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29. April 2011
quartier westlich der merzhauser strasse
"Der Trend zu einer Zweiklassengesellschaft verstärkt sich immer mehr"
Zum Bericht "Wie ein Quartier verändert wird" über Entwicklungen im Gebiet westlich der Merzhauser Straße (BZ vom 23. April).
"Wie ein Quartier verändert wird" müsste eigentlich heißen "Wie unsere Gesellschaft verändert wird". Fast täglich liest man von Leuten, die sich offenbar nicht an die gegebenen Vorschriften halten und nur ihr eigenes Ego befriedigen. Ein Musterexemplar haben Sie mit Uwe Kleiner beschrieben. Er hat den Rechtsstaat Deutschland offenbar so verstanden, dass alle Rechte bei mir und alle Pflichten bei den Anderen sind. Claasen und Esser haben es vorgemacht. "Alles ist genehmigungspflichtig", glaubt Uwe Kleiner. Mietrecht – was ist denn das? Da werden Balkone vergittert, wenn es Probleme mit den Mietern gibt und im übrigen "werden die Wohnungen nach den Wünschen der Käufer und nicht nach den Mietern umgestaltet". Wie ist es heute möglich, dass diese Miniheuschrecken so borniert auftreten können? Offenbar kümmert sich die Allgemeinheit um nichts, die Politiker sind mit sich selbst beschäftigt, die meisten Studenten und Intellektuellen trauen sich nicht, sich kritisch zu äußern, es könnte ja den Job kosten – siehe Sarrazin. Und die Presse haut lieber wochenlang auf Fußnoten herum, man könnte ja die Anzeigenkunden vergraulen. Und wo sind die Behörden? Wie üblich für nichts verantwortlich? Ist das nur Stammtischgerede? Oder wie sonst verstärkt sich der Trend zur Zweiklassengesellschaft immer mehr. Dazu passt die Nachricht, dass Bewohnern bestimmter Stadtteile keine Kredite mehr gewährt werden. Oder schauen wir in die Städte. Mittlerweile ist jede Innenstadt wie die andere, da die vollständig überzogenen Mieten nur noch von Ketten oder Handyfirmen bezahlt werden können.
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Autor: Werner Koch, Wiehre
