Bildungshaus Weingarten entsteht

Tobias Heidenreich

Von Tobias Heidenreich

Do, 25. Juli 2013

Freiburg Südwest

Reutlinger Architekturbüro gewinnt Wettbewerb zum Ausbau der Adolf-Reichwein-Schule / Baubeginn frühestens 2014.

WEINGARTEN. Der geplante Ausbau der Adolf-Reichwein-Grundschule ist einen wichtigen Schritt vorangekommen. Das Preisgericht kürte den Sieger des Architekturwettbewerbs für das auf 5,5 Millionen Euro taxierte Projekt. Die Bauarbeiten sollen nächstes Jahr beginnen und der Schule einen Ganztagesbetrieb sowie den Anschluss zweier Kindertageseinrichtungen ermöglichen.

Architekt Thorismuth Gaiser zeigt bei der Präsentation seines Siegerentwurfs auf die Mitte des Modells. "Der überdachte Hof verbindet die Kindergärten und die Schule", betont er. Wichtig ist ihm, dass die neuen Gebäude eine Einheit mit dem Bestehenden bilden, auch wenn sie funktional eigenständig sind. Und Baubürgermeister Martin Haag schiebt ein, hier entstehe "gefühlt ein Haus mit der gemeinsamen Mitte". Dass es nur "gefühlt" ein Haus ist, hat seine Gründe. Aufgrund seiner L-Form werde zum Beispiel der Kindergartenbereich von der Schule abgetrennt, "damit der Lärm des Kindergartens die Schule nicht beeinträchtigt", so der Preisgerichtsvorsitzende Gerd Gassmann.

Der Lärmschutz war nur eine von mehreren Auflagen, die die Architekten beim Wettbewerb um den Um- und Ausbau der inklusiv ausgerichteten Adolf-Reichwein-Schule beachten mussten. Ruth Scheurer vom Architekturbüro "Scheurer und Perler" in Freiburg sieht als wahren Gewinner des Wettbewerbs die Stadt Freiburg: "Es sind tolle und vielfältige Vorschläge zusammengekommen, aus denen die Stadt das Beste für sich aussuchen konnte." Das sieht auch Baubürgermeister Haag so: "Man muss sagen, dass sich der Wettbewerb gelohnt hat."

Ab dem Schuljahr 2016/17 soll die Schule als "Bildungshaus Weingarten" einen Ganztagesbetrieb für zunächst 300 und langfristig für 400 Kinder anbieten und zwei Kindertageseinrichtungen beherbergen. Die eine davon ist ein Schulkindergarten für Erziehungshilfe (50 Plätze in fünf Gruppen, davon zehn Plätze für Kinder mit besonderem Förderungsbedarf), die andere eine zweigruppige Kita (20 Plätze). Der Mensa-Bau mit zusätzlichen Räumen für die Schule entsteht links des jetzigen Eingangsbereiches, der Kita-Bau rechts davon.

Nach Ansicht des Preisgerichts hat das Architekturbüro "Riehle + Assoziierte" aus Reutlingen, zu dem Thorismuth Gaiser gehört, die Vorgaben am besten umgesetzt und in die bestehende Gebäudestruktur eingebracht. Der einstimmige Sieger der Ausschreibung setzt mit der Haupt-Bausubstanz Holz auf Nachhaltigkeit, die Fassaden sollen aus Holz und Glas bestehen. Im Innen- wie im Außenbereich wird auf kurze Wege geachtet. Dazu passt auch, dass die andockenden Bauten maximal zweigeschossig werden sollen, das sei für die Holzbauweise am wirtschaftlichsten. Die neuen Gebäudekomplexe werden auf beiden Seiten des bestehenden Schulhauses errichtet, wodurch dieses städtebaulich im Fokus bleibt und eine Art Campus entsteht. Den Architekten war bei ihrem Entwurf daran gelegen, die bisherigen Gebäude sichtbar zu lassen. Auch für eine schnellere bauliche Umsetzung sei es von Vorteil, wenn nicht in die bestehende Substanz eingegriffen werden müsse, erläuterte Gaiser.

Im weiteren Verlauf des Bauprojekts, so Johannes Klauser, Leiter der städtischen Abteilung Gebäudemanagement, müsse nun mit den drei bestplatzierten Architekturbüros verhandelt werden. Das sei aufgrund eines von der EU vorgegebenen Verfahrens notwendig, sollte jedoch kein großes Problem darstellen. "Der Siegerentwurf ist schon sehr nah an dem, was wir uns vorstellen." Bis auf kleinere Maßnahmen, etwa welcher Raum wo platziert werde, müsse nicht viel geändert werden. Erst wenn im Herbst die konkrete Planung beginnt, könne beziffert werden, wie viel der Bau kosten werde. Momentan ist ein Budget von 5,5 Millionen Euro angepeilt. Wünschenswert seien ein Baubeginn im nächsten Jahr und eine Bauzeit von einem Jahr, so Klauser.

An der Schule, die derzeit 326 Kinder in 17 Grundschulklassen sowie 31 Kinder in vier Klassen für Erziehungshilfe besuchen, haben die Ferien bereits begonnen. Die beim Wettbewerb eingereichten Vorschläge und Modelle können jedoch noch besichtigt werden bis Dienstag, 30. Juli, je 14 bis 18 Uhr (auch am Wochenende).