Autofrei-Verein will Grünfläche retten

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Fr, 12. Januar 2018

Freiburg Süd

Nicht genutzte Plätze in Vauban-Quartiersgaragen sollen zurückgegeben werden, damit Weidenpalast-Areal unbebaut bleiben kann.

FREIBURG-VAUBAN. Durch sein Verkehrskonzept ist der Stadtteil Vauban weltweit bekannt geworden. Jetzt, 20 Jahre nach Beginn der Bauarbeiten, sind die beiden Quartiersgaragen für die Autos der Bewohner fast komplett voll. Wenn es nun Bedarf für weitere Parkmöglichkeiten gäbe, müsste der zuständige Autofrei-Verein Stellplätze auf einem eigens freigehaltenen Gelände anlegen. Dieses wird jedoch als Grünfläche genutzt. Um das Grundstück nicht antasten zu müssen, will der Autofrei-Verein neue Wege gehen und einen Stellplatz-Pool einrichten.

Freie Flächen sind rar im dicht bebauten Stadtteil Vauban. Deshalb ist das Quartier froh, das "Autofrei-Grundstück" zu haben: ein rund 2100 Quadratmeter großes Gelände neben der Straßenbahnwendeschleife. Diese Grünfläche wird vom Stadtteil intensiv genutzt, unter anderem gibt es dort Urban Gardening. Ein Hingucker ist auch der "Weidenpalast", der wie ein großes Holziglu aussieht und 2004 in einer Gemeinschaftsaktion entstand.

Doch das Grundstück hat eigentlich eine andere Funktion. Laut Bebauungsplan könnten dort bis zu fünf 15 Meter hohe Parkgaragen entstehen, mit Platz für knapp 500 Fahrzeuge. Dass die Garagen noch nicht gebaut sind, liegt an rund 420 Haushalten in Vauban, die kein Auto haben. Da sie dennoch – aus rechtlichen Gründen – einen Stellplatz nachweisen müssen, musste jeder autofreie Haushalt 3700 Euro an den eigens für diesen Zweck gegründeten Verein für autofreies Wohnen zahlen. Mit diesem Geld hat der Verein die Parkgaragen-Vorhaltefläche gekauft. Sie wird für den Fall freigehalten, dass sich die bislang Autofreien doch einmal ein Auto zulegen und dann einen Stellplatz benötigen.

Bislang konnte dieser Bedarf in den beiden Quartiersgaragen gedeckt werden, die es in Vauban gibt. Doch diese sind inzwischen bis auf vier verbleibende Plätze voll belegt (siehe Info-Box). Seit 2009, so erklärt Hannes Linck vom Verein für autofreies Wohnen, hätten sich rund 20 Autofrei-Haushalte ein Fahrzeug angeschafft. "Meist, weil die Bewohner aus beruflichen Gründen darauf angewiesen sind", sagt Linck. Deshalb droht nun das, was der Stadtteil seit Jahren vermeiden will: nämlich, dass das Autofrei-Grundstück zum Parkplatz wird. Grundsätzlich würde es im ersten Schritt reichen, dort ebenerdige Stellflächen einzurichten – Platz wäre dann für rund 80 Fahrzeuge. Erst wenn noch mehr Autos hinzu kämen, müssten die Hochgaragen gebaut werden.

Um das Grundstück als Grünfläche erhalten zu können, hat sich der Autofrei-Verein ein neues Konzept überlegt. Er will einen Stellplatz-Pool einrichten. Die Idee: Der Autofrei-Verein kauft Parkplätze im Stadtteil auf, deren Besitzer derzeit kein Auto haben – oder er mietet sie für mindestens fünf Jahre an. Dabei geht es sowohl um Stellflächen in den beiden Quartiersgaragen als auch um private Parkplätze. In Vauban gibt es auch Bereiche, die ganz klassisch mit Tiefgaragen bebaut sind. Die vom Verein aufgekauften oder angemieteten Stellplätze kommen in einen Pool. Bei Bedarf gibt der Autofrei-Verein sie an diejenigen autofreien Haushalte weiter, die sich ein Fahrzeug anschaffen wollen und deshalb einen Parkplatz benötigen. Dafür müssten die Bewohner ein "Entgelt" bezahlen, das etwa dem Kaufpreis des Stellplatzes entspricht, erklärt Linck. Eine monatsweise Vermietung sei nicht möglich, da es sonst zu einer ungleichen Behandlung der Fahrzeugbesitzer in den Autofrei-Haushalten käme. Von dem neuen Konzept verspricht sich der Autofrei-Verein auch mehr Flexibilität. Bislang sei es sehr aufwendig und kostenintensiv, von autofrei zu nicht-autofrei zu wechseln, sagt Linck – weil der Parkplatz gekauft werden muss und dafür auch Grunderwerbssteuer und Notarkosten anfallen.