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28. Januar 2017

Stadtplanung

Bürgerinitative wehrt sich gegen Vergrößerung der Kleingärten

An städtischen Plänen für St. Georgen gibt es Kritik von einer neuen Bürgerinitiative: Sie wehrt sich dagegen, dass Ackerflächen geopfert werden sollen, um die dortige Kleingartenanlage zu erweitern.

  1. Im Anschluss an die bisherigen St. Georgener Kleingärten (links) sollen neue entstehen – auf bisher landwirtschaftschaftlich genutzter Fläche. Foto: Ingo Schneider

ST. GEORGEN. Im Stadtteil Stühlinger fallen in den kommenden Jahren 185 Kleingärten weg, weil die Flächen bebaut werden. Ersatz wird es zum Teil in St. Georgen geben: Die Kleingartenanlage am Friedhof soll um 70 Parzellen erweitert werden – auf einem Gelände, das derzeit als Ackerfläche genutzt wird. Dagegen wehrt sich eine neu gegründete Bürgerinitiative von Landwirten. Kritik kommt auch von der Gemeinderatsfraktion Freiburg Lebenswert/Für Freiburg, der Bürgerverein St. Georgen kann die Ängste der Bauern ebenfalls verstehen.

"Pro Landwirtschaft und Wald im Dietenbach & Regio" heißt eine Bürgerinitiative (BI), die sich neu gegründet hat (siehe auch Seite 27). Sie kämpft vor allem gegen den neuen Stadtteil auf dem Dietenbach-Areal, wo 76 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche verloren gehen. Aber die BI will generell darauf aufmerksam machen, dass es durch zahlreiche Bauprojekte in Freiburg und im Umland immer weniger Platz für die Landwirtschaft gibt. Dadurch sieht sie Existenzen bedroht.

Auch im Stadtteil St. Georgen sollen die Landwirte nun weitere Flächen abtreten – für eine neue Kleingartenanlage. Laut Stadtverwaltung geht es um rund zwei Hektar, die BI spricht sogar von doppelt so viel. Die genauen Abmessungen stünden noch nicht fest, sagt Rathaussprecherin Martina Schickle. Näheres werde in einem Bebauungsplanverfahren geklärt, das in diesem Jahr eingeleitet werden soll. Das Gelände gehört in großen Teilen der Stadt Freiburg und ist an mehrere Landwirte verpachtet.

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Einer von ihnen ist Otmar Kiefer, der in St. Georgen einen Biohof im Vollerwerb betreibt – mit 26 Hektar Ackerland, 14 Hektar Grünland und 3000 Legehennen. Durch die Erweiterung der Kleingartenanlage verliere er rund 1,3 Hektar, sagt Kiefer, das Gelände nutze er hauptsächlich zum Getreideanbau. Um viel Fläche gehe es in diesem Fall nicht, sagt der 51-Jährige: "Aber es summiert sich einfach." Schon durch die Erweiterung des Gewerbegebiets Haid habe er rund 1,5 Hektar Fläche verloren, bei den Planungen von Dietenbach sei er mit 8 Hektar betroffen (sieben Hektar gepachtet, einer im Eigentum). "Langsam wird es kritisch", sagt Kiefer: "Ich habe Zukunftsängste." Sein Hof sei seit 300 Jahren im Familienbesitz, aber seine Kinder überlegten inzwischen, ob sie die Landwirtschaft weiter betreiben sollten.

Die Gemeinderatsfraktion Freiburg Lebenswert/Für Freiburg kritisiert die Vorgehensweise der Stadtverwaltung scharf. Im städtischen Amtsblatt schrieb sie, dass durch "diese Taktik die Bauern zu Gegnern der Kleingärtner gemacht und somit beide gegeneinander ausgespielt" würden: "Seriöse Stadtplanung sieht wahrlich anders aus." Auch der Bürgerverein St. Georgen kann die Ängste der Bauern verstehen. Die Landwirte hätten es immer schwerer, sagt Vorsitzender Herbert Bucher: "Da hängen Existenzen dran."

In der Kleingartenanlage hinter dem St. Georgener Friedhof gibt es derzeit rund 100 Parzellen. Auch diese hat die Stadtverwaltung als Ersatz eingerichtet: für rund 220 Gärten, die für das Baugebiet Gutleutmatten im Stadtteil Haslach weggefallen waren. Von den dortigen Kleingärtnern sind jedoch nur 15 nach St. Georgen umgezogen, die übrigen Parzellen wurden an andere Interessierte vergeben. Nun sollen bis Ende 2019 weitere 70 Gärten entstehen – als teilweiser Ersatz für die Stühlinger Kleingärten. Weitere 115 Parzellen, die dort wegfallen, werden ersatzlos gestrichen, da sie sich auf Flächen des Bundes befinden. Insgesamt gibt es in Freiburg derzeit 3550 Kleingärten, die von der Stadtverwaltung und über Kleingartenvereine vergeben werden – Tendenz fallend. Zudem existieren Parzellen von Bahn, Post und anderen Institutionen, deren genaue Anzahl nicht bekannt ist. Das Interesse an den Gärten ist riesig, die Wartelisten sind lang.

Autor: Jelka Louisa Beule