beim Aktionstag im vergangenen Herbst rund 40 Graffiti entfernt (die BZ berichtete). "Nur zwei Eigentümer haben sich danach noch einmal gemeldet, weil ihre Häuser wieder besprüht wurden", sagt Hauser.

Welcher Stadtteil nun als nächster an der Reihe ist, steht noch nicht fest. Bewerbungen gebe es viele, entschieden werde aber erst im Lauf des Oktobers, so Beate Hauser. Wer sich einen Graffiti-Aktionstag im eigenen Stadtteil wünscht, sollte sich an seinen Bürgerverein wenden. Der Verein kann diese Bitte dann an "Sicheres Freiburg" weiterleiten. Die Aktionstage erforderten so viel Vorarbeit, dass sie ohne die Hilfe der Bürgervereine nicht zu bewältigen seien, erklärt Hauser.

Autor: Jens Gräber