Freiburg-Haslach

Auf dem Gelände der ECA-Siedlung haben die Bauarbeiten begonnen

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Sa, 17. Dezember 2016

Freiburg Südwest

Auf dem Gelände der ECA-Siedlung in Haslach haben die Arbeiten für Abriss und Neubauten begonnen – mit einem Jahr Verspätung.

HASLACH. Eigentlich hätte der Abrissbagger schon vor einem Jahr kommen sollen. Doch wegen der benachbarten Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge haben sich die Planungen für die ECA-Siedlung im Stadtteil Haslach noch einmal verzögert. Nun geht es aber endgültig los: Bis zum Herbst 2018 will die städtische Tochtergesellschaft Freiburger Stadtbau (FSB) den ersten Bauabschnitt fertigstellen, bis Anfang 2020 soll das Gelände komplett neu geordnet sein. Am Ende wird es dort doppelt so viele Wohnungen geben wie bislang.

Die Siedlung zwischen Basler Straße, Müllheimer Straße, Schildackerweg und Neuenburger Straße soll sich in ein Vorzeigeprojekt verwandeln, und das gleich aus mehreren Gründen: Erstmalig will die FSB Wohngebäude in Holzbauweise errichten, allerdings erst im zweiten Bauabschnitt ab Herbst 2018 (siehe dazu Seite 32). Innovativ soll auch das Stellplatzkonzept des Quartiers werden. Um Kosten zu sparen, verzichtet die Stadtbau auf teure Tiefgaragen und plant stattdessen oberirdische Stellflächen. Falls aber gar nicht so viele Bewohner ein Auto haben, wie Parkplätze gesetzlich nachgewiesen werden müssen, sollen die Flächen stattdessen als Spielareale für Kinder genutzt werden. Entwickelt wurde die neue Bebauung der ECA-Siedlung vom Kölner Architekturbüro Astoc – analog zu einem ähnlichen Quartier in Köln, für das die Planer 2012 den Deutschen Städtebaupreis erhielten. "Die ECA-Siedlung ist für uns ein ganz wichtiges und interessantes Projekt", sagt FSB-Geschäftsführer Klausmann. Bislang befinden sich auf dem Gelände neun Wohnblöcke in einfacher Bauweise, errichtet wurden sie 1952 durch die amerikanische Economic Cooperation Administration (ECA) mit Geldern des Marshallplans. Da die Gebäude laut Aussage der Freiburger Stadtbau nicht mehr sanierungsfähig sind, sollen sie komplett abgerissen und ersetzt werden. Die neuen Häuser liegen ähnlich wie die alten am Rand des Geländes, sind aber tiefer und höher: Statt wie bislang drei wird es zukünftig vier Etagen geben. Die Zahl der Wohnungen wird sich dadurch insgesamt mehr als verdoppeln: von aktuell 147 auf gut 300. Die meisten Wohnungen werden geförderte Mietwohnungen sein – damit ist die ECA-Siedlung das erste Bauprojekt in Freiburg, bei dem die umstrittene neue 50-Prozent-Quote für Sozialwohnungen, die der Gemeinderat im Mai 2015 beschlossen hat, umgesetzt wird. Im zweiten Bauabschnitt ist zudem eine Kindertagesstätte geplant.

Aktuell haben die Arbeiten für den ersten Teilbereich begonnen – und das, obwohl der Abschluss des Bebauungsplanverfahrens in der vergangenen Woche kurzfristig von der Tagesordnung des Gemeinderats genommen wurde. Hintergrund seien noch unklare Details beim "städtebaulichen Vertrag", der zwischen Stadtverwaltung und Stadtbau geschlossen wird, erklärt Rathaussprecherin Edith Lamersdorf. Für den Start der Bauarbeiten seien diese Punkte aber irrelevant.

In dem ersten Neubaublock an der Basler Straße entstehen insgesamt 90 Wohnungen, die Kosten hierfür liegen bei 18,3 Millionen Euro. Wie teuer der zweite Bauabschnitt samt Holzhäusern sein wird, kann die Stadtbau derzeit noch nicht sagen. Für die Mieter soll es keinen Unterschied machen, ob sie zukünftig in einem Holzhaus wohnen oder in einem konventionellen Gebäude. Die FSB rechnet damit, dass die Monatsmiete bei knapp 6 Euro pro Quadratmeter liegen wird, das ist laut Klausmann rund 1 Euro pro Quadratmeter mehr als bislang. Geplant ist, dass die Bewohner der bestehenden Gebäude in den ersten Neubaublock umziehen, bevor es mit dem zweiten Bauabschnitt losgeht. Die Mieter, die vom ersten Bauabschnitt betroffen sind, hat die FSB in anderen Wohnungen aus ihrem Bestand untergebracht.