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08. Juli 2016

Deicheleweiher

Stadt Freiburg stoppt Urban Gardening im Landschaftsschutzgebiet

Weil mit Verspätung auffiel, dass der „Waldgarten Wiehre“ im Landschaftsschutzgebiet liegt, wird nun über Auflagen verhandelt.

  1. Im Jahr 2013 begann eine Gruppe des Vereins „Transition Town Freiburg“ mit dem urbanen Gärtnern am Deicheleweiher zwischen dem Stadtteil Wiehre und dem Sternwald. Das ist erst mal auf Eis gelegt, nachdem aufgefallen ist, dass das Areal im Landschaftsschutzgebiet liegt. Foto: Ingo Schneider

WIEHRE. "Urban Gardening" bedeutet so viel wie städtisches Gärtnern – also das Anbauen von Grünpflanzen, Obst und Gemüse in stark besiedelten Gebieten, in denen normalerweise nicht viel Platz für Vegetation bleibt. Die Idee kommt in Großstädten gut an. Auch in Freiburg gibt es solche Gartenprojekte, etwa am Deicheleweiher im "Waldgarten Wiehre". Der liegt zurzeit allerdings brach. Auf Beschwerde einer Umweltschützerin hat die Stadt festgestellt, dass es sich um ein Landschaftsschutzgebiet handelt. Gärtnern sollte hier nur unter strengen Auflagen möglich sein.

Eigentlich hätte das Projekt am Deicheleweiher, das seit 2013 besteht, von Anfang an unter Auflagen der unteren Naturschutzbehörde stehen müssen. Gisela Friederich, Leiterin der Jugendgruppe des Nabu Freiburg, beschwerte sich im Juli 2015 bei Baubürgermeister Martin Haag und Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik über das Gärtnern am Weiher am Fuß des Sternwalds. "Es ist ja gut, wenn man Natur in die Stadt bringt. Aber dort am Waldrand gibt es keine Stadt, stattdessen einen Haufen Amphibien – und die werden durch die Gärtnerei extrem gefährdet", äußerte sich Friederich gegenüber der BZ: "Man kann nicht einfach den Waldrand umfunktionieren."

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Mit ihrer Beschwerde bewirkte sie eine Überprüfung des Projekts. In der Folge stellte die Stadt fest, dass der Waldgarten am Rand des Landschaftsschutzgebietes "Brombergkopf, Lorettoberg, Schlierberg" liegt. Die dadurch eigentlich notwendige Absprache mit dem Umweltschutzamt hat das Garten- und Tiefbauamt, das für die Prüfung und Genehmigung von Gartenprojekten in Freiburg zuständig ist, jedoch versäumt. "Wieder ein Beispiel dafür, wie wenig die städtischen Ämter aus verschiedenen Dezernaten zusammenarbeiten", schrieb der ehemalige Vorsitzende des Bürgervereins Oberwiehre-Waldsee und Gisela Friederichs Ehemann, Karl-Ernst Friederich, vor einiger Zeit im Bürgerblatt des Stadtteils. Marius Hörner, Leiter des von der Nachhaltigkeitsinitiative "Transition Town Freiburg" geplanten Waldgartens, kann die Vorwürfe von Gisela Friederich nicht nachvollziehen. "Bevor wir angefangen haben, dort zu gärtnern, wurde die Wiese am Waldrand regelmäßig von der Stadt motorisch ausgemäht. Dann haben Kinder dort gebolzt und kein Mensch hat sich darum gekümmert, dass es sich um ein Landschaftsschutzgebiet handelt", ärgert sich Hörner. "Natürlich sind Landschaftsschutzbedingungen eine wichtige Errungenschaft", sagt er. Aber die Waldgärtner hätten sich mit Grasinseln und Handmähen für den Artenschutz am Weiher eingesetzt und verstünden nicht, wieso man sich jetzt gegen sie wende.

Die Nutzungsvereinbarung ist noch nicht unterschrieben

Am 8. März suchten die Parteien im Gespräch eine Einigung. Bei einem Treffen zwischen Gärtnern, dem Umweltschutzamt, Gisela Friederich und dem Naturschutzbeauftragten Thomas Ludemann, gegenwärtig Wissenschaftler an der Fakultät für Biologie der Universität, wurde eine Nutzungsvereinbarung entworfen. "Die Vereinbarung ist mit dem Umweltschutzamt abgestimmt und liegt der Gruppe seit Ende April zur Unterschrift vor", so Stadtsprecherin Martina Schickle. Die Gärtner des Waldgartens weigern sich aber bisher, diese Vereinbarung zu unterschreiben. "Die meisten der Auflagen haben überhaupt nichts mit Amphibien zu tun", so eine Gärtnerin der Gruppe, die nicht namentlich genannt werden möchte. Außerdem seien die Begrifflichkeiten unklar. Beispielsweise sei das Verbot, Pflanzen anzusiedeln, die nicht im Landschaftsschutzgebiet heimisch sind, zu unpräzise. Auch die Frage, was mit Mähgut und anderem Kompost, der im Garten anfällt, geschehen soll, wollen die Gärtner erst noch in Absprache mit Berthold Vath von der unteren Naturschutzbehörde klären.

"Aber mit Auflagen, so wie sie jetzt sind, ist unser Projekt gestorben", sagt Marius Hörner. Die Gärtnerin betonte gegenüber der BZ, dass der Fokus im Waldgarten auf der Arbeit mit der Natur läge. "Klar liegt der Fehler erst mal bei den Ämtern", räumt die Naturschützerin Friederich ein, "aber man kann jetzt nicht einfach da gärtnern. Eingeschleppte Arten stören das ökologische Gleichgewicht am Weiher dauerhaft. Mir tut’s ja für die Leute leid, und Gärtnern an sich unterstütze ich durchaus, aber nicht am Deicheleweiher."

Sobald die Gärtner die Nutzungsvereinbarungen unterschreiben, könnte laut Stadtverwaltung "nachwirkend" eine Genehmigung des Waldgartens durch das Umweltschutzamt erfolgen.

Landschaftsschutz

Landschaftsschutzgebiete sind Gebiete, in denen Natur und Landschaft unter besonderen Schutzmaßnahmen durch das Umweltschutzamt der Stadt stehen. Diese sollen gewährleisten, dass Vielfalt, Eigenart oder Schönheit einer Landschaft erhalten und ein ausgewogener, regenerationsfähiger Naturhaushalt gefördert wird. Außer dem betroffenen Gebiet Brombergkopf-Lorettoberg-Schlierberg gibt es in Freiburg die vier weiteren Landschaftsschutzgebiete Mooswald, Mühlmatten, Roßkopf-Schloßberg und Schauinsland.  

Autor: enni

Autor: Annika Enning