Porträt

Die Knopfhäusle-Siedlung in der Wiehre ist ein besonderes Stück Freiburg

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Sa, 22. Juli 2017

Freiburg Süd

Die Knopfhäuslesiedlung im Freiburger Osten hat fast 150 Jahre auf dem Buckel – viel Geld wurde in die kleinen Häuschen jedoch nie gesteckt. Entsprechend schlecht ist der Zustand. Nach viel Hin und Her ist nun eine umfassende Sanierung geplant.

WIEHRE. Die Bewohner finden das einerseits gut, andererseits gibt es auch große Verunsicherungen. Die Mieter haben Angst, dass sie aus ihrem Zuhause vertrieben werden und sich die Wohnungen zukünftig nicht mehr leisten können.

Sabine Hitzfeld hat gebacken. Es gibt Käse- und Marmorkuchen, die Kaffeetafel im Garten ist hübsch gedeckt. Die Nachbarn sind zu Besuch. Der Kontakt untereinander ist gut, man kennt sich in der kleinen Siedlung. Wird das zukünftig immer noch so sein? Diese Frage stellen sich die Bewohner seit langem, vermehrt aber seit 2014. Damals wurde bekannt, dass die Häuser renoviert werden sollen. Sie gehören der Freiburger Stadtimmobilien GmbH (FSI), die zum Verbund der städtischen Tochtergesellschaft Freiburger Stadtbau (FSB) gehört. Allein die Ankündigung der Pläne löste Unruhe aus: Die Mieter befürchteten, dass nun ein Investor komme und alle weniger betuchten Bewohner vertreibe.

Inzwischen ist zwar klar, dass die FSI die Sanierung selbst macht, im Frühjahr kam die Zusage für Fördermittel des Landes (siehe Info-Box). In der nächsten Woche soll der Gemeinderat sein Okay für vorbereitende Untersuchungen geben, 2019 könnten die Bauarbeiten starten. "Aber die Unsicherheit unter den Bewohnern ist immer noch groß", sagt Ralf Müller. Er ist der Mieterbeiratsvorsitzende der FSB und wohnt selbst in der Knopfhäuslesiedlung.

Gegenüber von ihm und seiner Frau Sabine Hitzfeld sind Asli Abali und ihre Mutter Nazli zuhause – seit 42 Jahren. "Ich war sechs Monate alt, als wir hierher zogen", erzählt Asli Abali. In all den Jahrzehnten haben die beiden türkischstämmigen Frauen in der Knopfhäuslesiedlung viel erlebt – auch Schrecksekunden: 2003 stürzte ein Segelflugzeug auf das Dach eines Häuschens und blieb liegen, verletzt wurde Gott sei Dank niemand. Asli und Nazli Abali hängen an ihrer Wohnung, auch wenn der bauliche Zustand immer schlechter wird. In all den Jahren sei kaum etwas gemacht worden. Die Liste der Mängel, die sie aufzählen, ist lang und reicht vom Keller bis zum Dachboden. Die Häuser sind schlecht gedämmt, durch die Fenster zieht’s. "Im Winter ist es kalt und im Sommer ist Sauna", bringt es Asli Abali auf den Punkt.

Klar, gemacht werden müsse etwas und das sei auch gut so: Darüber sind sich am Kaffeetisch alle einig. "Aber die Angst ist: Was passiert mit uns?", sagt Armin Huber, ebenfalls ein Urgestein der Siedlung. Er lebt seit 1982 hier. "Das ist unser Zuhause, wir wollen hier bleiben", fordert der siebenjährige Anton. Für seine Mutter Carmen Piazzi ist die Knopfhäuslesiedlung ebenfalls etwas ganz Besonderes. Dass von außen auch mit Fingern auf die Bewohner gezeigt werde und das Quartier als "Schandfleck in der Wiehre" gesehen werde, empört Carmen Piazzi. Das werde sich hoffentlich ändern, wenn die Häuser saniert sind. Aber bleiben die Wohnungen dann noch bezahlbar? Darüber machen sich die Bewohner ebenfalls große Sorgen. Auf Anfrage der BZ macht die FSB keine Angaben zur Miethöhe, weder zur aktuellen noch zur zukünftigen. Laut Ralf Müller bezahlen die Bewohner im Moment im Durchschnitt 6,30 Euro pro Quadratmeter. Seiner Erfahrung nach steigen die Mieten nach einer Sanierung um rund 1,50 Euro pro Quadratmeter. "Da kann es für einige schon eng werden", sagt Müller.

Für die FSB sei das Ziel, "dass die Mieter auch weiterhin im Wohnquartier bleiben können", teilt das städtische Tochterunternehmen mit. Die Häuser sollen "von Grund auf saniert" werden, teilweise würden auch kleinere Einheiten zu größeren zusammengelegt. Die Grundrisse sollen "insbesondere unter alltagstauglichen und funktionalen Gesichtspunkten verändert" werden. Näheres werde bei den weiteren Planungen konkretisiert. In diesen Prozess sollen auch die Bewohner einbezogen werden, verspricht die Stadtbau. Ob das stimmt? Daran haben die Mieter so ihre Zweifel – aber sie hoffen es. "Und wir bleiben dran und lassen uns nicht unterkriegen", sagt Ralf Müller. Alle nicken.