Wiehre

Stadt restauriert Inschrift an Revolutionärsgrab

Heinz Siebold

Von Heinz Siebold

So, 25. Dezember 2016 um 12:54 Uhr

Freiburg Süd

Die Inschrift an der Grabkapelle des Revolutionärs Maximilian Dortu (1826 bis 1849) auf dem Spielplatz Ecke Dreikönig-/Erwinstraße in der Wiehre ist von der Stadt Freiburg restauriert worden.

An der Südseite der Kapelle ist eingraviert: "Hier ruht Maximilian Dortu aus Potsdam 23 Jahre alt, erschossen den 31. Juli 1849. Mit ihm vereint seine Eltern, deren einzige Freude und Hoffnung er war." Die Schrift im weichen Vogesensandstein ist vor über 150 Jahren angebracht worden, die Erosion des Steins hatte sie teilweise unleserlich gemacht. Nun hat Restaurator Luzius Kürten die Schrift mit einer Lasur nachgezogen, so dass sie wieder deutlich lesbar ist. Kürten ist verantwortlicher Restaurator am Freiburger Münsterturm, er wurde vom Gebäudemanagement der Stadt Freiburg für die Arbeit am Dortu-Mausoleum engagiert.

Nicht nur der Schriftzug wurde bei dieser Gelegenheit restauriert. Im Auftrag des Garten- und Tiefbauamtes ist das gesamte Grabmal gereinigt, sind defekte Fugen gekittet und Graffitiverunreinigungen beseitigt worden. Die umfangreichen Sanierungsarbeiten im Oktober und November für rund 7000 Euro wurden aus Mitteln des Allgemeinen Bauunterhaltes des Gebäudemanagements finanziert. Angeregt wurden die Erneuerung der Inschrift am Dortu-Grab und die Sanierung von der "Initiative zur Erinnerung an die Badische Revolution von 1848/49", die alljährlich am 31. Juli am Grabmal von Maximilian Dortu eine Gedenkfeier veranstaltet. "Wir freuen uns, dass die Stadt Freiburg ihre historische Verpflichtung gegenüber den Vorkämpfern der Demokratie erfüllt", erklärte Andreas Meckel, Sprecher der Initiative.

Die Grabkapelle ist der oberirdische Teil des Mausoleums der Familie Dortu aus Potsdam. Der heutige Spielplatz war früher ein Friedhof. Dort wurde am 31. Juli 1849 der Freiheitskämpfer Maximilian Dortu standrechtlich erschossen.

Der 23-Jährige war aus seiner Geburts- und Heimatstadt Potsdam vor der preußischen Justiz geflohen und hatte sich der badischen Revolutionsarmee zur Verfügung gestellt. Nach dem Einmarsch preußischer Truppen wurde Dortu auf dem Rückzug der Badener in Freiburg festgenommen und von einem preußischen Militärgericht zum Tode verurteilt. Der Leichnam wurde zunächst verscharrt, es durfte kein Kreuz aufgestellt und kein Grabhügel aufgeworfen werden.

Mit einer Stiftung von 1000 Gulden erwarb die Mutter von Maximilian Dortu von der Stadt Freiburg das Recht, eine Grabstätte zu bauen, in der sie selbst und ihr Mann später neben ihrem einzigen Sohn ruhen sollten. Die Stadt Freiburg nahm die Spende 1863 an und akzeptierte die damit verbundene Auflage, "auf ewige Zeiten" für die Grabpflege zu sorgen. Nach der Schließung des Friedhofes im Jahr 1923 blieb das Dortu-Mausoleum als einzige Grabstätte bestehen. Nach Dortu wurden 1849 auch der Rümminger Student Friedrich Neff und Soldat Gebhard Kromer aus Bombach (Kenzingen) auf dem Wiehre-Friedhof von preußischen Erschießungskommandos hingerichtet. Ihre Gebeine wurden später in ihre Heimatdörfer überführt.