Vereint im Verein

"Älter werden im Rieselfeld" bringt Senioren zusammen

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mi, 20. April 2016

Freiburg Südwest

Kürzlich bei einem der Seniorennachmittage im Glashaus steuerten sie nicht nur selbstgebackenen Kuchen bei, sondern nutzten die Gelegenheit, sich vorzustellen: Die Frauen des Besuchsdiensts vom Verein „Älter werden im Rieselfeld“ (Äwir) wollen bekannter werden, damit alle, die Hilfe brauchen, sie bekommen.

RIESELFELD. Und sie wünschen sich neue Mitglieder, am liebsten Männer. Das Ziel der Besuchsdienst-Frauen ist das selbe wie das von "Äwir" insgesamt: Ein Klima zu schaffen, in dem alle auf einander achten und sich unterstützen – besonders die Älteren.

Klar, dass sie zusammen hier sind und gemeinsam Kuchen essen: Beim Seniorennachmittag sitzen Gundel Predan (68) und Anne Groß (79) nebeneinander. Die beiden sind befreundet, seit sie regelmäßig zusammen Bridge spielen. Und weil Anne Groß, seitdem sie schwer erkrankt ist, Unterstützung braucht, kümmert sich Gundel Predan um alles, was anfällt. Jeden Tag ruft sie bei Anne Groß an: "Brauchst du was?" Sie ist da, wenn Einkäufe oder Arztbesuche anstehen. Oder eine kulturelle Veranstaltung, für die sich Anne Groß interessiert.

Früher war Anne Groß selbst immer sozial engagiert – zusätzlich zu ihrem Beruf als Krankenschwester, in dem sie unter anderem zehn Jahre in Afrika und später als Lehrerin an einer Krankenpflegeschule und an der Uniklinik als Pflegedienstleiterin gearbeitet hat. Als sie 2007 Rieselfeld-Bewohnerin wurde, stieg sie im kirchlichen Nachbarschaftshilfe-Netzwerk "50 plus" ein und war viel für andere da. Trotzdem: Ihr selbst fällt es nicht immer leicht, jetzt die Hilfe von Gundel Predan anzunehmen. Obwohl sie sich ihren Alltag ohne Unterstützung nicht mehr vorstellen kann und spürt: "Wenn die Gundel sich mal einen Tag nicht meldet, dann fehlt mir was."

Viele tun sich schwer, Hilfe zu akzeptieren, beobachtet Marlene Birkle (65): "Sie denken, man würde sich für sie aufopfern, obwohl man ihnen gerne hilft." Die Besuchsdienst-Frauen mögen ihre Einsätze. Veronika Stroh (68) nahm alles in die Hand, als sie vor zwei Jahren bei einer Veranstaltung von "Äwir" war: "Da wurde vom Besuchsdienst geredet, den es damals noch nicht gab, doch niemand tat was dafür."

Das Ausmaß der Einsätze ist sehr unterschiedlich

Sie sprach alle an, die sie kannte, etliche machten mit. "Ich organisiere gern", sagt sie – umso besser gefiel ihr das, weil sie die Bereitschaft der anderen wahrnahm. Inzwischen sind zwölf Frauen beim Besuchsdienst aktiv, fast jede hat eine Betreuungsperson. Das Ausmaß der Einsätze ist sehr unterschiedlich. Die Frau, um die sich Veronika Stroh kümmert, braucht nur sporadisch Unterstützung: "Etwa um eine Glühbirne einzudrehen, oder wenn in einem Geschäft etwas mit dem Auto abgeholt werden muss."

Die Besuchsdienst-Frauen tun gern was für andere, sie hoffen aber auch, dass sie mit dazu beitragen, eine aufmerksame Gesamtatmosphäre in ihrem Stadtteil zu schaffen. "Natürlich gehört dazu der Hintergedanke, dass mir dann auch mal jemand hilft, wenn ich selbst Hilfe brauche", sagt Veronika Stroh. Ihre Kinder leben woanders. Da beruhigt sie der Gedanke, vor Ort gut vernetzt zu sein.

Das sehen alle ähnlich: "Wir haben uns nun kennengelernt und werden gemeinsam alt", sagt Gundel Predan, "das ist eine Bereicherung!" Und eine, die es wahrscheinlich macht, dass sie aufeinander und auf andere Ältere achten. Von denen gäbe es in Rieselfeld immer mehr – auch deshalb, weil viele Ältere mit Geld zuzögen, während die Mieten für Jüngere und Familien immer unbezahlbarer würden.