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13. September 2011
Gartenparadies vor Hindernissen
Die Eheleute Schmidt gestalten mit viel Feingefühl und Sachverstand einen Garten ökologisch um – aber nicht alle freuen sich.
EBNET. Ein kleines Paradies grenzt in Ebnet an den Dreisamuferweg: Die Eheleute Schmidt haben hier eine Gartenlandschaft geschaffen, die Staunen macht (die BZ berichtete). Das abfallende Gelände wurde zart gestaltet, Trockenmauern – biotopisches Lebensumfeld – wurden aufgesetzt, und Bienenstöcke angesiedelt. Nach der Berichterstattung jedoch wurde Jochen Schmidt vom Verpächter um Änderungen an dem ökologischen Gesamtkunstwerk gebeten. Nebenbei überprüft die Stadt die baurechtlichen Aspekte geplanter Veränderungen. Unklar ist, ob das kleine Paradies weiter gedeihen kann.
"Ich habe natürlich Verständnis für die Skepsis der Gartenbesitzer", erklärt der ehemalige Steuerberater Jochen Schmidt, "die hier viele Jahre lang ganz in der alten Tradition der Selbstversorgung gegärtnert, angebaut, geerntet haben." Als das nicht mehr gut von der Hand ging, wurde man sich mit den Nachbarn einig: Die beiden Schmidts, erfahrene und engagierte Gartenliebhaber, würden sich um die Hege und Pflege der 434 Quadratmeter Garten kümmern. Allerdings unter Berücksichtigung eigener Vorlieben – die Ökologie liegt ihnen am Herzen, das erquickliche Miteinander von Pflanzen, Tieren und Umgebung.Werbung
Und so haben es die beiden Hobbygärtner denn auch geschafft, dass sich im ersten Dreisamgartenjahr schon gleich Blindschleiche und Igel "eingemietet" haben, Echsen, Vögel gibt’s jede Menge. Und obendrein die acht Bienenvölker, die Jochen Schmidt – in Absprache mit den benachbarten Verpächtern – angesiedelt hat. Ungefähr 150 Kilogramm Honig haben die in ihrem ersten Jahr im Dreisamgarten fleißig zusammengetragen. 150 Kilogramm, die ein Imker gerne möglichst nah an den Bienenstöcken und möglichst nahe an einer guten Infrastruktur ausbaut. "Der Imker ist, anders als der Hobbygärtner, ein Landwirt", erklärt Schmidt – und damit angewiesen auf diverses Zubehör, ohne das sich die Bienenwirtschaft nicht machen lässt. Wasser und Strom gehören dazu – und ein Gebäude, das lebensmittelrein ist, Harke und Gießkanne oder die überwinternden Dahlienknollen dürfen da nicht rein, wo zum Beispiel der Honig geschleudert und vorschriftsmäßig grammgenau abgefüllt wird.
Hobbygärtnern steht die genehmigungsfreie Errichtung einer 40-Quadratmeter-Hütte zu, Landwirte dürfen auf 70 Quadratmetern bauen, um dort Geräte unterzubringen und zu arbeiten. Mit der Baubehörde hatte sich Jochen Schmidt zwar vor allen Umgestaltungen abgesprochen, nun aber wird im Baurechtsamt nachgeprüft, ob alles wie es ist, tatsächlich genehmigungsfähig ist. Toni Klein, Pressesprecher der Stadt hält allerdings jetzt schon fest, dass das Baurechtsamt nicht ausschließe, dass die Aktivitäten dort noch "im verfahrensfreien Bereich" sind: "Das heißt, der Konflikt wäre weniger ein baurechtliches als ein privatrechtliches Thema." Jedoch dringt auch der Anwalt der Verpächter derzeit noch auf Geduld, man warte die Entscheidung der Behörde ab. Den Bienen und Blindschleichen ist das alles wohl egal. Zunächst jedenfalls. Denn wenn die Verhandlungen um die Ermöglichung dieses kleinen Paradieses scheitern, brauchen nicht nur die Schmidts eine neue Gartenheimat, sondern ihr ganzes schönes Biotop.
Autor: Julia Littmann
